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APA-Artikel 2. Mai 2013

Wenn das Krankenhaus "ungesund" ist - Spitalsinfektionen häufig

Ansteckungen mit sogenannten Krankenhauskeimen oder nosokomiale Infektionen stellen europaweit ein Problem und Risiko bei einem Spitalsaufenthalt dar. Darauf wies am Dienstag die Initiative "Sicherheit im OP" aus Anlass des zu Ende gegangenen Europäischen Infektionskongresses ECCMID 2013 hin. An dem Kongress nahmen rund 10.000 Experten teil.

Eine Vielzahl von in Berlin präsentierten Studien beschäftigte sich mit der Häufigkeit, Prävention und Behandlung von nosokomialen Infektionen im Allgemeinen und postoperativen Wundinfektionen. Laut einem aktuellen Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC/Stockholm) erkranken in Europa jedes Jahr etwa 4,1 Millionen Menschen an Infektionen, die sie im Krankenhaus erwerben. Rund 37.000 Patienten pro Jahr sterben daran. Der Anteil operationsbezogener Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) macht mit 17 Prozent einen erheblichen Teil der nosokomialen Infektionen aus.

Eine in Berlin präsentierte Analyse wertete Daten von 3.394 Patienten in 20 Krankenhäusern in Großbritannien, den USA, Deutschland und Spanien aus, die an einer Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus erkrankten. 40,7 Prozent der bakteriellen Infektionen waren im Krankenhaus erworben, also als nosokomial einzustufen. Fast ein Drittel der Betroffenen, 28,3 Prozent, starben innerhalb von 90 Tagen. Hinsichtlich der Mortalität beobachteten die Experten erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Krankenhäusern.

Die Zahl von operationsbezogenen Infektionen wird möglicherweise unterschätzt, weil ein nicht unerheblicher Teil erst nach der Spitalsentlassung auftritt, zeigt eine in Berlin vorgestellte niederländische Studie. Ein Maastrichter Forscherteam hatte 1.719 gefäßchirurgische Eingriffe auf SSI untersucht. Insgesamt erlitten acht Prozent der Patienten eine postoperative Wundinfektion, 39 Prozent davon wurden erst nach der Spitalsentlassung diagnostiziert. „Infektionsüberwachung nach der Entlassung von chirurgischen Patienten ist essenziell für eine zuverlässige Einschätzung der SSI-Rate“, so die Wissenschafter.

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Risiko, eine postoperative Wundinfektion zu erleiden, zeigte eine beim ECCMID präsentierte Leipziger Studie auf. Untersucht wurden insgesamt 1.230 insulinpflichtige Diabetiker, die sich einer Bypassoperation unterzogen. 6,9 Prozent der Frauen litten nach dem Eingriff unter einer operationsbezogenen Wundinfektion, bei den Männern waren es nur 4,1 Prozent.

Höheres Alter wird häufig mit einem höheren Risiko assoziiert, an einer postoperativen Wundinfektion zu erkranken. Dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss, sondern von der Art der Operation abhängt, zeigt eine Berliner Studie. Analysiert wurden mehr als 120.000 Hüft- und fast 89.000 Knie-Prothesenoperationen, bei denen in 0,9 bzw. 0,8 Prozent der Fälle SSI auftraten, während bei Hüfteingriffen Menschen über 50 Jahren einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt waren, mit dem höchsten Risiko bei Menschen über 85 ging bei Knieoperationen das Infektionsrisiko mit dem Alter zurück.

apa.at

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