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APA-Artikel 26. Juni 2013

Psychologengesetz - Weitere Verhandlungen im Parlament

Der Verband der Psychotherapeuten hält heute, Mittwoch, in Wien einen Aktionstag ab, um das geplante Psychologengesetz im letzten Moment noch zu Fall zu bringen. Die Therapeuten laufen gegen das Vorhaben Sturm, weil sie Eingriffe in ihren Berufsbereich befürchten. Auch von ärztlicher Seite gibt es Widerstände. Die am Montag abgelaufene Begutachtung brachte eine Flut kritischer Stellungnahmen. Ob das Gesetz bereits kommende Woche im Parlament beschlossen wird, war am Mittwoch weiter offen.

Im Gesundheitsministerium hieß es gegenüber der APA, dass die Begutachtungsstellungnahmen nun geprüft und eingearbeitet würden. Man habe nie die Intention gehabt, die bestehenden Rechte anderer Berufsgruppen zu beschränken, betonte ein Sprecher.

Im Parlament liefen unterdessen weitere Verhandlungen, wobei für SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser noch nicht klar war, ob sich der Beschluss vor der Sommerpause noch ausgeht oder nicht. "Es muss klar festgelegt sein, dass die Psychologen nur das tun können, wofür sie auch ausgebildet sind", betonte sie. Derzeit fehlten diese Festlegungen zur psychologischen Behandlung im Entwurf. Auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses morgen, Donnerstag, stand das Gesetz vorerst noch nicht.

Bereits vergangene Woche hatte es im Parlament geheißen, dass man zu Klarstellungen und Nachschärfungen bereit sei. Der Druck dafür ist angesichts der vielen ablehnenden Stellungnahmen groß. Über 100 davon waren bis Mittwoch im Parlament eingelangt, allein an die 30 Psychotherapeuten machten in teils gleichlautenden Schreiben ihrem Ärger Luft.

Zentraler Kritikpunkt blieb auch in den Stellungnahmen der vorgesehene Tätigkeitsvorbehalt der Psychologen für die klinisch-psychologische Diagnostik, durch den sich die Therapeuten, aber auch die Psychiater auf den beruflichen Schlips getreten fühlen. Sie befürchten, Diagnosen künftig nicht mehr selbst stellen zu dürfen - was die Verfasser des Gesetzes in Abrede stellen.

Gefordert wird zudem eine klare Abgrenzung zwischen klinisch-psychologischer Behandlung und der Psychotherapie. Was die Therapeuten wie viele andere Kritiker zusätzlich ärgert, ist der aus ihrer Sicht überhastete Gesetzwerdungsprozess unter exklusiver Einbindung der Psychologen.

Auch eine Vielzahl an Berufsverbänden meldete sich mit großteils ablehnenden Stellungnahmen zu Wort, neben dem Bundesverband für Psychotherapie etwa auch die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie und jene für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin. Vorbehalte äußerten auch die Wiener Uniklinik für Psychoanalyse und -therapie, die Ärztekammer, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, die Rechtsabteilung der Wiener Medizin-Uni sowie eine Gruppe von 20 Universitätsprofessoren für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leitern psychiatrischer Einrichtungen.

Kleiner war die Zahl der positiven Stellungnahmen. Zustimmung kam etwa von der Sigmund Freud-Privatuniversität, der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie an der Uni Wien oder dem Psychologenforum.

apa.at

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