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APA-Artikel 11. April 2013

Diabetiker-Vereinigung: Führerschein-Befristung ist diskriminierend

Wer unter Diabetes Mellitus leidet und auf Insulin oder andere Medikamente angewiesen ist, die auch zu unter Unterzuckerung, einer so genannten Hypoglykämie, führen können, muss seinen Führerschein regelmäßig erneuern lassen. "Jedes Mal fallen dabei Gebühren von 250 bis 300 Euro an", erklärte Elsa Perneczky von der Österreichischen Diabetikervereinigung am Donnerstag im Zuge einer Pressekonferenz. Sie ortete daher in den Leitlinien für die gesundheitliche Eignung von Kraftfahrzeuglenkern eine Diskriminierung und Stigmatisierung der von Diabetes-Patienten.

Seit Oktober 2011 gilt die Befristung des Führerscheins auf fünf Jahre, auch im Zuge der Novelle der Leitlinien 2013 wurde sie nur leicht entschärft. Nun können Diabetes-Patienten, deren Medikamente nicht zu Hypoglykämie führen können, von der Befristung ausgenommen werden, so Heidemarie Abrahamian, Leiterin der Internen Abteilung im Otto-Wagner-Spital. Denn eine Unterzuckerung könne, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werde, bis zu Bewusstseinsstörungen führen. "Gerade im Straßenverkehr ist das mehr als gefährlich", meinte Abrahamian.

Deshalb setze man bewusst auf die Aufklärung und Schulung von Patienten. Denn eine bevorstehende Hypoglykämie könne leicht an Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Schwindel oder Benommenheit erkannt werden. Dann müsse der Patient anhalten, leicht resorbierbare Kohlenhydrate zu sich nehmen und den Blutzuckerspiegel messen. "Im Verlauf der Krankheit kann es allerdings dazu kommen, dass die Symptome nicht mehr so deutlich wahrzunehmen sind." Genaue Zahlen zu durch Hypoglykämie verursachten Unfällen würden jedoch nicht vorliegen.

"Unterzuckerung kann vermieden werden", erklärte Gabriele Grom, Geschäftsführerin des Pharmakonzerns MSD, der sich verstärkt in der Patientenaufklärung einsetzen möchte. Auch Perneczky sprach sich für mehr Schulungen statt Befristungen aus. "Es muss klar sein, dass ich vor Fahrantritt Blutzucker messe und etwa Traubenzucker mitführe. Aber auch Diabetiker geben ihre Verantwortung nicht an der Autotüre ab", argumentierte sie. Sie befürchtete, dass es in Zukunft noch kürzere Befristungen geben könnte, die mit finanziellem und administrativem Aufwand verbunden seien.

Bei der Befristung des Führerscheins für Diabetes-Patienten habe man einen Kompromiss zwischen dem Interesse des Einzelnen und der Allgemeinheit finden müssen, erklärte Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Mit den Leitlinien sei aber die "Vorhersehbarkeit, Einheitlichkeit und Beschleunigung der Entscheidungen im Einzelfall" garantiert, so Kaltenegger. Zusammen mit einer klareren Kommunikation habe das zu einem deutlichen Rückgang der Beschwerden geführt. Die Leitlinien seien zudem einem ständigen Reformprozess unterworfen.

In Österreich sind etwa 400.000 bis 450.000 Menschen von Diabetes Mellitus betroffen. Die Befristung des Führerscheins gilt allerdings nicht nur für Diabetiker, sondern für alle Patientengruppen, deren Krankheiten oder Medikamente zu Bewusstseinsstörungen führen können. Besonders Krankheiten mit fortschreitendem Verlauf stünden unter Beobachtung, so Abrahamian. Darunter fallen etwa auch Menschen mit Bluthochdruck.

Zwar sei man nicht verpflichtet, eine neu diagnostizierte Erkrankung zu melden, im Falle eines Unfalls könne das aber drastische Konsequenzen für den Fahrer haben. "Wir haben in Österreich ein System der Selbstkontrolle und -verantwortung", meinte Kaltenegger. Jeder Fahrer müsse vor jedem Fahrtantritt selbst entscheiden, ob er fahrtüchtig ist.

apa.at

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