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APA-Artikel 14. Juni 2013

D: Satzungsänderung bei Rhön-Klinikum wird angefochten

Katerstimmung nach dem Überraschungscoup beim deutschen Klinikbetreiber Rhön-Klinikum: Mit einer überraschenden Mehrheit für die Abschaffung der bisherigen Sperrminorität schien dem Krankenhauskonzern ein Befreiungsschlag aus der vertrackten Pattsituation im Aktionärskreis geglückt zu sein. Doch gegen die Abstimmung regt sich Widerstand von Aktionären, einige wollen die Beschlüsse der Hauptversammlung vom Mittwochabend anfechten, teilte Rhön am Donnerstag mit. Bei der Satzungsänderung waren die Stimmen des Großaktionärs B. Braun Melsungen aus formalen Gründen nicht berücksichtigt worden. Rhön-Aufsichtsratschef Eugen Münch gibt sich aber ganz entspannt und sieht dem Störfeuer "sehr gelassen" entgegen.

Nun ist die Eintragung der Beschlüsse in das Handelsregister auf Eis gelegt. Ob und wann diese erfolge, hänge von der Prüfung der Klagen ab, sagte Rhön. Konnten bisher zehn Prozent plus eine Aktie wichtige Beschlüsse auf den Aktionärstreffen der Franken blockieren, würde mit der Eintragung die gesetzlich übliche Hürde von mehr als 25 Prozent greifen.

Nach dem im Vorjahr geplatzten Übernahmeversuch könnte Fresenius nun mit einer neuen Offerte wieder zum Zuge kommen. Damals hatten sich Konkurrenten bei Rhön eingekauft und dank der geringen Sperrminorität den Deal vereitelt. Von Übernahmespekulationen angefacht, legte die Rhön-Aktie im Tagesverlauf deutlich zu. Doch die angedrohte Klagewelle bremste den rasanten Kursanstieg am Nachmittag aus.

Die Vertreter von B. Braun Melsungen seien nicht "ordnungsgemäß legitimiert" gewesen, teilte Münch am Donnerstag mit. Wie aus Kreisen verlautete, gab es offenbar Probleme mit zwei Unterschriften.

Spekulationen über ein mögliches neues Übernahmeangebot von Fresenius hat Rhön vorsorglich den Wind aus den Segeln genommen: Von der beschlossenen Satzungsänderung könne nicht automatisch auf einen neuen Übernahmeversuch - speziell von Fresenius - geschlossen werden, teilte Rhön mit.

Fresenius dagegen übt sich im Schweigen: Man gebe derzeit dazu keinen Kommentar ab, sagte ein Sprecher. Die Hessen könnten innerhalb eines Jahres nach dem gescheiterten Übernahmeversuch ein neues Angebot starten. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung des Rhön-Vorstandes sowie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Frist dafür endet in einigen Tagen am 27. Juni - also ein Jahr nach der ursprünglichen Angebotsfrist für das erste Rhön-Offert.

Vor einem Jahr hatte Fresenius pro Rhön-Aktie 22,50 Euro oder insgesamt rund 3,1 Mrd. Euro geboten. Der DAX-Konzern aus Bad Homburg hatte zwar rund 84 Prozent der Rhön-Anteile eingesammelt - war aber an der hohen Annahmeschwelle von 90 Prozent gescheitert. Denn der von Rhön-Gründer Münch befürwortete Übernahmeversuch wurde von Konkurrenten torpediert. Mit den angekündigten Klagen geht die Zitterpartie um die Zukunft von Deutschlands drittgrößtem privaten Klinikkonzern in die nächste Runde.

apa.at

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