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APA-Artikel 4. März 2013

Apothekertagung: Tabak-Gesetze - Weniger Infarkte in Deutschland

Von fast 53 Millionen Todesfällen im Jahr 2010 weltweit waren 15,6 Millionen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Erst danach folgte Krebs mit fast acht Millionen Opfern. Doch in den westlichen Industriestaaten geht die Häufigkeit der "Herzleiden" zurück. Daran Anteil haben auch schärfere Tabak-Gesetze, erklärte Sonntagabend der Salzburger Kardiologe Jochen Schuler bei der 46. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 8. März) mit rund 500 Teilnehmern.

"In Europa und den USA ist die Herzinfarkt-Rate im Sinken begriffen. In den vergangenen zehn Jahren ging sie um 16 bis 18 Prozent zurück. Der Rückgang der Herzinfarkt-Sterblichkeit betrug mehr als 70 Prozent", sagte Schuler.

Mitbeteiligt sind daran offenbar auch die Tabakgesetze in vielen Industriestaaten. Laut einer aktuellen Analyse der EU hat Österreich hier im Vergleich zu den meisten anderen Mitgliedsländern der Gemeinschaft einen starken Aufholbedarf, was die Tabak-Gesetzgebung und den Schutz der Nichtraucher betrifft. Bereits vor Jahren wurde in Italien nachgewiesen, dass die dort eingeführten rigorosen Rauchverbote in Lokalen und der Öffentlichkeit binnen kurzer Zeit zu einem Rückgang der Infarktraten bei bis zu 65-Jährigen um mehr als elf Prozent führte.

Ähnliches spielt sich - bei nicht so strengen Gesetzen - in Deutschland ab. Der Kardiologe: "In Deutschland wurde vor vier Jahren der Nichtraucherschutz verstärkt. Seither hat die Zahl der Spitalsaufnahmen wegen akuten Infarkten um 13 Prozent nachgegeben."

Nichtrauchen und regelmäßige körperliche Bewegung seien mindestens genauso wichtig in Prävention und Behandlung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die modernsten medizinischen Verfahren oder Arzneimittel, erklärte der Experte: "Lebensstilmedizin ist laut wissenschaftlichen Studien zum Teil viel effektiver als jeder ,Stent' (Ballonkatheter-Aufdehnung von Verengungen der Koronargefäße und Implantierung einer Gefäßstütze, Anm.)."

Während offenbar das "tödliche Quartett" - die Kombination von Fettstoffwechselstörung (Triglyceride mehr als 150 Milligramm pro Deziliter und niedriges "gutes" HDL, Cholesterin), Prädiabetes (mehr als 110 Milligramm Nüchternblutzucker pro Deziliter Blut), Hypertonie (mehr als 130/85 mmHg) und Körpergewicht (Bauchumfang bei Männern mehr als 102 Zentimeter, bei Frauen mehr als 88 Zentimeter) - immer häufiger wird, hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind zwar oft chronische Leiden, jedoch gut behandelbar. Im Akutfall (Herzinfarkt) erweisen sich die sofortige Einlieferung in spezialisierte Krankenhausabteilungen und die Beseitigung des in einer Koronararterie aufgetretenen Blutgerinnsels per Herzkatheter als lebensrettend.

Die Kontrolle von Symptomen durch Medikamente oder Kathetereingriffe, die Kontrolle des Fortschreitens der Gefäßerkrankung (Atherosklerose) durch Lebensstil-Modifikation und Management von Risikofaktoren und die Verbesserung der Prognose stehen im Mittelpunkt der Bemühungen der Medizin. Dabei wird die Lebensstilmedizin immer wichtiger.

Trotzdem bleiben die koronaren Herzkrankheiten ein Riesenproblem. Schuler: "Bei 65-jährigen Männern beträgt die Häufigkeit einer koronaren Herzerkrankung acht Prozent, das Neuauftreten pro Jahr zwei Prozent. Bei Frauen sind es fünf bzw. 1,5 Prozent." In der Gruppe der 80- bis 85-Jährigen liegt die Häufigkeit solcher Leiden unter den Männern bereits bei 20 Prozent, unter den Frauen bei 15 Prozent (Neuauftreten pro Jahr bei vier Prozent).

apa.at

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