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APA-Artikel 4. März 2013

Apothekertagung: Keine Empfehlung zum Schlucken von Vitamin D

In jüngster Zeit ist - wieder einmal - ein Vitamin in „Gesundheits- und Wellness-Mode“ gekommen: Vitamin D. Es ist besonders wichtig für den Knochenaufbau, ein Mangel dürfte aber auch in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen. Doch bisher gibt es keine ausreichenden Beweise dafür, dass die Einnahme von Vitamin D-Präparaten bei Herzleiden einen eindeutig positiven Effekt hat, betonte Sonntagabend Karin Amrein von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Graz bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 8. März).

Vitamin D (Calcitriol) wird bei ausreichender Sonnenlichtexposition vom Körper selbst gebildet. Vor allem erfolgt das in den Nieren, aber auch andere Gewebe sind daran beteiligt. In der jüngeren Vergangenheit haben Studien mehrfach belegt, dass viele Menschen eigentlich einen Vitamin D-Mangel haben.

Karin Amrein: „Ein Vitamin D-Mangel ist sehr häufig, dies vermutlich in erster Linie lebensstilbedingt durch immer weniger Aktivitäten im Freien sowie vermehrten, teils vielleicht sogar übertriebenen Sonnenschutz.“ In Deutschland zeigte eine Studie, dass die Hälfte der Babys unter einem Jahr ein Vitamin D-Defizit aufweisen. Die Expertin: „In Graz wissen wir aus eigenen Daten, dass weniger als 40 Prozent gesunder Blutspenderinnen einen normalen Vitamin D-Spiegel haben. Bei kritisch Kranken weisen 60 bis hundert Prozent einen Vitamin D-Mangel auf.“

Da es offenbar einen Zusammenhang zwischen solchen Defiziten mit zahlreichen Erkrankungen - vor allem Rachitis, Osteoporose, aber auch Herz-Kreislauf-Leiden - gibt, läge es nahe, das Vitamin in Form von pharmazeutischen Präparaten einzunehmen. Doch die Beweislage ist hier noch dürftig. Karin Amrein: „Einige Studien mit primär muskuloskelettalen Endpunkten (Einfluss auf die Osteoporose etc., Anm.) und bis zu 36.000 Teilnehmern konnten bisher jedoch keinen Benefit einer Vitamin D-Gabe zeigen.“

Während die tägliche Einnahme von Vitamin D und Kalzium seit langem eine Basis für die Behandlung des krankhaften Knochenabbaus vor allem bei Frauen nach der Menopause darstellt, kann noch nicht zur Vitamin D-Prophylaxe in Sachen Herzkrankheiten geraten werden. Die Expertin: „Derzeit gibt es zu wenig Evidenz (wissenschaftliche untermauerte Hinweise, Anm.), für eine Vitamin D-Supplementation in der Primär- oder Sekundärprophylaxe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Unter Primärprophylaxe versteht man die Verhütung von Erkrankungen, unter Sekundärprophylaxe die Verhinderung weiterer Schäden im Rahmen einer Erkrankung.

Allerdings laufen derzeit international sehr große Studien mit bis zu 20.000 Teilnehmern, um die offenen Fragen zu prüfen. Bisher allerdings sind eigentlich alle Versuche fehlgeschlagen, mit Vitamin-Präparaten verschiedenste Erkrankungen zu verhüten.

apa.at

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