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APA-Artikel 24. April 2013

Deutsche Krankenkasse bewirbt Hausarzt-System in Wien

Was speziell von Allgemeinmedizinern in Österreich speziell gefordert wird, ein Hausarzt-zentriertes Versorgungsmodell, ist bei der größten Krankenversicherung im deutsche Bundesland Baden-Württemberg nach deren Angaben ein voller Erfolg. Vor allem chronisch Kranke seien dadurch besser versorgt, das System rechne sich durch weniger Spitaleinweisungen, erklärte am Mittwoch Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, bei einem Pressegespräch in Wien.

"Wir haben in Deutschland die freie Wahlmöglichkeit der Menschen für den Beitritt zu einer Krankenversicherung. Wir sind eine der größten deutschen Krankenversicherungen mit 3,9 Millionen Mitgliedern. Vergangenes Jahr haben wir rund 130.000 Versicherte dazu bekommen. Etwa elf Prozent sind sofort in das Hausarzt-zentrierte Programm eingetreten", sagte Hermann am Rande des 3. Tages der Allgemeinmedizin in Wien.

Der Hintergrund: Ein Dauerthema in den gesundheitspolitischen Debatten ist der oft völlig ungeregelt funktionierende Zugang zum Gesundheitswesen mit vielen unnötigen Ambulanzbesuchen und Krankenhausaufenthalten, die auch noch besonders kostenintensiv sind. Harald Schlocker, stellvertretender Obmann der Sekton Allgemeinmedizin der Österreichischen Ärztekammer: "Eine Studie in Vorarlberg hat ergeben, dass 60 bis 70 Prozent der 'Selbsteinweiser' in den Ambulanzen der Krankenhäuser auch vom niedergelassenen Arzt betreut werden hätten können."

In Baden-Württemberg ist man dieses und andere Probleme mit einem Hausarzt-zentrierten Modell angegangen. Bei der AOK kann jeder Versicherte erklären, primär (bis auf Notfälle) seinen Hausarzt aufzusuchen. Hermann: "Er ist der Lotse des Patienten im Gesundheitssystem." Die Ärzte sind zur Fortbildung verpflichtet, es existieren Qualitätszirkel. Dafür gibt es pro Patient in dem Programm eine Pauschalabgeltung pro Quartal. Die Ärzte ersparen sich das komplizierte Abrechnen nach Einzelleistungen (in Deutschland mehr als 2.000 Positionen). Mittlerweile machen in Baden-Württemberg schon und 3.500 Allgemeinmediziner mit, nur etwas mehr als 1.000 sind noch außerhalb des Systems.

Der Krankenkassen-Vorstandsvorsitzende: "Mit dem Pauschale bekommen die Hausärzte 20 bis 30 Prozent mehr Vergütung pro Quartal als im Regelsystem. Es sind statt 50 bis 55 Euro mehr als 80 Euro im Quartal. Die Patienten brauchen keine Zuzahlungen bei den verschriebenen Medikamenten leisten."

Die Folgen lassen sich offenbar für alle Beteiligten sehen - und das bei Freiwilligkeit bei der Teilnahme für Ärzte und Patienten. Hermann: "Zwei Drittel der Versicherten in Hausarzt-zentrierter Versorgung sind chronisch Kranke. Sie sind darin besser versorgt. Das ist kein Zuschussprojekt. Wir sehen weniger stationäre Aufnahmen. Wir haben nicht mehr Geld zur Verfügung, aber durch eine bessere Steuerung können wir zu Einsparungen kommen, um die Ärzte zu zahlen."

In Deutschland finanzieren die Krankenkassen sowohl die Medizin im niedergelassenen als auch im stationären Bereich. Dadurch gibt es auch bei den Krankenkassen ein hohes Interesse, die Zahl unnötiger und teurer Spitalsaufenthalte gering zu halten. Ergänzt werden soll das System auch durch einen eigenen Fachärztevertrag, in dem den Versicherten beispielsweise bei Routine-Besuchen ein Termin binnen zwei Wochen garantiert wird.

apa.at

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