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APA-Artikel 22. März 2013

Starke Abwanderung von Ärzten aus Ungarn

Immer mehr ungarische Ärzte und Krankenschwestern verlassen ihre Heimat und suchen sich einen neuen und besser bezahlten Job im Ausland. Diese Tendenz kam trotz einer Gehaltserhöhung seitens der rechtskonservativen Regierung im Jahr 2011 nicht zum Stillstand. Immer mehr Agenturen vermitteln Mediziner ins Ausland, verstärkt nach Deutschland und Österreich sowie in die Schweiz.

Früher waren die skandinavischen Länder und Großbritannien Zielländer. Heute habe Deutschland die Führungsrolle von Großbritannien übernommen. Die "Stoßrichtung" habe sich demnach geändert, erklärte Istvan Eger, Präsident der Ungarischen Ärztekammer (MOK) und Vizepräsident des Ständigen Ausschusses Europäischer Ärzte (CPME), in einem Gespräch mit der APA. Nach Deutschland wanderten im Vorjahr 379 Ärzte ab, nach Österreich 85.

2012 waren es 1108 Ärzte, die Ungarn verließen. Insgesamt hatten 2061 Mitarbeiter des Gesundheitswesens um ein behördliches Zeugnis für eine Tätigkeit im Ausland angesucht, darunter auch Zahnärzte und Apotheker. Besonders auffällig sei, dass etwa die Hälfte davon Frauen sind, so Eger. Insgesamt haben rund 7000 Ärzte zwischen 2005 und 2012 um ein behördliches Zeugnis angesucht. Gegenwärtig sind es immer noch 800 Ärzte, die jährlich ins Ausland abwandern wollen. Laut Eger sei die Ärztemigration ungebrochen.

Als Gründe für die Abwanderung nannte Eger in erster Linie niedrige Gehälter und schlechte Arbeitsbedingungen, die besonders für junge Ärzte untragbar seien. Ebenso würden Ärzte aus Nicht-EU-Ländern, wie Serbien und die Ukraine, die nach Ungarn kämen, das Land nur als "Sprungbrett" in Richtung Westen nutzen.

Eine Veränderung in der Branche sei angesichts Budget und ständiger Wirtschaftsschranken "schwerfällig und langsam", so lautet die Kritik von Seiten der Ärztekammer. Der Berg ungelöster Aufgaben im Gesundheitswesen werde immer höher, betonte Eger und bedauerte die fehlende Anerkennung des Gesundheitswesens durch die Regierung. Dieses befände sich im Blickwinkel der Politiker "noch immer nicht an der Spitze" und bei finanziellen Zuwendungen würden "total verzerrte Ansichten" vorherrschen. Maßnahmen wie Gehaltserhöhungen hätten laut Eger im Kampf gegen die Abwanderung der Ärzte bisher keinen Erfolg gebracht.

Eger kritisierte auch die Tatsache, dass es in Ungarn keinen Gesundheitsminister gibt. Die Stimmung im Gesundheitswesen ist "sehr schlecht", betonte Eger.

(Das Gespräch führte Harriett Ferenczi/APA)

apa.at

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