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APA-Artikel 4. April 2013

CH: Mehr Behinderte können sich ein Leben zu Hause leisten

Menschen mit Behinderung erhalten seit einigen Jahren eine höhere Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung, wenn sie zu Hause leben. Dies hat dazu geführt, dass weniger Betroffene ins Heim gehen, wie eine Studie im Auftrag des Bundes zeigt.

Eine Hilflosenentschädigung erhält, wer im Alltag Hilfe benötigt. Mit der 4. IV-Revision, die 2004 in Kraft trat, wurde die Entschädigung für zu Hause Lebende verdoppelt. Mehr erhalten auch Minderjährige, die intensive Pflege benötigen. Neu eingeführt wurde zudem die lebenspraktische Begleitung für Personen mit psychischer oder leichter geistiger Behinderung.

Die Ausgaben der IV für die Hilflosenentschädigung sind in der Folge gestiegen. Zwischen 2003 und 2011 haben sie sich verdreifacht, von 159 auf 480 Millionen Franken. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat nun untersuchen lassen, ob die Ziele erreicht wurden.

Das Fazit ist positiv: Dank des Leistungsausbaus könnten mehr IV-Bezügerinnen und -Bezüger zu Hause leben, was die Selbstbestimmung von behinderten Menschen fördere und auch die für die Finanzierung der Heime zuständigen Kantone finanziell entlaste, schreibt das BSV in einer Mitteilung.

Gemäss der am Donnerstag veröffentlichten Studie ist der Anteil an IV-Bezügern mit Hilflosenentschädigung, die zu Hause leben, seit 2004 von 50 auf 59 Prozent gestiegen. Dies entspricht einer Zunahme um etwa 6000 Personen. Ein Teil der Zunahme ist auf die neue lebenspraktische Begleitung zurückzuführen, die ausschliesslich an Personen zu Hause ausgerichtet wird. 2011 erhielten rund 3500 Personen eine solche Hilfe.

Die Gesamtzahl der Bezügerinnen und -Bezüger einer Hilflosenentschädigung hat zwischen 2004 und 2011 um 23 Prozent auf rund 32'400 Personen zugenommen. Laut der Studie ist auch dies zu einem grossen Teil auf die Einführung der lebenspraktischen Begleitung und die Zunahme der psychischen Krankheiten zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist die demografische Veränderung, also das Altern der Gesellschaft.

41 Prozent der Personen mit Hilflosenentschädigung wohnten 2011 im Heim, 59 Prozent zu Hause. Eine Befragung ergab, dass vier von fünf mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind. Dies gilt sowohl für die Heimbewohner als auch für die zu Hause Wohnenden. Über 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ohne diese IV-Leistungen ein Leben zu Hause nicht finanzieren könnten und in ein Heim eintreten müssten.

Da die IV-Leistungen nun ein Leben zu Hause ermöglichten, seien meist nicht mehr die Finanzen, sondern die benötigte Pflege Hauptgrund für einen Heimeintritt, schreibt das BSV. Die Betroffenen könnten also freier entscheiden, wo sie leben wollten.

Wer zu Hause lebt, wird vor allem von Personen aus dem familiären Umfeld unterstützt: Knapp zwei Drittel der gesamten Hilfe wird kostenlos von Personen erbracht, die im selben Haushalt wohnen. Diese Arbeit sei für die Gesellschaft wertvoll und unverzichtbar, schreibt das BSV. Mit den finanziellen Leistungen der IV könne ein allfälliger Lohnausfall von betreuenden Familienmitgliedern zumindest teilweise kompensiert werden.

Werden externe Leistungen eingekauft, trägt die Hilflosenentschädigung pro Haushalt bei leichter Hilflosigkeit durchschnittlich 200 Franken, bei mittlerer rund 700 Franken und bei schwerer rund 1000 Franken zur Erhöhung des Haushalteinkommens bei. Für Heimbewohner ist die Entschädigung eher unwichtig, da die überwiegende Mehrheit von ihnen Ergänzungsleistungen bezieht oder die Hilflosenentschädigung ans Heim abgeben muss.

Was die Angehörigen noch verstärkt benötigten, seien massgeschneiderte Entlastungsangebote und Beratungsleistungen, schreibt das BSV. Hier seien insbesondere die Kantone und Behindertenorganisationen gefragt. Laut der Studie wünschen sich insbesondere Angehörige von Minderjährigen Entlastung für die punktuelle Betreuung.

apa.at

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