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APA-Artikel 5. März 2013

Apothekertagung - Neue Blutgerinnungshemmer leichter anwendbar

Jahrzehntelang haben injizierbares Heparin und sogenannte Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar etc.) die Prophylaxe und die Behandlung von Thrombosen dominiert. Doch mit neuen Substanzen wie Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban stehen jetzt Mittel zum Schlucken zur Verfügung, bei denen keine regelmäßigen Laborkontrollen notwendig sind und die Dosierung einfach ist, erklärte Montagabend bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (bis 8. März) die Wiener Expertin Sabine Eichinger-Hasenauer (MedUni Wien/AKH).

"Orale Vitamin K-Antagonisten wurden in der Primär- und Sekundärprophylaxe von venösen Thrombosen eingesetzt, auch bei Patienten mit künstlichen Herzklappen und mit Vorhofflimmern", sagte die Blutgerinnungspezialistin von der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Wien.

Das Problem mit "Marcoumar & Co.": "Man muss eine Balance zwischen Thromboseschutz und Blutungsrisiko finden. Das ist sehr schwierig." Patienten, die täglich solche Medikamente einnehmen, befinden sich nur 66 Prozent der Zeit in dem engen therapeutischen Fenster mit notwendiger "Blutverdünnung" und nicht zu hohem Blutungsrisiko (Gehirnblutungen, Magenblutungen etc.). Außerdem muss regelmäßig per Laboruntersuchung die Situation überprüft werden, was bei betagten, nicht gehfähigen Patienten einen erheblichen Aufwand bedeutet.

Hier revolutionieren derzeit die neuen Medikamente die Szenerie. Substanzen wie Dabigatran hemmen den Blutgerinnungsfaktor IIa, Rivaroxaban etc. den Blutgerinnungsfaktor Xa. Die Vorteile: Bei einer Operation mit hohem Thromboserisiko (z.B. künstliche Hüft- oder Kniegelenke) muss nicht zunächst Heparin injiziert und dann auf Marcoumar etc. umgestellt werden.

Die Patienten bekommen ein oral einzunehmendes Medikament, bis sie es nicht mehr benötigen. Es gibt praktisch fixe Dosierungen. Eine Laborkontrolle ist nicht notwendig. Die Wiener Expertin: "Wir wissen, was diese Medikamente bewirken. Die Wirkung auf die Blutgerinnung ist vorhersehbar. " Individuelle Unterschiede im Ansprechen, Begleiterkrankungen und Ernährung sowie andere Faktoren beeinflussen die Gerinnungshemmung nicht. Je nach Zulassungsstatus werden die neuen Medikamente auch zur Behandlung bereits aufgetretener Thrombosen eingesetzt.

Etwas anders ist bei den sogenannten Thrombozytenaggregationshemmern (niedrig dosiertes Aspirin, Clopidogrel etc.) die zur Verhinderung von Herzinfarkten, Schlaganfällen etc. eingesetzt werden und die Funktion der Blutplättchen blockieren sollen. Hier ist das neuere Clopidogrel bei manchen Patienten etwas wirksamer als die Acetylsalicylsäure, oft erfolgt eine Kombinationstherapie. Doch wiederum neuere und auf der selben Basis wie Clopidogrel wirkende Substanzen können mitunter mehr Herz-Kreislauf-Zwischenfälle verhindern, verursachen manchmal aber auch ein höheres Risiko für Blutungen, betonte in Saalfelden Thomas Grimmel von der Universitätsklinik für Innere Medizin II am Wiener AKH.

apa.at

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