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APA-Artikel 21. Juni 2013

Wechselberger auf Ärztekammertag: (1)

Die vitalen Interessen der Patientinnen und Patienten dürften nicht der Bürokratisierung und Verwirtschaftlichung des Gesundheitssystems geopfert werden, warnte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, anlässlich des 127. Ärztekammertages am Freitag in Baden. Während die neue Finanzierung und Organisation mit der so genannten Gesundheitsreform im April beschlossen wurden, stünden nun die Detailarbeiten an. Dabei gehe es vor allem darum, wo Patientinnen und Patienten zukünftig am besten behandelt werden. Wechselberger forderte in diesem Zusammenhang die Einbindung der Ärzteschaft und klare Maßnahmen zur Entlastung der Spitalsambulanzen. Um dem drohenden Ärztemangel gegenzusteuern, müsse man die Primärversorgung aufwerten, das heiße vor allem: Reform der Allgemeinmediziner-Ausbildung, bessere Honorierung, moderne Leistungskataloge und praxistaugliche Möglichkeiten der ärztlichen Zusammenarbeit.

 

Bürokratie - Verlust von Know-how

 

"Wir rechnen mit einem Zuwachs an Bürokratie, den die zehn Zielsteuerungskommissionen mit Sicherheit verursachen werden", sagte Wechselberger. "Auch die geplante Einrichtung neuer Monitoring- und Kontrollinstanzen werde Mittel verschlingen, die dann in der direkten Patientenbetreuung fehlen." Die eigentlichen Versorgungsexperten seien die Ärztinnen und Ärzte, die in Niederlassung und Spital direkt am Patienten arbeiteten. Allerdings würden Ärzte und Ärztevertreter aus dem Diskussionsprozess ausgegrenzt, was zu einem Verlust von Know-how und Engagement führe. Der ÖÄK-Präsident ortet darin auch einen der Gründe für die sinkende Bereitschaft von Jungmedizinern, sich überhaupt für den Arztberuf zu entscheiden, geschweige denn eine Ordination zu führen: "Es ist demotivierend, wenn man die, die Tag für Tag Patienten betreuen, nicht an der Gestaltung der zukünftigen medizinischen Versorgung mitwirken lässt und sie nur als Kostenfaktor apostrophiert."

 

Best point of service - Zentralisierung

 

"Der ,best point of service' ist dort, wo eine medizinische Leistung in höchstmöglicher Qualität so nahe wie möglich am Patienten erbracht werden kann", erklärte Wechselberger. "Ich bezweifle aber, dass die Politik das auch so sieht." Vieles deute auf einen Rückbau der Versorgung durch niedergelassene Fachärzte und auf eine krankenhausnahe Zentralisierung hin. Das widerspreche eindeutig dem Ziel einer möglichst wohnortnahen Patientenbetreuung. Es bestehe die Gefahr der Einschränkung des medizinischen Angebots vor allem im niedergelassenen Bereich und der Ausdünnung der Leistungsanbieter. Von realistischen Maßnahmen zur viel zitierten Aufwertung der Allgemeinmedizin fehle zudem nach wie vor jede Spur, die aktuelle Debatte über die Lehrpraxen lasse nichts Gutes erwarten.

 

Primärversorgung ausbauen - Spitalsambulanzen entlasten

 

"Die Spitalsambulanzen können nur entlastet werden, wenn vorher ausreichend alternative Angebote im niedergelassenen Bereich geschaffen wurden", so Wechselberger. Vor allem sei die Primärversorgung auszubauen. "Für eine ,Primary Health Care' nach internationalem Vorbild muss der Anteil der niedergelassenen Ärzte erhöht werden. Zudem sind Maßnahmen zur integrierten Versorgung, das heißt der nahtlosen Zusammenarbeit aller extra- und intramuralen Versorgungseinrichtungen zu setzen. Damit wieder mehr Jungmediziner - von denen immer mehr weiblich sind - als hausärztliche Angelpunkte der integrierten Patientenversorgung zur Verfügung stehen, brauche es eine verbesserte allgemeinmedizinische Ausbildung inklusive zwölf Monate geförderter Lehrpraxis sowie ein erweitertes Leistungsspektrum, das den tatsächlichen Anforderungen in der Praxis entspreche. Weitere Voraussetzungen seien eine bessere Honorierung, familienfreundliche Modelle für Bereitschaftsdienste und praxistaugliche ärztliche Zusammenarbeitsformen, die das aktuelle Gruppenpraxengesetz definitiv nicht ermögliche. Das seien Fördermaßnahmen, die auch für eine gesicherte fachärztliche Versorgung ein Gebot der Stunde seien.

apa.at

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