zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 14. März 2013

Ärztemangel in Wien? Ein Mythos!

Die Bundeshauptstadt verfügt im österreichweiten Vergleich über die höchste Ärztedichte. "Um die Versorgung der Wienerinnen und Wiener zu optimieren, braucht es daher keine zusätzlichen Stellen, sondern eine bessere Organisation des Angebots", stellte Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) heute bei einem Pressegespräch fest. Ein klares Nein gibt es zu den Forderungen der Ärztekammer, die jährlich Zusatzkosten von mehr als 100 Millionen Euro verursachen würden.

 

"Wir haben genügend Ärztinnen und Ärzte. Die Herausforderung besteht darin, das Angebot besser zu organisieren." Mit diesen Worten skizziert Reischl den Weg, der bei der Gesundheitsversorgung künftig eingeschlagen werden soll. Den Wünschen der Wiener Ärztekammer nach zusätzlichen Stellen erteilt sie eine klare Absage: "Bei aktuell knapp 800 Allgemeinmedizinern und gut 900 Fachärztinnen und Fachärzten kann ich diese Forderungen nicht nachvollziehen. Zumal derzeit weder die Öffnungszeiten noch die vorhandenen Kapazitäten voll genutzt werden". Dazu kommt, dass man sich an den Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) gebunden fühle. Dieser läuft noch bis 2015, wurde von der Stadt Wien, der WGKK und der Ärztekammer gemeinsam beschlossen und sieht keine zusätzlichen Stellen vor.

 

In ihrem Modell, das die Ärztekammer Wien kürzlich präsentiert hat, sind unter anderem zusätzlich 300 Kassenverträge, 90 Gruppenpraxen (die sich jeweils nur aus einer Fachrichtung zusammensetzen) sowie bezahlte Lehrpraxen vorgesehen. Nach WGKK-internen Berechnungen kostet dieses Paket jährlich mehr als 100 Millionen Euro. Reischl dazu: "Wir sind unseren Versicherten verpflichtet. Wir können in Zeiten wie diesen aber nicht so tun, als ob Geld abgeschafft worden wäre. Dieser Wunschkatalog führt die WGKK schlagartig zurück in die Verlustzone."

 

Angebot muss breiter und moderner werden

 

Die Ansätze der WGKK gehen daher in eine andere Richtung: Zum einen drängt Reischl darauf, dass Ärztinnen und Ärzte mit Kassenvertrag bestmöglich zur Versorgung beitragen. "Wir beobachten hier eine enorme Bandbreite." So gibt es Allgemeinmediziner, die im Jahr knapp 200 Fälle behandeln, andere kommen auf rund 17.640 Fälle. Auch im Bereich der Augenheilkunde zeigt sich eine große Spreizung zwischen knapp 380 und 19.900 Fällen. Reischl dazu: "Es ist in unserem Interesse und vor allem im Interesse der Patientinnen und Patienten, dass die vorhandenen Ressourcen besser genutzt werden." Was in weiterer Folge auch zu einer Entspannung bei den immer wieder diskutierten Wartezeiten führen würde.

 

Zum anderen setzt die WGKK auf den Ausbau verschiedener, innovativer Modelle. So haben sich in der jüngeren Vergangenheit die Gruppenpraxen bewährt. Mit derzeit knapp 70 solcher Einrichtungen in elf verschiedenen Fächern - von Augenheilkunde über Innere Medizin bis hin zur Orthopädie - ist Wien Spitzenreiter in Österreich. Für Patientinnen und Patienten haben Gruppenpraxen eine Reihe von Vorteilen wie längere Öffnungszeiten und keine Urlaubssperre. Bei der Ausweitung plädiert Reischl aber für eine Weiterentwicklung dieses Angebots. Es gehe darum, Einheiten anzubieten, die verschiedene Fächer unter einem Dach vereinen. "Das ist es, was die Leute wollen. Der Gesetzgeber sieht in solchen Fällen aber Abschläge vor - und zu diesen war die Ärztekammer bisher nicht bereit."

 

Eine weitere Möglichkeit, die ambulante Versorgung an die Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen, sind multidisziplinäre Einrichtungen, die als Bindeglied zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie den Spitalsambulanzen fungieren könnten. Hier arbeiten WGKK und die Stadt Wien an ersten Pilotprojekten - im Umfeld des SMZ-Ost und des neuen KH Nord - die noch heuer starten sollen und gemeinsam finanziert werden.

 

Mit dieser flächendeckenden Versorgung im niedergelassenen Bereich wurde und wird der Entwicklung Rechnung getragen, wonach die Frequenz in den Ordinationen tendenziell zunimmt, während sie in den Spitalsambulanzen seit Jahren annähernd stabil bleibt.

 

Schwerpunkt: Kindergesundheit

 

Ein Dauerbrenner in der Gesundheitspolitik sind die Kinder und Jugendlichen. WGKK und Stadt Wien haben im Vorjahr ein umfassendes Paket geschnürt, mit dem unter anderem die ambulante psychiatrische Betreuung von Kindern und Jugendlichen ausgeweitet wird. Bis Jahresende werden beim Verein "die Boje", den Wiener Psychosozialen Diensten und dem SOS-Kinderdorfambulatorium insgesamt fünf Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie zusätzlich angestellt. Weiters wurde der Ausbau von Ergo-, Logo-, Physio- und Psychotherapie vorangetrieben. Mit der Eröffnung von zwei neuen Ambulatorien der Wiener Sozialendienste können ab diesem Monat für 1.500 Kinder zusätzliche Therapieeinheiten in den genannten Bereichen auf Rechnung der WGKK angeboten werden. Reischl dazu: "Wir sind froh, die Kapazitäten deutlich ausbauen zu können, was die aktuelle Situation für die Betroffenen enorm verbessert."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben