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APA-Artikel 6. März 2013

Apothekertagung: Arzneimittel-Versandhandel in Vorbereitung 1

Die Sache kommt auf jeden Fall: Mit Anfang 2014 müssen in Österreich Regelungen bestehen, die einen Arzneimittel-Versandhandel mit rezeptfrei erhältlichen Medikamenten via Apotheken erlauben. Das ist eine EU-Vorgabe. Die Apothekerkammer ist wenig bis gar nicht "begeistert". Der Österreichische Apothekerverband arbeitet an einem Internet-System ("Click and Collect"), um den echten Versandhandel möglichst auszubremsen. Dies stellte am Dienstag der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Müller-Uri, in einem Hintergrundgespräch bei der Fortbildungswoche seines Berufsstandes in Saalfelden (bis 8. März) dar.

"Wir sind mit den Apotheken klassische Nahversorger. Fernabgabe von Arzneimitteln und Nahversorgung vertragen sich nicht miteinander. Deshalb lehnen wir den Versandhandel auch ab", sagte Müller-Uri, auch Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes als Organisation der selbstständigen Apotheker, zur prinzipiellen Einstellung.

Freilich, an der Schaffung der Möglichkeit zur Arzneimittel-"Fernabgabe" in Österreich geht kein Weg vorbei. Eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2011, welche an sich die Fälschungssicherheit von Arzneimitteln erhöhen soll, schreibt interessanterweise auch die Etablierung von Regelungen für den Arzneimittel-Versandhandel in den Mitgliedsstaaten vor. Dabei bietet jeder derartige Vertriebsweg natürlich am ehesten ein Einfallstor für Sicherheitsprobleme. Doch die Richtlinie ist bindend, das österreichische Arzneimittelgesetz wurde bereits geändert.

Die Konsequenz daraus, so der Standesvertreter: "Der (Gesundheits-)Minister hat eine Verordnung zu erlassen." Darin sollen die dann für den Arzneimittel-Versandhandel in Österreich geltenden Regelungen enthalten sein. Einen Entwurf gibt es noch nicht, doch die Gespräche laufen. Jedenfalls soll die "Fernabgabe" von in Österreich rezeptfrei erhältlichen Arzneimitten möglich werden. Der Kunde bestellt, der Apotheker sendet die Medikamente per Post etc..

Doch die heiklen Fragen liegen im Detail. Da geht es zunächst einmal um die Menge orderbarer Arzneimittel pro Bestellung. Müller-Uri: "Da wird man wohl von der Deckung eines ,persönlichen Bedarfs' ausgehen. Salopp gesagt könnten das zum Beispiel drei Packungen sein." Potenziell nicht geeignete Produkte könnte man eventuell ausklammern.

Dann geht es um Liefer- und Lagerbedingungen. Der Transport von Arzneimitteln vom Produzenten zum Großhandel und von dort zu den Apotheken ist in Österreich mit strengsten Qualitätsregeln - bis hin zu einzuhaltenden Temperaturen etc. - versehen. Und jetzt sollen plötzlich Apotheken Päckchen mit Medikamenten via Post etc. ohne diese Qualitätsmerkmale an ihre Kunden schicken dürfen?

Müller-Uri: "Das ist nicht sehr sinnvoll. Wir wollen, dass die Transportbedingungen in der Verordnung genau geregelt werden." Es dürfe zu keiner Verschlechterung der Sicherheit im Vergleich zum Abholen von Medikamenten in der Apotheke (und des sicheren Transports sowie Lagerung in der herkömmlichen Versorgungskette) kommen.

Der Standesvertreter berichtete bereits von den Erfahrungen mit dem Arzneimittel-Versandhandel aus EU-Staaten nach Österreich: "Da wissen wir, wie das abläuft. Das kommt von der ,Zur Rose' Apotheke und landet bei einem Postpartner. Pakete werden ja normalerweise nicht zugestellt, sondern abgeholt." Da stelle sich die Frage, wie die Lagerung dann aussehe, wie die Beratung des Kunden etc.

Skurrilerweise sind einige Landapotheker in Österreich auch Postpartner - und empfangen derzeit ab und zu Päckchen der aus der Schweiz stammenden Versandapotheke. Beworben wird sie über "dm"-Drogeriemärkte. Abgewickelt werden die Bestellungen aus Österreich über eine Apotheke in Tschechien. Die österreichischen Apotheker-Postpartner geben die Lieferungen dann in der eigentlichen Präsenzapotheke an die Kunden ab.

Vor rund einem Jahr kam in österreichischen Apothekerkreisen aber auch noch für den eigenen Berufsstand Peinliches ans Tageslicht: Offenbar belieferten doch glatt österreichische Apotheken die eigene ausländische Versandhandels-Konkurrenz ("Zur Rose" bzw. deren tschechische Partner) mit Ware.

apa.at

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