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APA-Artikel 6. Juni 2013

D: Kranke Krankenhäuser - Viele Patienten müssen sich umgewöhnen

Die kurzen Wege fallen weg - so lautet die Klage, wenn ein Krankenhaus schließt. Das wird künftig wohl noch öfter vorkommen. Doch für Patienten könnte der Trend sogar positiv sein.

Patienten und Ärzte in Monheim am Rhein sind frustriert. Seit 110 Jahren gehen Generationen von Monheimern ins örtliche St.-Josef-Krankenhaus. Im August soll es geschlossen werden. So wie der Stadt südlich von Düsseldorf geht es vielen in Deutschland. Mehr als jede vierte Klinik ist von der Pleite bedroht - auf die Patienten kommt eine wachsende Welle von Veränderungen zu.

Birgit Köhler begann 1987 im St.-Josef-Krankenhaus als Assistenzärztin. Seit 22 Jahren ist sie nun Hausärztin. Nahe Hilfe etwa bei Arbeitsunfällen falle künftig flach, fürchtet sie. Und der Urologe Lars Sachs sagt der "Rheinischen Post": "Der Patient tritt in den Hintergrund, die Kassenlage hat Vorrang."

Allerdings steigen die Ausgaben der Krankenkassen für Klinikbehandlungen laut ihrem Verband von 60 Milliarden Euro 2011 bundesweit 2013 wohl auf den Rekord von 64,3 Milliarden. Warum müssen Traditionshäuser wie das in Monheim dann schließen?

Es ist mit etwas über 100 Betten eine typische kleine Klinik. Künftig müssen die meisten der Patienten wohl ins St.-Martinus-Krankenhaus in Langenfeld. Das liegt neun Kilometer entfernt, die Autofahrt dauert rund eine Viertelstunde. Drumherum, im Dreieck Düsseldorf, Köln, Wuppertal gibt es zahlreiche große Häuser.

Es bestehen in vielen Regionen durchaus viele Kliniken. Zu viele, sagen Experten, zumal die Behandlungen wegen der eingesetzten Technik immer teurer werden. Der am Donnerstag präsentierte Krankenhaus Rating Report 2013 zeigt, dass es mit der Klinikstruktur so kaum weitergehen kann. 27 Prozent der rund 2000 Häuser sind insolvenzgefährdet, davon fast die Hälfte sogar stark.

Was hilft da die von der Koalition nun geplante Finanzspritze von 1,1 Milliarden Euro für die Kliniken? Studienautor Boris Augurzky meint, es sei ein Wahlgeschenk. Angesichts der Überschüsse der Krankenkassen findet der Experte des Instituts RWI das als Stabilisierung okay - nur nach vorne bringt es den kranken Sektor Krankenhaus seiner Ansicht nach nicht.

Vielmehr müsse - da ist sich der Experte mit vielen Krankenkassen-Managern einig - die rosige Zeit der Krankenversicherung jetzt zum Umsteuern genutzt werden. "Der Trend sind weitere Wege, aber bei besserer Qualität", meint Augurzky. "Wichtig ist Spezialisierung." Und: "Ketten sind stärker als Solisten."

Sebastian Krolop, Geschäftsführer Gesundheitswesen bei der Beratungsfirma Accenture, die den Report mit erstellt hat, erläutert das so: "Um auf dem neuesten Stand zu bleiben und eine hochklassige Patientenversorgung anbieten zu können, müssen die Einrichtungen viel Geld in Personal und Infrastruktur investieren." Kleinere Häuser müssten sich dabei auf einen bestimmten medizinischen Bereich konzentrieren - und die entstehenden Spezial-Kliniken sich dann nach und nach zusammenschließen.

Doch von selbst dürfte das nicht geschehen, zumal die Klinikplanung Ländersache ist. Und Länder und Landräte tun oft viel, damit ihre Kliniken so bleiben, wie sie sind. Auch wenn der Stress auf den Stationen steigt, wie man beim Kassen-Spitzenverband stöhnt. "Es ist nicht in Ordnung, wenn Krankenschwestern ausbaden müssen, dass der Kliniksektor der reformunwilligste Bereich des deutschen Gesundheitssystems ist", sagt Sprecher Florian Lanz.

Augurzky wartet daher mit einem Vorschlag auf: Der Bund soll Kliniken direkt bei Zusammenschlüssen unterstützen. Auch bei den Kosten für Schließungen solle er mit einspringen, wenn sich die Träger dazu durchringen. Mit einem Einsatz von zum Beispiel 400 Millionen Euro könnten Milliarden zusammenkommen, wenn Geld zinslos vergeben werde und sich die Klinikträger selbst beteiligten.

In den dann weniger Häusern sollen - so die Hoffnung - dafür Diagnose und Therapie besser werden. Denn hier liegt nach Ansicht von Kritikern und Kassen viel im Argen. Die Notfallversorgung auf dem Land müsste aber solchen Modellen zufolge neu geordnet, gesichert - und bezahlt - werden.

In Monheim taugen solche Vorschläge wohl kaum als Trost. Die Allgemeinärztin Karin Voigtländer sagt in der "Rheinischen Post", die kurzen Wege fielen für Patienten bald weg - vor allem wenn es eilt, sei das schmerzlich. "Das kostet in der Ausnahmesituation zusätzlich Geld, Zeit und Nerven."

apa.at

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