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APA-Artikel 25. April 2013

Linzer Medizin-Fakultät: Gesundheitsökonom findet kein Argument dafür

Dem Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer fällt kein Argument für die Schaffung einer Medizin-Fakultät an der Universität Linz ein. Eine vierte öffentliche Mediziner-Ausbildungsstätte "brauchen wir ganz sicher nicht", so Pichlbauer am Donnerstag im Ö1-"Mittagsjournal". "Das ist für mich ein reines Prestigeobjekt." In Österreich gebe es genügend Ausbildungskapazitäten - das Problem sei vielmehr, dass die fertig ausgebildeten Mediziner aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen in Österreicher ins Ausland abwandern.

"Was wir nicht schaffen, ist es, den Leuten nach dem Studium attraktive Arbeitsplätze zu bieten, damit sie nach dem Studium auch da bleiben", so Pichlbauer. So wolle etwa ein Drittel der österreichischen Medizin-Absolventen ins Ausland gehen. Vor diesem Hintergrund sei es "dumm", jetzt einfach mehr Studenten auszubilden und gescheiter, auf die Attraktivierung der beruflichen Bedingungen in Österreich zu setzen.

Österreich habe europaweit schon jetzt die meisten Ärzte pro Kopf, betonte Pichlbauer. Würde Österreich die gleiche Ärztedichte wie Deutschland aufweisen, gäbe es schlagartig statt 40.000 nur mehr 30.000 Mediziner. "Wir haben genug Ärzte, aber immer weniger Ärzte wollen einen Kassenvertrag oder ins Spital."

Die derzeit im oberösterreichischen Konzept genannten Kosten für eine Medizin-Fakultät sieht Pichlbauer eher skeptisch. "Wenn man sich ansieht, dass die gleichen Personen vor drei Jahren eine Rechnung vorgelegt haben, wo genau die Hälfte dieser Preise drinstand, muss man sich halt fragen, welche Rechenmodelle sind das." Die genannten "Schätzwerte" seien auch als solche zu betrachten, verwies er auf die Finanzplanungen des Skylink am Flughafen Schwechat.

"Meine Hoffnung ist, dass das jetzt nur ein PR-Gag ist", hinterfragte Pichlbauer die Fakultätspläne. Immerhin spreche einiges dafür, so seien in den "spärlichen Unterlagen" durchaus einige Fallstricke vorhanden. Möglicherweise sei das Projekt "nur ein Wahlzuckerl, das nachher eingestampft wird mit dem Finden eines Sündenbocks". Umgekehrt wisse man aber auch, dass gerade in Österreich solche Wahlzuckerl recht lange leben. Wenn die Fakultät komme, sei das jedenfalls "echte Geldverschwendung".

apa.at

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