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APA-Artikel 7. Juni 2013

"Prosit" - Möge der Tag der Gesundheitsberufe der Betriebskultur nützen

Bereits zum dritten Mal in Folge fand diese Woche der Tag der Gesundheitsberufe in Niederösterreich in St. Pölten statt. Heuer stand der Gesundheitstag ganz unter dem Motto "Prosit", was kein verspäteter Silvestergruß ist, sondern vom lateinischen Verb "prodesse", also nützen, zuträglich sein, kommt. Die konjugierte Form "prosit" bedeutet "es möge nützen" beziehungsweise "es möge zuträglich sein". Genau das forderte auch der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc: "Auch wenn unsere konstruktive Zusammenarbeit beispielsweise mit der Novelle des Spitalsärztegesetzes erste Erfolge zeigt, stellt dies noch lange keine Strukturreform dar. Hier ist das Land gefordert, die notwendigen Schritte umzusetzen." Und bekam dafür Unterstützung von seinem Amtskollegen in der NÖ Arbeiterkammer, Hermann Haneder.

Betriebsvereinbarungen für Ärzte schaffen Möglichkeit für altersgerechtes Arbeiten

Positiv erwähnte der Vizepräsident der NÖ Ärztekammer und Kurienobmann der angestellten Ärzte, OA Dr. Ronald Gallob, die grundsätzliche Reformierung des Dienstrechtes: "Mit dieser Maßnahme konnten die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte in Bezug auf Entlohnung und Arbeitszeiten verbessert werden. Alle Ärztinnen und Ärzte, die in Krankenhäusern der NÖ Landeskliniken-Holding arbeiten, können ihre Arbeitszeitobergrenze frei wählen. Dies ist sicherlich einmalig für unsere Branche. Doch noch lange nicht ist alles perfekt. Da der Ärztemangel mittlerweile bedenkliche Ausmaße annimmt, müssen wir dafür sorgen, dass einerseits Ärztinnen und Ärzte im Rahmen einer modernen und der Zeit angepassten Arbeitsorganisation dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich benötigt werden. Andererseits muss die überbordende Bürokratie auf ein notwendiges Maß reduziert werden, um die medizinische Tätigkeit am Patienten nicht zu blockieren."

AKNÖ-Präsident Haneder: ArbeitnehmerInnen-Schutz steckt im Gesundheitswesen in den Kinderschuhen

AKNÖ-Präsident Hermann Haneder äußerte sich kritisch zur Umsetzung der Schutzbestimmungen am Arbeitsplatz: "Der Arbeitnehmerschutz bei den mobilen Diensten liegt im Argen. Es darf hier keine weißen Flecken geben." Insbesondere forderte er die Evaluierung der Arbeitsplätze auf psychische Belastungen, wie sie im ArbeitnehmerInnen-Schutzgesetz bereits vorgeschrieben sind. Präsident Haneder warnte auch davor, hochqualifiziertes Personal durch Personen mit niedrigerem Ausbildungsniveau zu ersetzen: "Geringer qualifizierte MitarbeiterInnen sind schneller überfordert und es steigen die Krankenstände."

AKNÖ-Vize Brigitte Adler: Altersgerechte Arbeitsplätze auch für Pflegeberufe möglich

"Es müssen dringend altersgerechte Arbeitsplätze für Pflegeberufe angeboten werden", sagte AKNÖ-Vizepräsidentin DGKS Brigitte Adler. "Für MitarbeiterInnen nach längeren Krankenständen oder nach Burn out muss es ein betriebliches Eingliederungsmanagement geben". Beim 3. Tag der Gesundheitsberufe kam es auch zu intensiven Gesprächen zwischen der AKNÖ-Vizepräsidentin Adler und der Leitung der Landeskliniken-Holdung. Adler: "Eine gute Gesprächsbasis zwischen gesetzlicher Interessenvertretung und dem Management ist wichtig. Nur so können Fortschritte für die tausenden Beschäftigten erreicht werden und Fehlentwicklungen für die Zukunft vermieden werden.

Fragen zum Arbeitnehmerschutz müssen Führungsthema in Unternehmen sein

Der zentralen Frage, ob ArbeitnehmerInnenschutz und Gesundheit eine Frage der Unternehmenskultur sind, widmete sich die Leiterin für Arbeitsrecht im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Dr. Anna Ritzberger-Moser: "Prinzipiell sind Maßnahmen im Bereich des ArbeitnehmerInnenschutzes stärker in größeren Unternehmen verbreitet. In 40 Prozent der Unternehmen werden diese zentralen Gesundheitsthemen in der Führungsebene behandelt. Dies ist einer der wesentlichen Voraussetzung für den Erfolg." Als weitere Erfolgsfaktoren nennt Dr. Ritzberger-Moser die Mitarbeiterbeteiligung, die Kommunikation mit den Betroffenen, die systematische Herangehensweise, eine nachvollziehbare Dokumentation, die Beachtung von Leitlinien sowie ausreichende Ressourcen. Während Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung freiwillig passieren und häufig Förderungen dafür zur Verfügung stehen, ist der ArbeitnehmerInnenschutz gesetzlich verankert und bildet die Basis und das Fundament für die Arbeitsfähigkeit.

Zusammenarbeit zwischen NÖ Ärztekammer und Arbeiterkammer weiter gefestigt

Vor drei Jahren haben NÖ Ärztekammer und NÖ Arbeiterkammer erstmals die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe in Niederösterreich öffentlich aufgezeigt. Ausgehend von einer groß angelegten Umfrage kamen damals bedrückende Ergebnisse ans Tageslicht. Ein Jahr später, 2011, mussten beide Interessensvertretungen zur Kenntnis nehmen, dass sich wenig geändert hatte und organisierten den ersten Tag der Gesundheitsberufe in Niederösterreich. Im darauffolgenden Jahr war beim zweiten Tag der Gesundheitsberufe ein Beginn eines Veränderungsprozesses spürbar. Dieses positive Signal wurde weiter fortgesetzt und auf eine breite Basis gestellt. "2013 und mit Sicherheit auch 2014 werden Ärztekammer und Arbeiterkammer weiterhin gemeinsam für ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen und eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten kämpfen", meint Präsident Dr. Reisner abschließend.

apa.at

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