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APA-Artikel 11. Juni 2013

Linzer Medizin-Fakultät - Töchterle: "Noch einige Schritte zu setzen"

"Noch einige Schritte zu setzen" sieht Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) vor der Schaffung einer Medizin-Fakultät in Linz. Unter anderem müsse Gesundheitsminister Alois Stöger (S) für eine Attraktivierung des Ärzteberufs sorgen, die Hochschulkonferenz sich nicht dagegen aussprechen, die Frage des klinischen Mehraufwands geklärt und "frisches Geld" zur Verfügung gestellt werden, so Töchterle am Montagabend vor Journalisten. Der Ministerrat hat am Dienstag eine Novelle des Universitätsgesetzes (UG) beschlossen, die die gesetzlichen Voraussetzungen für die Einrichtung von Medizin-Fakultäten schafft.

"Wenn ich sage, das Hauptargument für eine Medizin-Fakultät in Linz ist die schlechte Ärzteversorgung, dann muss ich die Gründe für die schlechte Versorgung kennen", betonte Töchterle. "Und das ist der Umstand, dass viele Ärzte abwandern. Sonst ist die Aktion sinnlos." Eine Attraktivierung des Ärzteberufs umfasse im Wesentlichen eine Turnusreform, verwies Töchterle auf Stöger - aber nicht nur: Um Ärzte zur Übernahme einer Praxis in derzeit schlecht versorgten Gebieten zu bringen, brauche es zudem Initiativen des in Oberösterreich für die Gesundheitsagenden zuständigen Landeshauptmanns Josef Pühringer (V).

Darüber hinaus will Töchterle die aus Vertretern von Wissenschaftsministerium, Universitätenkonferenz, Fachhochschulkonferenz, Uni-Senaten, Wissenschaftsrat und HochschülerInnenschaft (ÖH) zusammengesetzte Hochschulkonferenz mit der Frage befassen. Sollte deren Stellungnahme uneindeutig sein, werde er selbst entscheiden, ansonsten sich an deren Empfehlung halten.

"Es darf nie und nimmer sein, dass durch Linz die Finanzierung anderer mir obliegender Institutionen reduziert wird", so der Minister. Das betreffe neben den Unis etwa auch den Wissenschaftsfonds FWF und die Akademie der Wissenschaften (ÖAW). "Wenn die Medizin-Fakultät in Linz kommt, dann mit frischem Geld und nicht zulasten anderer."

Das hohe Interesse Oberösterreichs an einer Medizin-Fakultät wertet der Minister als positiv. Wenn man dieses in eine Strategie einbinden könne, die sonst niemandem schade, werde er sich nicht sperren. Für alle Medizin-Standorte geklärt werden müsse außerdem die Frage des klinischen Mehraufwands (KMA), der Krankenanstalten entsteht, wenn diese als Unikliniken universitäre Forschung und Lehre betreiben: "In Oberösterreich fange ich nicht noch eine neue Baustelle beim KMA an." Wenn alle diese Bedingungen erfüllt seien, "sage ich gerne Ja", meinte Töchterle.

Skeptischer sieht der ehemalige Vorsitzende der Rektorenkonferenz und Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, die Frage. "Regionale Interessen" sollten anders strategisch eingebunden werden, um die Finanzierung der Unis langfristig zu sichern. Er sei ein Anhänger davon, "dass es von unten wächst".

Im neuen Gesetz sind auch Übergangsbestimmungen für das Personal enthalten: An den derzeitigen Medizin-Unis sind die Lehrenden auch an den Krankenanstalten in der Patientenversorgung tätig - in Linz muss dieses Verhältnis umgekehrt gestaltet werden: Das Personal der Krankenanstalten (Landesbedienstete) soll auch in Lehre und Forschung tätig sein. Unter anderem dürfen Leiter einer Organisationseinheit der Krankenanstalt für drei Jahre provisorisch auch eine Organisationseinheit der Medizin-Fakultät leiten - dann müssen sie entweder selbst eine Professur erlangt haben oder einem Professor Platz machen.

apa.at

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