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APA-Artikel 29. April 2013

Nichtärztliche Gesundheitsberufe: Qualität und Versorgungs-Sicherheit weiter verbessern

Österreich braucht ein gesetzlich verpflichtendes Berufsregister für nichtärztliche gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe. Dieses Instrument würde zuverlässige Informationen für die Patientensicherheit, die Qualitätskontrolle und die Bedarfsplanung liefern. Das forderten heute Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), und Mag.a Gabriele Jaksch, Präsidentin des Dachverbandes der gehobenen Medizinisch-Technischen Dienste (MDT Austria). Ein gesetzlich verpflichtendes Register habe sich international bereits vielfach als bewährtes Instrument erwiesen, betonen die Präsidentinnen. Es gibt Vergleichbares in Form der Ärzteliste, die offen legt, ob jemand als Ärztin oder Arzt berufsberechtigt ist oder nicht.

Transparenz, um Spreu vom Weizen zu trennen

"Wir brauchen ein transparentes Instrument, das PatientInnen die Möglichkeit gibt, die Spreu vom Weizen zu trennen: Also gut ausgebildete von rein kommerziellen, oft in Kurzausbildungen geschulten Leistungsanbietern zu unterscheiden", so Mag.a Jaksch. Frohner: "Das Register ist im Interesse der zu Pflegenden: Sie sollen sicher sein können, dass qualifizierte Pflege drin ist, wo Pflege draufsteht."

Leider, so die Präsidentinnen der Berufsverbände, sei der Gesetzgeber bisher säumig: "Wir fordern daher schnellstmöglich die gesetzliche Verpflichtung zum Führen von Berufsregistern für die nichtärztlichen medizinischen Berufe." Bisher geschieht das auf freiwilliger Basis und auf Initiative von ÖGKV und MDT Austria.

Berufsregister ist Basis für seriöse Bedarfsplanung und -steuerung

Im Jahr 2020, schätzt die EU-Kommission, wird der Mangel beim Pflegepersonal EU-weit 600.000 Fachkräften betragen. Knappheit an qualifizierten Pflegekräften macht sich schon jetzt auch in Österreich bemerkbar: "Fachstellen bleiben unbesetzt, über 70 Prozent der Pflege zu Hause wird von Angehörigen übernommen - 44.000 davon sind Kinder und Jugendliche", so Frohner.

Auch für den steigenden Bedarf an MTD-Leistungen (Biomedizinische AnalytikerInnen, DiätologInnen, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, OrthoptistInnen, PhysiotherapeutInnen und RadiotechnologInnen) ist Österreich nicht ausreichend gerüstet. Mag.a Jaksch: "So stehen bei der Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie Österreich-weit mehr als 850 Kinder auf der Warteliste, und das bei Wartezeiten auf eine kassenfinanzierte Behandlung von bis zu 2 Jahren. Zusätzlich mussten 600 bis 700 Kinder abgewiesen werden."

Doch in Österreich gibt es mangels einer gesetzlichen Regelung für die Registrierung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe keine exakten Daten für eine Bedarfsplanung. Die beiden Verbände haben viel Vorarbeit geleistet und sind daher die richtigen Ansprechpartner für künftige gesetzliche Berufsregister: Eine eigens von MTD Austria gegründete Register-GmbH führt seit acht Jahren das auf Freiwilligkeit beruhende MTD-Register, der ÖGKV führt auf freiwilliger Basis schon seit 2009 ein entsprechendes Berufsregister.

Registerführung durch Arbeitskammer ist keine akzeptable Lösung

Völlig unverständlich sei deshalb, warum von der österreichischen Gesundheitspolitik ernsthaft erwogen werde, die Pflege an das Gängelband einer parteipolitisch dominierten Institution zu binden und die Arbeitskammer mit der Registerführung für alle zu beauftragen. Das sei aus Sicht von ÖGKV und MTD Austria keine akzeptable Lösung. Es gibt in vielen nichtärztlichen Gesundheitsberufen einen wachsenden Anteil an Selbständigen, für die die Arbeitskammer aber nicht zuständig ist.

"Es hat gute Gründe, warum in Österreich für Berufsverbände - zum Beispiel für ÄrztInnen, ApothekerInnen oder Hebammen - das bewährte Prinzip der Selbstverwaltung gilt", so Mag.a Jaksch. "Wir setzen uns daher dafür ein, dass die Vertretung unserer Berufsinteressen auch weiterhin unabhängig und in vollem Umfang von uns wahrgenommen werden kann."

"Wir brauchen die Fachexpertise der Berufsvertretungen, und nicht die Bevormundung durch eine parteipolitisch dominierte Organisation - und das sehr zum Nachteil für PatientInnen-Sicherheit, Qualitätskontrolle und Bedarfsplanung", bilanziert Frohner. 

apa.at

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