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APA-Artikel 13. Juni 2013

Aktionäre von Rhön Klinikum kippen Übernahmehürde

Überraschender Sieg für Rhön-Klinikum-Aufsichtsratschef Eugen Münch: Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre für eine entscheidende Änderung der Unternehmenssatzung. Bei der fränkischen Klinikkette gilt künftig für alle wichtigen Unternehmensentscheidungen nicht mehr eine 90-Prozent-Hürde, sondern nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 75 Prozent. Der Vorschlag zur Satzungsänderung habe die erforderliche Stimmenmehrheit erreicht, sagte Münch am Mittwoch in Frankfurt.

An der 90-Prozent-Hürde war 2012 der geplante Kauf von Rhön durch den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert, den Münch einfädeln wollte. Mit Abschaffung der Klausel sind nun alle Optionen wieder offen.

Die Nachricht löste am Abend einen Kurssprung bei der Rhön-Aktie aus: Im nachbörslichen Handel schossen die Papiere zeitweise um mehr als 13 Prozent in die Höhe.

Auch für die Abschaffung der Klausel mussten - letztmalig - mindestens 90 Prozent des anwesenden Aktienkapitals votieren. Erreicht wurden 90,54 Prozent Ja-Stimmen, 9,46 Prozent stimmten dagegen. Die Rhön-Führung will am Donnerstag das Abstimmungsergebnis erläutern. Insgesamt waren auf dem Treffen rund 64 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend.

Der Aufsichtsratschef hatte bei den Aktionären für die Streichung geworben, um die Klinikgruppe für größere Zusammenschlüsse zu öffnen. Denn Münch sieht die Zukunft der privaten Klinik-Betreiber in großen integrierten Gesundheitskonzernen. Da die 90-Prozent-Hürde nun gekippt wurde, können Rhön-Großaktionäre wie der Klinik-Rivale Asklepios und der hessische Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen künftig nicht mehr so leicht eine eventuelle Übernahme von Rhön blockieren. Münch hatte die Kritiker auf dem Aktionärstreffen aufgefordert, ihre Haltung zu überdenken. "Ich glaube, es geht nicht um Gesichtsverlust", sagte er.

Der schwedische Pensionsfonds Alecta, der knapp zehn Prozent der Rhön-Anteile besitzt, hatte die Änderung der Satzung auf die Tagesordnung setzen lassen. "Wir sind der Auffassung, dass sich diese Klausel inzwischen zum Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Unternehmens entwickelt hat", argumentierte Alecta-Vertreter Marcus Lüttgen. Die Bestimmung war einst in die Satzung genommen worden, um eine feindliche Übernahme des Unternehmens zu verhindern. Doch bei der Fresenius-Offerte zeigte sich, dass durch sie auch eigene Fusionspläne wackeln. Denn Asklepios und der hessische Medizintechnikkonzern B. Braun hatten das Vorhaben verhindert, indem sie sich in dem Übernahmepoker mit Beteiligungen an Rhön in Stellung brachten. Aktuell halten fünf Großaktionäre zwischen fünf und 12,5 Prozent der Rhön-Stimmrechte, Asklepios, B. Braun und Fresenius besitzen jeweils mindestens fünf Prozent. Die Familie Münch hält rund 12,5 Prozent der Anteile.

"Ich wäre nie darauf gekommen, dass ein langjähriger Lieferant - anstatt mit uns über Lieferungen zu verhandeln - Anteile kauft", sagte Münch an die Adresse von B. Braun. Auch der Wettbewerb mit Asklepios sei bis dahin stets fair gewesen, es habe nie Krieg gegeben. Ihn habe deshalb das Vorgehen der beiden Unternehmen im vergangenen Jahr überrascht, sagte Münch den versammelten 550 Aktionären.

Aktionärsvertreter sparten auf dem Treffen nicht mit Kritik an der Rhön-Führung. "Der gescheiterte Übernahmeversuch hat tiefe Spuren in ihrem Unternehmen hinterlassen", sagte Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Irgendjemand müsse für das Scheitern die Verantwortung übernehmen. Julia List von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, die 90-Prozent-Hürde habe sich als Bremsklotz für das Unternehmen erwiesen. Das zeige sich auch in den Geschäftszahlen. Der Gewinn des Klinikkonzerns war im vergangenen Jahr eingebrochen.

apa.at

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