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APA-Artikel 6. März 2013

CH: Chirurgen warnen vor finanziellen Anreizen im Gesundheitssystem

Die Chirurgen kritisieren das Fallpauschalen-System als mangelhaft. Mit dem seit 2012 gültigen Abrechnungssystem werden laut den Schweizer Chirurginnen und Chirurgen (SGC) falsche Anreize geschaffen. Die Balance zwischen Medizin und Ökonomie drohe in Schieflage zu geraten.

«Das Risiko besteht, dass Eingriffe nur durchgeführt werden, um Geld zu verdienen», sagte SGC-Präsident Ralph Alexander Schmid am Mittwoch vor den Medien in Bern. «Man macht den Patienten kränker als er ist, um Leistungen zu generieren.»

In Deutschland etwa hätten die Zahl der Operationen seit der Einführung des Fallpauschalen-Systems um ein Viertel zugenommen, sagte Schmid. Diese Entwicklung gelte es in der Schweiz zu vermeiden.

Die SGC lanciert deshalb eine Charta. Mit einer Unterschrift sollen Chirurgen und Spitäler etwa bezeugen, dass chirurgische Eingriffe aus medizinischen Gründen erfolgen - und nicht aus finanziellen Überlegungen. Dadurch würden die Interessen der Patienten - aber auch der Ärzte - geschützt, sagte Schmid.

Provisionen kritisiert

Auch die Weitervermittlung und Zuweisung von Patienten dürfe nicht durch finanzielle Interessen motiviert sein. Ein Arzt dürfe keine Provision erhalten für eine Vermittlung an einen anderen Arzt, sagte Schmid. Ein solches Vorgehen untergrabe die freie Arztwahl.

Insbesondere bei Privatspitälern seien Rabatte oder Assistenzhonorare verbreitet. Aber auch Praxisgruppen handelten Ermässigungen mit Spitälern aus. «Solche Verträge müssen verboten werden», sagte Schmid.

Schmid appelliert auch an die Patienten, bei ihren Ärzten nachzufragen: «Fragen Sie ihren Arzt, ob er eine Provision erhält», sagte Schmid.

Die Charta stützt sich auf die Richtlinien des Ärzteverbandes FMH. Sanktionen gegen Verstösse können dabei nur von der FMH ergriffen werden. Die FMH wird auf Antrag eines Arztes aktiv.

FMH grundsätzlich zufrieden mit Tarifsystem

Bei der FMH sieht man keine grundlegenden Systemmängel. «Die Tarifstruktur an sich gibt nicht den Anreiz zum Missbrauch, es sind immer die Menschen», sagte FMH-Vizepräsident Pierre-François Cuénod auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Ob das seit Januar 2012 gültige Fallpauschalensystem SwissDRG zu mehr Missbrauch führe, könne man erst beurteilen, wenn die offiziellen Zahlen dazu vorlägen. Das sei in der zweiten Jahreshälfte der Fall.

Für Cuénod geht es aber auch um den guten Ruf der Spitäler: Es wäre rufschädigend, wenn bekannt würde, dass Operationen unnötig ausgeführt würden. «Das spricht sich herum», sagte Cuénod.

Akademische Titel offengelegt

Ebenfalls Transparenz will die SGC bei der Herkunft von akademischen Titeln schaffen: «Wir verlangen von unseren Mitgliedern, dass sie die Herkunft ihrer Titel offenlegen», sagte Schmid. Die Titelherkunft werde im Mitgliederverzeichnis der SGC- Webseite publiziert.

Die SGC feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Sie zählt rund 1300 Mitglieder.

apa.at

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