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APA-Artikel 21. Juni 2013

Ärztekammer: Gesundheitsreform muss Versorgung durch niedergelassene Ärzte stärken

"Die Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich eindeutig eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs. Das ist ein klarer Auftrag an die politischen Entscheidungsträger." So kommentiert Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) eine am Freitag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger vorgestellte Meinungsumfrage. Analysiere man die Umfrageergebnisse, so zeige sich, dass sich jeder Zweite mehr Fachärzte wünsche.

 

Genau das sei eine Kernforderung der Ärztekammer, so Steinhart: "Wir brauchen zusätzlich 1.300 Kassenärzte, um auch zukünftig die Versorgung zu sichern - dies umso mehr, als die Verlagerung von Leistungen in den niedergelassenen Bereich ein zentrales Element der ,Gesundheitsreform' ist." Anstatt die Zahl der Kassenärzte aufzustocken, passiere in Österreich aber das Gegenteil: Waren im Jahr 2000 noch 8.491 Kassenärzte gemeldet, konnten im Jahr 2010 nur noch 7.616 niedergelassene Ärzte mit Kassenvertrag gezählt werden. Gleichzeitig sei die Bevölkerungszahl konstant gestiegen: Im Jahr 2000 gab es pro 943 Bewohner einen Kassenarzt, heute versorgt ein niedergelassener Arzt bis zu 1.100 Menschen. "Solche Zahlen verdeutlichen den Bedarf an mehr Ärzten", so Steinhart.

 

Die vom Hauptverband präsentierte Umfrage drücke den Wunsch nach mehr Zuwendungsmedizin aus, die auch den Ärztinnen und Ärzten ein Anliegen sei, betonte Steinhart. Immerhin wünschten sich 64 Prozent mehr medizinische Begleitung durch den Haus- oder Vertrauensarzt, 45 Prozent der Befragten sprechen sich für mehr Gesprächszeit mit dem Arzt aus. Steinhart: "Diese Leistungen werden leider derzeit so gut wie nicht honoriert. Stattdessen fordert die Sozialversicherung längere Öffnungszeiten. Das ist ein leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver - man will den Umstand verschleiern, dass man nicht bereit ist, in die Stärkung des niedergelassenen Bereiches zu investieren." Die Öffnungszeiten seien für einen Großteil der Patienten nämlich kein Problem, 81 Prozent der Befragten zeigten sich damit zufrieden. "Wir sind natürlich bereit, im Sinne unserer Patienten über längere Öffnungszeiten am Abend und an Wochenenden zu diskutieren, allerdings muss eine längere Arbeitszeit durch zusätzliche Kassenhonorare abgegolten werden", erklärte der Kurienobmann. Schließlich würde man auch von keiner anderen Berufsgruppe ernsthaft unbezahlte Überstunden verlangen.

 

Auch die Einrichtung von Gruppenpraxen werde von 96 Prozent der Befragten befürwortet, allerdings fehlten in den meisten Bundesländern dafür noch die geeigneten Voraussetzungen. In Wien zum Beispiel seien derzeit rund 90 Gruppenpraxen beantragt, würden aber von der WGKK aus Spargründen nicht freigegeben.

 

"Die Bundeskurie Niedergelassene Ärzte appelliert an die Mitglieder der Bundeszielsteuerungskommission, bei der bevorstehenden Festlegung der Bundesgesundheitsziele eine tatsächliche Stärkung des niedergelassenen Bereichs dem Versorgungsbedarf entsprechend zu verankern", so Steinhart. Schließlich solle bis zum 30. Juni der Entwurf des ersten Bundeszielsteuerungsvertrages für die Jahre 2013 bis 2016 vorliegen, so Steinhart.

apa.at

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