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APA-Artikel 31. Mai 2013

Welt-Nichtrauchertag: Ärztekammer fordert Nichtraucherschutz auf Europa-Niveau

"Rauchen ist eine Sucht, Sucht ist eine Krankheit, und Krankheiten brauchen konse-quente Vorbeugung und Therapie", so Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer anläss-lich des Welt-Nichtrauchertages am 31. Mai 2013. "Zigarettenrauchen tötet in Österreich etwa 14.000 Menschen pro Jahr, mehr als jeder andere vermeidbare Faktor. Prävention und Suchtbehandlung sind möglich - die entsprechende politische Bereitschaft vorausgesetzt."

 

Diese Entschlusskraft lasse die österreichische Gesundheitspolitik allerdings noch immer vermissen, kritisiert Steinhart: "Wir leben in Österreich im europäischen Vergleich in einem Raucher-Eldorado. Die Nichtraucherschutz-Gesetze sind halbherzig, sie werden inkonsequent umgesetzt und ihre Einhaltung wird viel zu lässig überprüft." Wie schädlich das zum Beispiel für die Gesundheit von in der Gastronomie Beschäftigten und Gästen ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der MedUni Wien: In den untersuchten "Nichtraucher-Räumen" von Wiener Gastronomiebetrieben ist die Belastung mit gefährlichen Ultrafeinstaub, der in die Lunge und das Blut eindringt und zu Schädigungen führen kann, beträchtlich: Sie ist immer noch knapp halb so hoch wie in den Raucher-Räumen. Die österreichische Lösung der teilweisen Rauchverbote mit getrennten Räumlichkeiten habe versagt.

 

Steinhart: "Wir brauchen in Österreich im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung endlich ein Nichtraucherschutz-Gesetz auf Europa-Niveau. Andere Länder schaffen das schließlich auch." Sein Appell an die Politik: "Vorbeugende Maßnahmen gegen das Rauchen und seine Folgeschäden müssen auf der Liste der gesundheitspolitischen Vorhaben höchste Priorität bekommen." Bisher sei das Gegenteil der Fall gewesen: Im Regierungsprogramm 2008-2013 wird Rauchen und seine Vorbeugung kaum erwähnt, ebenso wenig in den Rahmen-Gesundheitszielen des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2012. Und das, obwohl 38 Prozent der Österreicher sich als Raucher bezeichnen, 33 Prozent regelmäßig zur Zigarette greifen und 91 Prozent der männlichen und 81 Prozent der weiblichen Raucher vor dem 20. Lebenslahr mit dem Rauchen beginnen. Bis zum Erreichen des WHO Zieles, den Raucheranteil an der Bevölkerung bis zum Jahr 2040 auf 5 Prozent zu drücken, sei das ein weiter Weg, so Steinhart.

 

Erforderlich seien deshalb flächendeckende Zielgruppen-spezifische Informations- und Präventionsprogramme, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen, striktes Rauchverbot in öffentlichen Räumen, insbesondere in der Gastronomie, und öffentlich geförderte, leistbare Entwöhnungsprogramme für Raucher, die aufhören wollen. Steinhart: "Betroffene sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über ihr Problem sprechen. Diese können die erforderlichen Schritte zur Behandlung der Suchtkrankheit vorschlagen." Die für diese Maßnahmen erforderlichen finanziellen Mittel könnten zum Beispiel zweckgebunden aus der Tabaksteuer und aus den Strafen für Verstöße gegen den Nichtraucherschutz kommen.

 

Wie wichtig ein konsequentes Vorgehen gegen die Absichten der Tabak-Lobby ist, zeigt ein aktueller Bericht des EU-Newsletters EurActiv.com, in dem EU-Parlamentarier vor den massiven Aktivitäten der mehr als 100 in Brüssel tätigen Vollzeit-Tabak-Lobbyisten warnen. Steinhart: "Wir müssen der Tabak-Lobby eine Gesundheits-Lobby entgegenstellen."

apa.at

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