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APA-Artikel 23. Mai 2013

Rasinger: ÖVP gegen Stögersches Minimodell - "Bringt keine Qualität für die Hausarztausbildung"

Seit 30 Jahren dreht sich die Debatte über die Ausbildung zum Allgemeinarzt auf niedrigem Niveau im Kreis. Seit 30 Jahren gelingt es nicht, die Lehrpraxis, also die Ausbildung der Jungärzte bei Hausärzten direkt in Praxen, zu verankern. International gesehen ist Österreich damit bei der Hausarztausbildung schwer ins Hintertreffen geraten. Während in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Niederlande ein Schwerpunkt auf eine gute Hausarztausbildung gelegt wird und mindestens zwölf bis sogar 24 Monate Lehrpraxis vorgesehen sind, glaubt Minister Stöger, mit drei bis sechs Monaten sein Auslangen zu finden. Der von Stöger jetzt vorgelegte Verordnungsentwurf ist aus Sicht der ÖVP untauglich, den drohenden Hausarztmangel zu bekämpfen. Das sagte heute, Donnerstag, ÖVP-Gesundheitssprecher Abg. Dr. Erwin Rasinger.

"Dieses völlig unattraktive Modell mit einer gleichzeitigen nochmals zwölfmonatigen Verlängerung der Ausbildung, also von 36 auf 48 Monate, wird dazu führen, dass noch weniger junge Ärzte bereit sein werden, den Beruf als Hausarzt zu ergreifen. Für die jungen Ärzte sind zusätzlich die später deutlich schlechtere Bezahlung für Hausärzte im Vergleich zu niedergelassenen Fachärzten und die steigenden Dokumentations- und anderen Bürokratieerschwernisse abschreckend, von familienfreundlichen Modellen für Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Bereich ganz zu schweigen. Schon jetzt haben 2.800 Ärztinnen und Ärzte Österreich Richtung Deutschland verlassen, weil es dort bessere Ausbildungsbedingungen gibt. Da in ganz Europa ein Ärztemangel droht, besonders in England, Deutschland und der Schweiz, wäre es umso notwendiger, die jungen Ärzte zu motivieren, in Österreich zu bleiben", so der ÖVP-Gesundheitssprecher.

Auch sei es geradezu kontraproduktiv, ständig von Qualität zu reden und nichts in die Verbesserung der Qualität der Ausbildung zu investieren. Wie soll die künftige Ausbildung zum Allgemeinmediziner funktionieren ohne verpflichtend vorgesehene und finanzierte Ausbildung auch in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis, wenn maximal sechs Monate möglich und anrechenbar sein sollen? Noch so viel nachträgliche Dokumentation könne eine gute Ausbildung nicht ersetzen. Schlecht ausgebildete Hausärzte verteuern nur das System. Es gelte: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans oft nimmer mehr". "Schon jetzt gibt es unzählige Klagen junger Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich im Spital nur als Systemerhalter missbraucht fühlen und die Ausbildung einen geringen Stellenwert hat. Kein Staat in Europa außer Österreich leistet sich den Luxus, so die Motivation junger Medizinerinnen und Mediziner zu zerstören", kritisiert Rasinger.

Mit den Vorschlägen des Gesundheitsministeriums rücke der Facharzt für Allgemeinmedizin in weite Ferne. Die ÖVP habe schon vor fünf Jahren ins Regierungsprogramm die Schaffung eines Hausarztmodells hineinreklamiert. Stöger sei bis heute säumig. Außerdem würden die Spitalserhalter in Zukunft kaum Facharztstellen für Allgemeinmedizin anbieten, da es ohnehin zirka 1.400 kostenlose Studenten gibt, die ihr praktisches Jahr absolvieren müssen. "Die Abstimmung zwischen den Unis, die für das praktische Jahr am Studien-Ende zuständig sind, und dem Gesundheitsministerium, welches für die postpromotionelle Ausbildung zuständig ist, was wann wo zu lehren bzw. zu lernen ist, fehlt überhaupt", bedauert der Abgeordnete.

Die ÖVP sagt daher Nein zu diesem "Murks, der international nur Kopfschütteln hervorruft und keinerlei Aufwertung des Hausarztes bedeutet. Im Gegenteil, wir laufen so sehenden Auges in einen nicht mehr aufholbaren Hausarztmangel hinein, zum Schaden der Patienten und der persönlichen, wohnortnahen Betreuung", schloss der ÖVP-Gesundheitssprecher.

apa.at

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