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APA-Artikel 15. April 2013

Unterschätztes Phänomen Altersdepression - Jeder Vierte betroffen

Schmerzen, Schwindelanfälle, Schlaflosigkeit oder Appetitlosigkeit: Depression im Alter zeigt sich in vielerlei Symptomen - nicht wenige davon unterscheiden sich von einem regulären Krankheitsverlauf. Nicht zuletzt deshalb wird das Massenphänomen meist unterschätzt. Jeder vierte Mensch ab 65 Jahren ist betroffen. Das sagte der Präsident des Österreichischen Hilfswerks, Othmar Karas, bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien.

Die Organisation startete eine multimediale Informationsoffensive, die einerseits mit Mythen und Legenden aufräumen soll, andererseits sowohl Hintergrundwissen als auch praktische Handlungsempfehlungen vermitteln möchte. Das Massenphänomen werde zu sehr stigmatisiert und bagatellisiert. Trotz psychosozialer Belastungen wie Vereinsamung oder Einschränkungen diverser Art könne man Altersdepression nicht schlicht als Begleiterscheinung am Lebensabend ansehen, sagte Karas. Unbehandelt kommt es oft zu einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Frauen sind doppelt so häufig betroffen.

Auswirkungen hat dies sowohl auf den körperlichen als auch den geistigen Handlungsspielraum: Konzentration, Gedächtnis, aber auch Entschlussfähigkeit und Antrieb können direkt von einer Altersdepression beeinträchtigt werden. Nicht selten kommt es darüber hinaus zu Wechselwirkungen mit Angsterkrankungen, Demenz und diversen körperlichen Beschwerden. Nach einem Schlaganfall etwa führt eine unbehandelte Depression zu einer siebenfach erhöhten Mortalität.

"Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit", sagte Karas. Die Häufigkeit nimmt mit den Jahren zu, was zusätzliche Einschränkungen der Alltagsfertigkeiten bedeuten kann. So kommt es nicht selten vor, dass betagte Patienten körperlich durchaus in der Lage wären, selbstständig zu essen oder sich zu waschen, aber aufgrund von Antriebslosigkeit auch diesbezüglich versorgt werden müssen, erläuterte Monika Gugerell vom Hilfswerk. Zwei Drittel der Altersdepression wären gut behandelbar, müssten allerdings rechtzeitig diagnostiziert und therapiert werden.

Ein Hindernis stellt oft die Skepsis vor Psychopharmaka dar. Mediziner Reinhold Glehr verwies auf die neuen Medikamente, die "gute Wirkung bei geringen Nebenwirkungen" versprechen. Dafür müssten sich allerdings sowohl die Versorgungsstrukturen als auch Wissensstand und Einstellung ändern. Eine Anlaufstelle ist das Hilfswerk, das sich auch um die "größte Pflegeorganisation" kümmern möchte - die Angehörigen jener 80 Prozent der Senioren, die innerhalb der Familie versorgt werden.

(S E R V I C E - Weitere Informationen unter www.hilfswerk.at)

apa.at

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