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APA-Artikel 16. Mai 2013

AFIAS-Fachärzte fordern: "Schönheit nicht auf Kosten der Gesundheit"

Schönheitschirurgie ist in Österreich ein topaktuelles und zugleich brisantes Thema. Das zeigt eine neue Studie, die im Auftrag des Österreichischen Verbandes für Interdisziplinäre Ästhetische Chirurgie (AFIAS) vom Gallup-Institut durchgeführt wurde: Jede fünfte Österreicherin unter 50 Jahren hat schon einmal darüber nachgedacht, einen Schönheitseingriff vornehmen zu lassen. Dabei fehlt es aber vielfach an glaubwürdiger Information - Verunsicherung ist die Folge. Alarmierend sind auch die schlechten Imagewerte der Schönheitschirurgen, die deutlich hinter dem "Vertrauensindex" anderer Ärzte liegen. Als Verband von Fachärzten, die in ihrem jeweiligen Fachbereich ästhetische Operationen durchführen, sieht die AFIAS die Studienergebnisse als Informationsauftrag. Die ästhetische Chirurgie erfordere seriöse Information der Patienten auf Basis einer ernsthaften Auseinandersetzung mit medizinischen und ethischen Fragen, so AFIAS-Präsidentin Univ.-Doz. Dr. Sanja Schuller-Petrovic. Dabei müsse vor allem das Zusammenspiel von Schönheit und Organfunktion stärker berücksichtigt werden: "Schönheit darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen."

Ästhetische Chirurgie ist in Österreich alles andere als ein Randthema: Immerhin jede fünfte Frau unter 50 Jahren hat schon darüber nachgedacht, an ihre Schönheit Hand anlegen zu lassen. Dabei fehlt es aber an sachlicher und glaubwürdiger Information. Zwar weiß ein Viertel aller Befragten, dass es hierzulande seit Anfang dieses Jahres ein neues Gesetz zum Thema ästhetische Chirurgie gibt. Darüber hinaus haben aber nur etwa zehn Prozent das Gefühl, ausreichend über Schönheitsoperationen informiert zu sein. Die Mehrheit der Befragten bewertet die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen als widersprüchlich oder von Sensationslust geprägt. Nur drei Prozent geben an, über das Thema sehr gut Bescheid zu wissen.

Fehlendes Wissen über Kompetenzen

Unzureichendes Wissen gibt es auch darüber, wer in Österreich ästhetische Operationen durchführen darf. Für 78 Prozent der Befragten sind das die plastischen Chirurgen, 39 Prozent nennen die Fachärzte für den jeweiligen Organbereich. Hier will AFIAS, der größte heimische Verband von Fachärzten, die ästhetische Operationen durchführen dürfen, zuerst ansetzen. Das Gesetz schaffe hier ein Stück dringend notwendiger Klarheit und Transparenz. "Dies müssen wir nun auch den Patienten vermitteln", betont AFIAS-Präsidentin Univ.-Doz. Dr. Sanja Schuller-Petrovic. Unterstützung erwartet man sich dabei von der Ärztekammer, auf deren Website es noch dieses Jahr einen vollständigen Nachweis darüber geben soll, welche Fachärzte in Österreich für welche ästhetischen Operationen qualifiziert und zugelassen sind.

Wenig Vertrauen in Schönheitschirurgen

Ebenfalls in krassem Gegensatz zur großen Relevanz des Themas steht laut der Studie das geringe Vertrauen der Patienten in den Berufsstand der ästhetischen Chirurgen. "Ärzte genießen in Österreich traditionell ein sehr hohes Vertrauen", kommentiert Ingrid Lusk vom österreichischen Gallup-Institut das Ergebnis, "für Schönheitschirurgen scheint das aber nicht zu gelten." Während 78 Prozent der Befragten angeben, Ärzten generell zu vertrauen, sind es bei Schönheitschirurgen nur 41 Prozent. Ästhetische Chirurgen gelten zwar zu 39 Prozent als sehr gut und zu 35 Prozent als gut ausgebildet, aber 17 Prozent der Befragten sehen hier Ärzte am Werk, denen es vor allem darum geht, viel Geld zu verdienen.

