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APA-Artikel 23. Mai 2013

Ärztekammer zu Ausbildungsreform: Ohne Lehrpraxis geht es nicht

Für die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) sind die Einführung einer verpflichtenden einjährigen, öffentlich finanzierten Ausbildung in einer Lehrpraxis und die gesetzliche Verankerung eines Tätigkeitsprofils für Turnusärzte im Krankenhaus unverzichtbare Bestandteile einer Ausbildungsreform zur Allgemeinmedizin. "Der im Wesentlichen auf eine bloße Verlängerung der Ausbildung im Spital abzielende Entwurf einer neuen Ausbildungsordnung des Gesundheitsministers bringt keinen Qualitätsgewinn, sondern verstärkt die substanziellen Schwächen der spitalslastigen Ausbildung angehender Haus- und Familienärzte. Allgemeinmediziner können ihr Spezialgebiet nur in Ordinationen erlernen, in denen das breite Spektrum des Faches praktiziert wird. Es handelt sich um spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten, die in einer hochspezialisierten Spitalsabteilung nicht vermittelt werden können", betonte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger am Donnerstag in einer Aussendung.

Die bisher fehlende Verpflichtung zur Ausbildung in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis müsse im neuen Konzept verankert sein. Nur so erhielten angehende Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin das Rüstzeug für eine qualitätsvolle Primärversorgung. "Es ist eindeutig zu wenig, in der eben beschlossenen Gesundheitsreform die Stärkung der 'Primary Health Care' nach internationalem Vorbild vorzugeben und gleichzeitig den Allgemeinmedizinern die dazu notwendige Ausbildung zu verweigern", unterstrich Wechselberger seine Forderung. In jedem modernen Gesundheitssystem, das sich an den Grundsätzen von Public Health orientiere, spielten niedergelassene Allgemeinmediziner eine zentrale Rolle. Als erste Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen mit hoher Fach- und Sozialkompetenz, Angelpunkt zur Entlastung der Spitalsambulanzen und Lotsen im Gesundheitssystem versorgten sie akut erkrankte Menschen. Chronisch Kranke würden sie oft viele Jahre behandeln und begleiten. Zudem stellten sie die Integration und Kontinuität der Versorgung in der Zusammenarbeit mit Pflege- und Sozialdiensten bzw. extramuralen Therapeuten, aber auch den Angehörigen von Kranken und Pflegebedürftigen sicher. Der Ärztepräsident: "Es liegt daher in der Verantwortung der Politik, für eine Ausbildung zu sorgen, die den spezifischen Anforderungen der Allgemeinmedizin gerecht wird."

Dazu gehöre die Finanzierung einer einjährigen Ausbildung in der Lehrpraxis mit jährlich maximal 15 Millionen Euro. "Das entspricht der Steuerleistung, die alle Österreicherinnen und Österreicher stündlich erwirtschaften und an den Staat abliefern", führte Wechselberger aus. Zur öffentlichen Verantwortung zähle auch eine strikte Regelung der Aufgaben von Turnusärzten im Spital. Zurzeit seien Turnusärzte vorwiegend mit Systemarbeit beschäftigt, Fragen der Ausbildung blieben auf der Strecke. Eine Zusage, ein Tätigkeitsprofil umzusetzen, das die Ausbildung ins Zentrum rücke, gebe es noch nicht. De facto könnten Turnusärzte weiterhin zu Lasten ihrer Ausbildung als Systemerhalter eingesetzt werden, sagte Wechselberger abschließend.

apa.at

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