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APA-Artikel 1. März 2013

D: Kinderärzte für mehr Personal in Kitas

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hadert mit der Qualität der Kita-Betreuung von Kleinkindern. Nur etwa zehn Prozent dieser Einrichtungen in Deutschland genügten den von Fachleuten geforderten Qualitätsansprüchen, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann am Freitag in Weimar. Problem sei vor allem das fehlende oder nicht ausreichend qualifizierte Personal. Der Verband plädiert für eine maximale Gruppengröße von zwölf Kindern für unter Dreijährige in den Kindertagesstätten. "Die Realität ist wesentlich schlechter", kritisierte Hartmann zum Auftakt eines Kongresses für Jugendmedizin mit rund 500 Teilnehmern.

Bei zehn Prozent der Einrichtungen sei die Qualität inakzeptabel schlecht, sagte Hartmann mit Verweis auf Erhebungen für die Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Ab August dieses Jahres haben Kinder unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung in einer Kita oder bei einer entsprechend qualifizierten Tagesmutter. Geht es nach den Medizinern, sollte sich bei den unter Dreijährigen eine Betreuerin um maximal vier Kinder kümmern. In Thüringen, dessen Kindergartengesetz als bundesweit vorbildlich gilt, betreut eine Erzieherin maximal acht Kleinkinder.

Der Ärzteverband appellierte in Weimar an Regierung und Opposition in Berlin, das vom Bundesgesundheitsministerium geplante Gesetz für eine bessere Gesundheitsvorsorge nicht an Machtkämpfen scheitern zu lassen. "Wir brauchen das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode", verlangte Hartmann. Schwarz-Gelb will die Krankenkassen verpflichten, ihre Ausgaben für Prävention von zuletzt 270 Millionen Euro auf mehr als 400 Millionen zu steigern. Davon soll unter anderem die Gesundheitsvorsorge für Kinder und Jugendliche profitieren - wofür sich die Mediziner seit Jahren stark machen. Die SPD hat bereits massive Kritik an dem Gesetzentwurf geübt.

Kongresspräsident Uwe Büsching verwies darauf, dass jedes zweite bei einer ärztlichen Vorsorgeuntersuchung vorgestellte Kind bis dahin nicht erkannte gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweise. "Bei denen, die nicht kommen, bleiben diese Probleme unentdeckt." Eine große Gefahr sei auch die Medienabhängigkeit vieler Kinder und Jugendlicher. Büsching schätzte die Zahl der bundesweit davon Betroffenen auf 20 000 eines Geburtsjahrgangs.

Bislang nutzt nur etwa ein Drittel der Teenager die Vorsorgeuntersuchungen. Deshalb will der Berufsverband demnächst ein Erinnerungssystem testen, bei dem die 12- bis 15-Jährigen per SMS oder Mail zur Untersuchung J1 eingeladen werden. In Deutschland arbeiten rund 12 000 Kinderärzte, der Kongress in Weimar endet am Sonntag.

apa.at

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