zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 29. März 2013

Fehlender Ärztenachwuchs in Kärntens Spitälern

"In Kärnten zeichnet sich ein Ärztemangel ab. Der Nachwuchs an Jungmedizinern bleibt aus. Fast alle heimischen Spitäler suchen dringend Turnusärzte", warnt Dr. Josef Huber, Präsident der Kärntner Ärztekammer. Er befürchtet, dass sich dieses Problem weiter verschärfen wird, weil bei gleich bleibend schlechten Arbeitsbedingungen die Dauer des Turnus ausgedehnt werden soll.

 

"Ab 2014 soll der Turnus, also jene Zeit, in der Absolventen des Medizinstudiums zu Ärzten für Allgemeinmedizin ausgebildet werden, von derzeit drei auf 4,5 Jahre verlängert werden. Es ist geplant, nach dem Medizinstudium einen neunmonatigen so genannten "common trunk" (6 Monate Interne, 3 Monate Chirurgie) einzuführen und daran anschließend eine Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin - alles in allem 54 statt bisher 36 Monate", führt Dr. Huber aus. Für junge Ärzte ergebe sich damit eine unzumutbare Perspektive. "Wenn die Antwort der Politik lediglich darin besteht unseren Ärztenachwuchs zu noch längerer Systemerhaltung zu verpflichten, wird die Abwanderung nach Deutschland, in die Schweiz oder nach Skandinavien weiterhin stark zunehmen. In diesen Ländern erfahren unsere Jungmediziner eine ganz andere Wertschätzung und sie können ihre ärztliche Ausbildung bei weitaus besseren fachlichen und finanziellen Bedingungen fortsetzen und abschließen", stellt der Ärztekammerpräsident fest.

 

Niemand könne dieses Problem in Abrede stellen, wenn sogar der Rektor der Medizin-Universität Wien Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schütz und der Uniratsvorsitzende Dr. Erhard Busek die Ausbildungsmissstände in den Spitälern bestätigen. So habe Rektor Schütz wörtlich gesagt: "Turnusärzte sind billige Arbeitskräfte in den Spitälern geworden" und Busek meinte: "Jungärzte sind Systemerhalter für den Krankenschwesternbereich".

 

"Die Diagnose ist damit eindeutig", so Dr. Huber, "aber eine Therapie findet die Politik nicht". Die Kärntner Spitäler seien dringend aufgefordert, den Turnusärzten akzeptable Arbeitsbedingungen und eine adäquate Ausbildung zu ermöglichen. Vom Bund fordert Huber Lösungen, welche die Turnusausbildung zuerst in fachlicher Hinsicht verbessern. Ein klar geregeltes Tätigkeitsprofil für Turnusärzte müsse ebenso wie die Ausbildungsziele gesetzlich verankert werden. Nur dadurch könne ein Missbrauch als Systemerhalter unterbunden und dem Ärztenachwuchs auch in Österreich gute Ausbildungschancen geboten werden. "Die derzeitigen Bedingungen schrecken die Jungen ab und das kann sich unser Gesundheitssystem auf Dauer nicht leisten", meint Dr. Huber.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben