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APA-Artikel 16. Mai 2013

Brustaufbau nach Mastektomie - Experte: Gute Versorgung in Österreich

"Keine Frau muss nach einer prophylaktischen Brustentfernung (Mastektomie) Angst haben, ohne das Symbol ihrer Weiblichkeit leben zu müssen. Gerade in Österreich muss zudem niemand ein Filmstar sein, um derartige Behandlungen zu erhalten", stellte am Donnerstag die Österreichische Gesellschaft für Senologie (Brustgesundheit) in einer Aussendung fest. In den vergangenen Tagen hat der Fall der US-Schauspielerin Angelina Jolie international für großes Aufsehen gesorgt.

Wenn eine Brust vorbeugend – wie bei Angelina Jolie – entfernt wurde, bestehe ein unmittelbarer Bedarf nach einem sofortigen Wiederaufbau. Dieser könne einerseits mit Silikonprothesen erfolgen – welche allerdings unter dem Brustmuskel eingesetzt werden müssten, da die verbleibende Haut der Brust keine ausreichende Deckung ermöglicht. In den vergangenen Jahren wurden zur Verstärkung der Unterbrustfalte Netze aus konservierter Schweinehaut oder aus Titan entwickelt, mit denen sich in vielen Fällen die Brust so schön wiederherstellen lässt, dass sie zumindest gleich gut wie zuvor aussehe, hieß es in der Aussendung.

In Angelina Jolies Fall sei zunächst ein Gewebeexpander zur Dehnung der Haut eingesetzt worden, der dann erst durch eine definitive Prothese ersetzt wurde - daher eben zwei Operationen. "Auch mit diesem Verfahren haben wir in Österreich Erfahrungen aus vielen tausenden Fällen", erklärte Rupert Koller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit. Etwa zehn Prozent der Mammakarzinom-Fälle sind auf ererbte Mutationen im BRCA1- und/oder BRCA2-Gen zurückzuführen. Die betroffenen Frauen können dann ein extrem hohes Risiko (bis zu 80, 90 Prozent) für Brust- und/oder Eierstockkrebs aufweisen.

In den westlichen Industriestaaten gebe es in spezialisierten Zentren kaum qualitative Unterschiede. Der Experte: "Generell sind wir heute in Europa mit den Prothesenrekonstruktionen mindestens gleich gut wie die Amerikaner, da diese durch den 'Prothesenbann' (erste Silikondebatte, Anm.) in den Neunzigerjahren einen gewissen Teil der Entwicklung verschlafen haben."

Der Wiederaufbau der Brust mit körpereigenem Gewebe kann Vorteile bieten. Der Nachteil von Prothesen: Sie sind Fremdkörper. Das heißt, sie müssen unter Umständen ausgetauscht werden, oder der Körper stößt sie – selten, aber doch – ab. In diesen Fällen, oder wenn eine Frau grundsätzlich keine Fremdkörper in sich tragen will, gibt es die Möglichkeit des sofortigen Wiederaufbaus mit körpereigenem Gewebe.

Diese an sich aufwendigeren Operationen haben den Vorteil, dass die Anzahl der Folgeoperationen wesentlich geringer ist, da das körpereigene Gewebe besser verträglich ist. Österreich sei sowohl in der Vorsorge wie auch Behandlung nicht nur im Know-how, sondern auch sozial führend: Die Untersuchungen (Screenings und Genanalysen) und Behandlungen von Frauen mit einem genetisch erhöhten Risiko sind kostenlos. Ein flächendeckendes Netz spezialisierter Zentren, Leitlinien und die Bezahlung durch das öffentliche Gesundheitswesen wurden vergangenes Jahr etabliert und präsentiert.

Angelina Jolie hatte sich mit ihrem Anliegen offenbar auch deshalb an die Öffentlichkeit gewandt, weil in den USA allein die Genuntersuchungen umgerechnet rund 2.700 Euro kosten und privat zu zahlen sind. "Umso wichtiger ist es, dass wir alle Frauen auf dieses – in vielen Fällen lebensrettende – Angebot hinweisen", betonte Koller abschließend.

apa.at

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