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APA-Artikel 28. Februar 2013

Steirische WK erntete mit Krankenstands-Umfrage Kritik von ÖGB und AK

Der Präsident der steirischen Wirtschaftskammer, Josef Herk, hat mit einer Forderung nach mehr Krankenstandskontrollen Kritik von ÖGB und AK geerntet. Basis der Forderungen war eine Umfrage unter steirischen Unternehmern anlässlich der aktuellen Grippewelle. Dabei wurde erhoben, ob es zu personellen Engpässen wegen Krankenständen kommt und wie darauf reagiert wird. 18 Prozent hatten deutliche personelle Engpässe, 37 Prozent "leichte". Jeweils rund 57 Prozent reagierten auf die Krankenstände mit eigenen Mehrstunden bzw. Mehrstunden von Mitarbeitern, hieß es in der von der "Steirerkrone" am Donnerstag veröffentlichten Umfrage.

Herk leitete aus den Ergebnissen die Forderung nach u.a. mehr Krankenstandskontrollen, Einführung einer verpflichtenden Freizeitunfallversicherung sowie eines Teilkrankenstands ab. Beispiel: Ein Mitarbeiter erleidet beim Skifahren einen Beinbruch. Dieser könnte dann - wenn es keine medizinischen Einwände gibt und es von seiner Tätigkeit her möglich ist - von zu Hause aus zumindest ein paar Stunden am PC arbeiten, so Herk. Zugleich sagt Herk aber auch: "Wer krank ist, ist krank und soll zu Hause bleiben - daran wird nicht gerüttelt".

Seitens des steirischen ÖGB bezeichnete Vorsitzender Horst Schachner die Umfrage als "Jux". Es seien gerade diese Engpässe, die krank machten. "Immer mehr Leistung mit immer weniger Beschäftigten kann auf Sicht nicht funktionieren", so Schachner. AK-Präsident Walter Rotschädl sah eine "Kampagne gegen kranke Arbeitnehmer". Zwei Drittel seien schon krank arbeiten gegangen, "weil die Arbeit sonst liegen bleibt oder die Kollegen über Gebühr belastet würden", zitierte Rotschädl aus einer AK-Umfrage. Den am Höhepunkt der Grippewelle krankgemeldeten Arbeitnehmern "Krankfeiern" zu unterstellen sei "schlechter Stil".

Die Forderungen nach einer verpflichtenden Freizeitunfallversicherung bzw. mehr Krankenstandskontrollen hatte in den vergangenen beiden Jahren vor allem die WK OÖ immer wieder offensiv vorgetragen. Auch das Überführen von "Tachinierern" via Facebook und das öffentlich machen von "Sozialmissbrauch dieser Art" wurde im Frühjahr 2012 überlegt. Anlass war damals der Fall einer Kellnerin, die Ende April 2012 im Krankenstand Party-Bilder von sich gepostet hatte. Mit einem Brief im Februar 2011 an die Ärztekammer Oberösterreich hatte sich die dortige WK allerdings harsche Kritik eingehandelt. In dem Schreiben hatte die WK-Spitze gefordert, dass die Mediziner bei Krankschreibungen einige Punkte stärker als bisher berücksichtigen sollten. Der Obmann der niedergelassenen Ärzte in OÖ, Oskar Schweninger, hatte erklärt, die WK unterstelle den Arbeitnehmern, das System auszunützen. Tatsache sei auch, dass sich viele Patienten oft nicht trauen würden, sich ausreichend auszukurieren, zum Beispiel bei einer Grippe.

Die Umfrage der WK ist vergangene Woche erstellt worden und hatte einen Rücklauf von 504 bei 2.004 Befragten, was einer Quote von 25,1 Prozent entspricht. Überwiegend Vertrauen hatten die befragten Unternehmer übrigens, dass ihre Mitarbeiter wirklich krank seien. Der Frage "Krankenstände werden in meinem Unternehmen missbräuchlich verwendet" stimmten 32 Prozent "gar nicht", 37 Prozent "weniger" zu.

apa.at

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