Nach Meinung von AFIAS sei das Thema ästhetische Chirurgie durch in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftauchende Schlagworte wie "Pfusch" und "Geldgier" insgesamt in ein schiefes Licht geraten. Dadurch sei es an der Öffentlichkeit offenbar vorbeigegangen, dass es in Österreich sehr wohl kompetente Spezialisten auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie gebe. Es sei aber symptomatisch, dass sich gerade diese Gruppe bisher selten zu Wort gemeldet habe. Dies, so Schuller-Petrovic, müsse sich nun ändern: "Die Patienten haben Anspruch auf seriöse Information, die alle Aspekte - ästhetische, medizinische und ethische - berücksichtigt."

Gesundheit und Schönheit

Laut AFIAS wurde beim Thema ästhetische Chirurgie das erforderliche Zusammenspiel zwischen Gesundheit und Schönheit bisher zu wenig vermittelt. Das sei das zentrale Anliegen der organspezifischen ästhetischen Chirurgie - jener Richtung, die von den AFIAS-Mitgliedern vertreten wird: Fachärzte seien auf ein Organ oder ein Organsystem spezialisiert und zu ihren Aufgaben gehöre auch die ästhetisch-chirurgische Versorgung der Patienten. Solche Fachbereiche seien etwa Dermatologie, Gynäkologie, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopfchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Ophthalmologie, sowie Urologie.

Aus Patientensicht liege der besondere Vorzug von Fachärzten in der Tatsache, dass sie als Spezialisten für ein Organ dessen Aussehen niemals getrennt von seiner Funktion betrachten. "Man kann eine Nase nicht auf ihr Äußeres reduzieren, sie hat ja auch eine wichtige Aufgabe", so Univ.-Prof. Dr. Josef Kainz, Vertreter der Österreichischen HNO-Gesellschaft in der AFIAS. Das gelte zudem für fast jedes Organ. "Daraus leitet sich unser Anspruch ab, in der ästhetischen Chirurgie immer ein 'gesundes Maß an Schönheit' anzustreben, das Funktion und Ästhetik verbindet, und jede Übertreibung abzulehnen, bei der die Ästhetik zu Lasten der organischen Funktion geht", so OA Dr. Angelika Klein-Theyer, Vertreterin der Okuloplastischen Sektion der Österreichischen Ophthalmologische Gesellschaft in der AFIAS. Die meisten schweren Operationsfehler seien nicht zufällig das Resultat einer ästhetischen Chirurgie, die sich nur auf das Äußere konzentriere und die Funktion des Organs außer Acht lasse.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit sichert Qualität

In diesem Zusammenhang hob Prim. Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Watzke, AFIAS-Vertreterin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, auch den interdisziplinären Ansatz der organspezifischen ästhetischen Chirurgie hervor. "Ein medizinisches Problem tangiert in vielen Fällen nicht nur ein Organ beziehungsweise einen Fachbereich. Überschneidungen zwischen Disziplinen sind eher die Regel als die Ausnahme", so Watzke. Ein interdisziplinärer Ansatz gewährleiste daher auch in der ästhetischen Medizin, dass Spezialisten zum Wohle des Patienten zusammenwirken.

AFIAS geht damit in der ästhetischen Medizin den Weg der Kooperation zwischen den medizinischen Fachbereichen, der in der kurativen Medizin selbstverständlich ist. Die Meinung, alles selbst am besten zu können, wäre ein Rückschritt auf Kosten der Patienten. "Hier darf es kein kleinliches Konkurrenzdenken geben, das Patientenwohl hat im Mittelpunkt zu stehen. Auch in der ästhetischen Medizin ist es notwendig, miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen", so Schuller-Petrovic.

apa.at

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