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APA-Artikel 19. April 2013

Zertifizierte Brustkrebszentren versprechen bessere Therapiequalität

Zertifizierte Brustgesundheitszentren sollen für Patientinnen mit einem Mammakarzinom eine bessere Rundum-Behandlungsqualität bieten. Sie müssen eine bestimmte Mindestanzahl von Betroffenen pro Jahr betreuen, vergleichen ihre Daten und sind damit auch qualitätsgesichert. In Österreich gibt es derzeit 20 solcher Zentren. Etwas mehr als 50 Prozent der Mammakarzinom-Patientinnen - pro Jahr etwa 2.700 - werden dort versorgt, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien

"Eine Frau, der man nach einer Mammografie sagt 'Das sollten sie sich anschauen lassen', ist in jedem Fall in einer Situation, in der sie eine Struktur braucht. Wir können nicht beurteilen, ob der Arzt gut ist, wir können nur beurteilen, ob er nett ist. Wir leben in einer Zeit, in der jede Autowerkstatt zertifiziert sein muss, um ein Pickerl ausstellen zu dürfen. Für Brustkrebspatientinnen müssen die gleichen Kriterien herrschen"; sagte Miriam Doris Strauss, Sprecherin von Europa Donna als Selbsthilfeorganisation von Brustkrebs-Betroffenen.

In den vergangenen vier Jahren hat sich auch in Österreich der Trend zur Etablierung zertifizierter Brustkrebszentren durchgesetzt. Walter Neunteufel, Gynäkologe und Leiter des Dornbirner Brustgesundheitszentrums über die Gründe dafür: "Seit 1998 wissen wir aus einer wissenschaftlichen Arbeit, dass Frauen mit Brustkrebs, die in Spitälern mit einer hohen Anzahl an Fällen behandelt werden, bessere Überlebenschancen überprüfen."

Im Einzelnen wurde damals erstmals nachgewiesen, dass Krankenhausabteilungen, an denen pro Jahr weniger als zehn Mammakarzino-Patientinnen betreut werden, die Fünf-Jahres-Mortalität um 60 Prozent höher ist als an Abteilungen mit mehr als 150 versorgten Brustkrebs-Betroffenen pro Jahr. Die Qualitätskurve hängt offenbar linear von der Zahl der Patientinnen ab. Mittlerweile existieren in Österreich schon 20 solcher Zentren, die primären Qualitätskriterien entsprechen müssen und ihre Akkreditierung mittels jährlicher Berichte und Audits alle drei Jahre aufrechterhalten sollen.

Michael Gnant, Chirurg an der MedUni Wien und Leiter des Brustkrebszentrums am Wiener AKH (1.500 Behandlungen pro Jahr): "Je mehr Erfahrung da ist desto besser." Erstmals könne man die Qualität der Behandlung in eindeutig dokumentierter Weise belegen und überprüfen. Dazu dient das Einspeichern der Behandlungsdaten und Dutzender Kriterien in eine gemeinsame Datenbank sowie deren Vergleich. Ein Beispiel: In den österreichischen Zentren - kleinere mit unter 100 Patientinnen pro Jahr können sich mit größeren assoziieren - werden mehr als 70 aller Frauen mit einem Mammakarzinom von einem Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern brusterhaltend therapiert.

Allerdings, für diese ursprünglich von der EU geforderten Aktivitäten gibt es in Österreich auch noch Aufholbedarf bis zur Flächendeckung: In Vorarlberg, Tirol, Kärnten der Steiermark und in Wien ist das erreicht. Keine zertifizierten Brustgesundheitszentren existieren in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg. Zwei Krankenhäuser im Burgenland (Eisenstadt und Güssing) sollen an das Zentrum am Wiener AKH (MedUni Wien) angebunden werden. In Österreich erkranken jedes Jahr rund 4.800 Frauen an einem Mammakarzinom.

apa.at

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