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APA-Artikel 28. Mai 2013

Defibrillatoren in Gastronomiebetrieben retten Menschenleben

Immer mehr Wiener Unternehmen verfügen über einen Defibrillator - auch das Schweizerhaus im Wiener Prater. Alleine das dort befindliche Gerät konnte innerhalb kurzer Zeit schon zwei Menschenleben retten - dank der professionellen Hilfe des Teams der Familie Kolarik.

"PULS, der Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes startet nun eine Aktion, um es Gastronomiebetrieben zu ermöglichen, es dem Schweizerhaus gleich zu tun und sich einen Laiendefibrillator anzuschaffen", kündigt Prof. Harry Kopietz, Landtagspräsident und Präsident des Vereins PULS an. Bei einem Gespräch mit Journalisten im Schweizerhaus Montagabend hat Kopietz Unterstützung bekommen von Univ. Lektor Dr. Mario Krammel, Geschäftsführender Präsident von Puls, Prof. Dr. Klaus Markstaller, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Wien und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Puls sowie von Dipl- Kfm. Karl-Jan Kolarik und Hanni Kolarik vom Schweizerhaus.

Das Schweizerhaus hat seinen Defi bereits vor etwa fünf Jahren angeschafft, zwei Mal konnte damit schon Leben gerettet werden - einmal im Lokal, einmal vor dem Lokal, berichtet Hanni Kolarik. Bei einem Defi-Einsatz war sie selbst dabei und hat durch Herzdruckmassage Erste Hilfe geleistet.

Beratung und Schulungen für Wiener Gastronomiebetriebe

"PULS wird versuchen, Wiener Gastronomiebetriebe von der Sinnhaftigkeit eines Defis zu überzeugen. Auch werden wir Schulungen für den Umgang mit einem Defi und lebensrettenden Sofortmaßnahmen wie Herzdruckmassage organisieren", sagt Kopietz. So soll das erklärte Ziel von PULS rasch erreicht werden, eine möglichst flächendeckende Erreichbarkeit von Laiendefibrillatoren in Wien sicher zu stellen. "Wenn in den ersten drei Minuten ein Defi am Patienten angewendet wird, steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit drastisch. Dazu bedarf es eines dichten Netzes an einfach zugänglichen Defis", sagt Mario Krammel.

Defis bald an zentralen "City-Light" Standorten in Wien

Kopietz kündigte auch das aktuelle Projekt von PULS gemeinsam mit der GEWISTA an: noch dieses Jahr sollen an stark frequentierten Orten in Wien in speziell adaptierten City-Lights der GEWISTA frei entnehmbare Defis installiert werden. Diese Geräte sind mit einem GPS-Empfänger ausgerüstet und verbinden sich automatisch mittels Telefon mit der Rettungszentrale. Das erklärte Ziel von PULS ist, innerhalb des nächsten Jahres 1.000 öffentlich zugängliche Defis in Wien zu haben.

PULS will Menschen die Scheu vor Herzdruckmassage und dem Einsatz eines Defis nehmen

Mit einem immer dichter werdenden Netz öffentlich zugänglicher Laiendefibrillatoren kann auch immer effizienter Erste Hilfe geleistet werden bis professionelle Hilfe eintrifft - denn gerade hier zählt jede Sekunde. Allerdings: nur 10 von 100 Patienten überleben in Wien einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses - ein im internationalen Städtevergleich ungleich schlechtes Ergebnis.

Über 12.000 ÖsterreicherInnen sterben jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Obwohl in Österreich das Netz der Blaulichtorganisationen so dicht wie nirgends anders in Europa ist, liegt die Krankenhausentlassungsrate nach einem Herz-Kreislaufstillstand außerhalb des Spitals in Wien derzeit lediglich bei elf Prozent. Wer zum Beispiel im deutschen Heidelberg nach einem plötzlichen Herzstillstand "umkippt", hat immerhin 14,2 Prozent Überlebenschance. In Helsinki überleben 19,6 Prozent der Patienten einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand außerhalb des Krankenhauses, und in Rotterdam sind es sogar 30,7 Prozent der Betroffenen.

"Bei einem Herz-Kreislaufstillstand nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent ab. Schon durch wenige Handgriffe können Zeugen von lebensbedrohlichen Zwischenfällen effizient Erste Hilfe leisten und so die Überlebenswahrscheinlichkeit von durchschnittlich fünf Prozent auf über 70 Prozent erhöhen", sagt Kopietz. Defis sind dabei wichtige Hilfsmittel: sie sind einfach in der Handhabung und können durch einen kontrollierten Elektroimpuls das lebensgefährliche Kammerflimmern beenden, das bei 85 Prozent aller Fälle von plötzlichem Herztod beobachtet wird. Kammerflimmern führt sehr schnell zu einer Sauerstoff-Unterversorgung wichtiger Organe und so zu irreparablen Schäden.

Die rasche Hilfe durch Laien noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, ist damit oft die einzige Möglichkeit, einen Menschen wieder ins Leben zurückzuholen Doch nur wenige trauen sich auch einzugreifen: 2011 fand in Wien nur in 49 Prozent der Fälle eine Ersthelferreanimation vor Eintreffen des Rettungsdienstes statt. In den Niederlanden griffen in vergleichbaren Situationen immerhin 65 Prozent der Personen ein und leiteten lebensrettende Sofortmaßnahmen ein, noch bevor die Rettung kam. Die Norweger bewegen sich beim Thema Reanimation mit Ersthelferquoten von bis zu 73 Prozent im absoluten Spitzenfeld. Als Grund für die unterlassene Hilfeleistung wurde im Fall von Wien von Befragten in erster Linie die Angst vor Fehlern und Unwissenheit angegeben. "Dabei ist Erste Hilfe wirklich kinderleicht. Durch kräftigen Druck in der Mitte des Brustkorbes und den raschen Einsatz eines Defibrillators noch vor Eintreffen der Rettung können Zeugen eines Herz-Kreislauf-Stillstands effizient Erste Hilfe leisten", sagt Mario Krammel. "Wenn so viele Menschen Angst davor haben, etwas falsch zu machen, müssen wir uns dafür einsetzen, ihnen diese Angst zu nehmen. Denn Fakt ist: Bei der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen, außer man tut gar nichts."

apa.at

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