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APA-Artikel 6. März 2013

Übervolle Ambulanzen: Wiener Ärztekammer will Spitälern helfen

Die Ambulanzen in den Wiener Spitälern sind - gerade im Winter - nicht selten überfüllt. Die Wiener Ärztekammer will Abhilfe schaffen und hat am Mittwoch Lösungsszenarien präsentiert. Gewünscht wird eine Verlagerung auf den niedergelassenen Bereich. Dieser würde die zusätzlichen Aufgaben übernehmen, auch zu Randzeiten und am Wochenende, wie Kammerpräsident Thomas Szekeres versicherte. Nötig seien dazu jedoch unter anderem mehr Kassenstellen und eine entsprechende Abgeltung der Arbeitszeiten, wie betont wurde.

"Die Berichte über volle Ambulanzen entsprechen absolut den Tatsachen", sagte Szekeres. Das Problem dabei: Ein großer Teil der Ambulanzbesuche ist aus medizinischer Sicht nicht notwendig, wie die Ärztekammer beteuerte. Die Betreuung dieser Patienten zähle nicht zu den Kernaufgaben von Spitälern. Es sei jedoch nicht verwunderlich, dass die Wiener dorthin ausweichen. Denn Ambulanzen hätten, anders als Arztordinationen, rund um die Uhr offen.

Im Rahmen der Gesundheitsreform sei vereinbart worden, dass der niedergelassene Bereich die Entlastung der Ambulanzen übernehme, erinnerte der Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Wiener Ärztekammer, Johannes Steinhart. Dies tue man gerne, beteuerte er. Allerdings: Dazu wären rund 300 zusätzliche Kassenstellen in Wien nötig. Schon jetzt würden die Ressourcen immer weniger werden, was sich etwa in langen Wartezeiten niederschlage.

Zudem müssten die Gruppenpraxen ausgebaut werden. Rund 90 diesbezügliche Anträge würden derzeit vorliegen und auf die Freigabe warten. Außerdem sei es notwendig, neue Tarife mit den Krankenkassen zu vereinbaren, die es niedergelassenen Ärzten ermöglichen, auch an Tagesrandzeiten und am Wochenende offen zu halten, forderte Steinhart. Denn Überstunden oder Feiertagszuschläge für Personal seien sonst nicht zu bezahlen, die Honorarsätze müssten entsprechend angepasst werden.

Die Kammervertreter bekräftigten heute weiters einen bereits wiederholt von der Standesvertretung geäußerten Vorschlag: Der niedergelassene Bereich und die Ambulanzen sollten aus einer Hand finanziert werden. Eine Verlagerung der Patientenströme hätte, so wurde versichert, jedenfalls Einsparungen zur Folge. Insgesamt könnten die Frequenzen in den Spitals-Erstaufnahmen um bis zu 30 Prozent reduziert werden, schätzt die Kammer.

Szekeres und Steinhart forderten einen Runden Tisch, um die vorgeschlagene Lösung auf Schiene zu bringen. Vertreter der Stadt, des Wiener Krankenanstaltenverbunds, der Gebietskrankenkasse und der Ärztekammer sollten daran teilnehmen.

Dass sich der Wunsch nach zusätzlichen Stellen vorerst eher nicht erfüllen wird, zeichnet sich jedoch bereits ab. Ingrid Reischl, die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), wies diese Forderung am Mittwoch in einer Aussendung zurück. "Österreich hat nach Griechenland die höchste Ärztedichte in Europa. Und innerhalb Österreichs ist die Bundeshauptstadt Nummer eins. Die medizinische Versorgung ist also weit besser als von der Ärztekammer dargestellt", betonte sie. Auch sei die Stadt mit derzeit knapp 70 Gruppenpraxen in elf verschiedenen Fächern bei dieser Versorgungsform österreichweit am besten aufgestellt.

Auch wenn es um die Entlastung der Ambulanzen gehe, müsse man "bei den Fakten" bleiben. Aktuelle Daten belegten, dass die Frequenzen in den Spitalsambulanzen seit Jahren annähernd gleich bleiben. Zum anderen werde rund ein Viertel der Ambulanzbesucher vom niedergelassenen Arzt zugewiesen. Diese Entwicklung gelte es zu ändern, betonte Reischl.

apa.at

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