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APA-Artikel 8. Mai 2013

Allianz Prognose: Künftig jeder dritte Über-65-Jährige pflegebedürftig

Bis zum Jahr 2060 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Europa auf 50 Millionen Menschen steigen. Neben veränderten sozialen und familiären Strukturen erschwert auch hierzulande der demografische Wandel am Arbeitsmarkt die Pflegesituation erheblich. Für die Zukunft bedeutet das einen steigenden Bedarf nach finanzieller Absicherung.

"Der demografische Wandel ist ein struktureller Trend mit potenziell dramatischen Auswirkungen: Die steigende Zahl von Menschen mit Pflegebedarf zählt dabei wohl zu den bedenklichsten Entwicklungen der Bevölkerungsalterung", erklärt Dr. Johann Oswald, Vorstandsmitglied der Allianz Gruppe in Österreich.

2060: Ein Drittel aller Über-65-Jährigen pflegebedürftig

Wirft man einen Blick auf Zahlen der EU-Kommission, so werden im Jahre 2060 in der EU rund 152 Millionen Menschen leben, die über 65 Jahre alt sind. Davon werden mehr als 50 Millionen EU-Bürger pflegebedürftig sein. "Verursacht wird die Situation durch den demografischen Wandel. Diese Entwicklung ist alarmierend: Neben steigenden Pflegekosten ist mit einem sinkenden Angebot an Pflegekräften zu rechnen", erklärt Klaus Michel, Experte der Allianz SE. Für Österreich ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten: Derzeit gibt es laut Statistik Austria etwa 440.000 Bundespflegegeldbezieher. Im Jahr 2050 werden mehr als 3 Millionen Österreicher älter als 60 Jahre alt sein. "Wir gehen davon aus, dass im Jahre 2050 rund 1 Million Menschen in Österreich auf Pflege angewiesen sein werden. Wer im Pflegefall gut umsorgt sein möchte, sollte seine Altersvorsorge neu überdenken", erklärt Oswald.

Beispiel Demenz: Kosten von rund 1.000 bis 4.000 Euro pro Monat

Eine ähnliche Entwicklung prognostiziert eine Allianz Studie bei Demenzerkrankungen: Alle Staaten Europas sind mit einer steigenden Zahl an Demenzkranken konfrontiert. Wird keine Heilungsmöglichkeit gefunden, dürfte sich die Zahl der Demenzkranken bis Mitte des Jahrhunderts von heute rund zehn Millionen Menschen auf knapp 19 Millionen Menschen nahezu verdoppeln. In Österreich ist aufgrund der älter werdenden Bevölkerung mit mehr als einer Verdoppelung der Fallzahlen von derzeit rund 120.000 auf 269.000 Demenzkranke zu rechnen. Wirft man einen Blick auf die Entwicklung von Demenzerkrankungen, so zeigen sich, neben dem großen menschlichen Leid, auch beträchtliche volkswirtschaftliche Kosten der Krankheit: Leistungen durch Pflegedienste sowie Pflege durch Angehörige belaufen sich derzeit hochgerechnet auf mehr als 450 Milliarden Euro weltweit. Vergleicht man die Kosten pro Patient und Jahr, zeigt sich ein differenziertes Bild: In den USA liegen die durchschnittlichen Kosten bei rund 45.000 Euro, gefolgt von Schweden mit 37.000 Euro und Australien mit 26.000 Euro. Der Schnitt der EU-27 liegt bei ca. 24.000 Euro. In Österreich liegt der Durchschnitt bei 17.000 Euro, wobei die Bandbreite zwischen häuslicher und stationärer Pflege sehr groß ist: Denn die Gesamtkosten pro Patient und Jahr belaufen sich derzeit laut konservativer Berechnung auf durchschnittlich 10.000 Euro in häuslicher Pflege und auf bis zu 43.000 Euro in stationärer Pflege - Tendenz: steigend.

Häusliche Pflege in Zukunft immer seltener durch Angehörige

Bereits heute können viele Familien die Pflege ihrer Angehörigen nicht mehr selbst übernehmen. Dies führt dazu, dass viele Pflegebedürftige von Dritten versorgt werden müssen. Gleichzeitig wird das Personal für die Versorgung immer knapper, da in Zukunft die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter abnimmt. "Die Gesellschaft muss die Familien entlasten und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ermöglichen", so Oswald. Angesichts steigender Anforderungen an die berufliche Mobilität dürfte jedoch die Bereitschaft abnehmen, den Beruf komplett aufzugeben und die Betreuung oder Pflege der Angehörigen dauerhaft selbst zu übernehmen. Darüber hinaus fühlen sich Betroffene und Angehörige bei Fragen, wie der Verlauf der jeweiligen Krankheit gemildert, der Alltag eigenständig bewältigt oder ein geeigneter und insbesondere finanzierbarer Pflegeplatz gefunden werden kann, häufig allein gelassen. Versicherungen stellen sich zunehmend auf die Herausforderungen durch die stark steigende Bedeutung dieser Entwicklungen ein. Die Pflegeversicherung der Allianz erbringt während der Pflegebedürftigkeit - ab Stufe 3 - eine monatliche Leistung. "Pflege ist ein schwieriges Thema, bei dem alle - Staat, Unternehmen aber auch jeder Einzelne - gefordert sind. Es gilt, Defizite in der medizinischen Versorgung und der Pflege zu verbessern. Letztendlich sollte sich jeder Einzelne so früh wie möglich mit dem Thema beschäftigen", so Oswald abschließend.

apa.at

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