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APA-Artikel 2. April 2013

Deutscher Klinik-Chef: "Man müsste ein Kind halbtot nach Hause schicken"

Schwer kranke Patienten können für Krankenhäuser zum finanziellen Risiko werden - das beklagen Kliniken. Das führe in eine verhängnisvolle Spirale, sagt der Ärztliche Direktor der Uni-Kinderklinik Tübingen, Rupert Handgretinger.

Weshalb haben sie bei schwer kranken Patienten solche Probleme mit dem System der Fallpauschalen?

Handgretinger: "Bei einer kurzen und mittleren Verweildauer der Patienten funktioniert das System. An dem einem Patienten verdient man ein bisschen mehr, an einem anderen verliert man ein bisschen was - das balanciert sich aus. Das Problem sind die Langlieger, also die besonders schweren Fälle. Aber gerade die zu behandeln ist ja auch unsere Aufgabe als Universitätsklinik."

Um welche Summen geht es da?

Handgretinger: "Die Verluste, die wir mit einem einzigen Langlieger haben, erreichen teilweise die Höhe von ein oder zwei Jahresgehältern für eine Krankenschwester. So muss man rechnen, denn wir können diese Verluste nur kompensieren, indem wir Personal abbauen. Aber die Schwestern rennen schon, wie es geht. Krankheitsausfälle gehen hoch. Man merkt langsam, wie sie ausbrennen - das sehe ich jeden Tag."

Welche Konsequenzen hat das für die Patienten?

Handgretinger: "Es wird darauf hinauslaufen, dass man sich irgendwann überlegen muss, ob man einen Patienten mit einem besonders komplizierten Fall überhaupt noch aufnimmt - oder ob man behauptet, alle Betten seien belegt. Oder ich muss ein Kind mit Mukoviszidose vor einer Lungentransplantation nochmal halbtot für vier Wochen nach Hause schicken. Dann kann ich statt einem zwei Fälle abrechnen. Aber die Frage ist doch: Wollen wir unseren Patienten das wirklich antun?"

apa.at

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