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APA-Artikel 28. Februar 2013

Brennpunkt Bildgebung: Tablets und mobile Technologien in der Radiologie - Sicherheit geht vor

28. Februar 2013 Während in Fachjournalen und Nutzerkreisen oft diskutiert wird, welches Tablet bzw. welches Betriebssystem denn nun das Beste sei, und sich die Unterschiede dann doch oft in Grenzen halten, scheinen sich Mediziner hier mehr als einig zu sein. Sowohl für Forschung und Weiterbildung als auch allgemeine Kommunikation steht das iPad hoch im Kurs und die Diskussionen drehen sich nicht um Hardware oder Betriebssysteme, sondern um Datensicherheit und die Privatsphäre der PatientInnen.

Mobile Kommunikationstechnologien sind aus dem klinischen Alltag heute nicht mehr wegzudenken, und dadurch bedingt gibt es in Krankenhäusern einen immer größeren Personenkreis, der auf die geteilten Daten zugreifen kann, womit in weiterer Folge auch gewisse Sicherheitsrisiken verbunden sind. RadiologInnen und MedizinerInnen im Allgemeinen müssen sich nicht nur mit allen Möglichkeiten der mobilen Technologien vertraut machen, sondern sich auch die damit verbundenen Risiken für die Sicherheit der PatientInnendaten vor Augen führen.

iPad erste Wahl für MedizinerInnen

"Wenn es um das iPad geht, dann ist es bei RadiologInnen nicht anders als bei anderen Konsumenten, alle wollen es verwenden. Ich zum Beispiel benutze es, um die neuesten wissenschaftlichen Artikel zu lesen und zu speichern, Notizen zu machen und auch während ich Bilder befunde, um währenddessen schnell etwas nachzuschlagen. Es gibt bereits ein großes Angebot an Anwendungen für RadiologInnen am iPad und das Interesse, diese bestmöglich zu nutzen, ist sehr groß", sieht auch Dr. Erik Ranschaert, Radiologe am Jeroen Bosch Ziekenhuis Spital in 's-Hertogenbosch, Niederlande, eine klare Präferenz für das iPad. Mit der zunehmenden Verwendung des iPads für medizinische Zwecke ergeben sich natürlich auch neue Fragen zur Datensicherheit, vor allem beim Verschicken von PatientInnenbildern mittels mobilen Geräten. Auf Grund der Tatsache, dass sich ein multidisziplinärer Ansatz in der modernen Medizin immer mehr durchsetzt, vergrößert sich auch der Personenkreis, welcher Zugriff auch medizinischer Bilder haben muss, ein weiterer Aspekt, der im Sinne der Datensicherheit in Betracht gezogen werden muss.

Vorteile für multidisziplinäre Zusammenarbeit

KardiologInnen, NotfallärztInnen und ChirurgInnen, um nur einige unter vielen SpezialistInnen zu nennen, finden immer mehr Nutzen am iPad, von der Veranschaulichung von Untersuchungsergebnissen für die PatientInnen bis zur Orientierung während eines Eingriffs. Aber auch PatientInnen können Tablets zur Mitnahme und Archivierung ihrer eigenen medizinischen Bilder verwenden. Durch die Digitalisierung der Bilder und dem Aufkommen von mobilen Anwendungen, welche die Möglichkeiten anbieten, eine zweite fachliche Meinung einzuholen oder sich einen Befund erklären zu lassen, tritt auch hier wieder die Frage der Datensicherheit in den Vordergrund. "In vielen Spitälern ist es bereits üblich, dass Mitarbeiter eine generelle Vereinbarung unterzeichnen müssen, bevor sie mobile Technologien oder Tablets für berufliche Zwecke verwenden dürfen. Dies soll vor allem dem Schutz von PatientInnendaten zu Gute kommen. Die Bilder sollten für alle beteiligten Ärzte frei verfügbar sein, da hierdurch Fehler oder Missverständnisse vermieden werden können und die Qualität der Behandlung verbessert werden kann. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sich auch alle Einrichtungen der damit verbundenen Risiken bewusst sind", so Dr. Ranschaert.

Datenschutz muss oberste Priorität haben

Eine Studie, die letztes Jahr von dem auf Datenschutz spezialisierten Poneman Institut in den USA veröffentlicht wurde, belegt, dass 81% der Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen mobile Geräte benutzen, um geschützte PatientInneninformationen zu sammeln, zu speichern oder zu verschicken, aber 49% der Organisationen nichts unternehmen, um diese Daten gesondert zu schützen. Eine der Hauptsorgen ist vor allem, dass bei Verlust eines solchen Gerätes die gespeicherten Daten für den Finder sehr leicht einsehbar wären. Eine der Maßnahmen, um dies zu verhindern, wäre zum Beispiel eine zentrale Verwaltung aller in einem Spital verwendeten Geräte, um diese bei Bedarf per Fernzugriff sperren oder löschen zu können. Weiter verstärkt werden Sicherheitsprobleme durch die Erlaubnis, die eigenen privaten Mobilgeräte zu benutzen, nach dem Motto "bring your own device" (BYOD). Werden hier keine zusätzlichen Vorkehrungen getroffen, werden Daten oft unverschlüsselt über das Krankenhausnetzwerk übertragen, was einen Missbrauch oder Datendiebstahl deutlich erleichtert. BYOD sollte also auch immer mit einem zusätzlichen Investment in IT-Strukturen und Richtlinien zur Gewährleistung von Datensicherheit verbunden sein. "All diese Aspekte müssen beachtet und diskutiert werden, man darf den Blick nicht nur auf die Vorteile richten, welche durch diese neuen Technologien entstehen, sondern muss sich auch der Nachteile und Risiken bewusst sein. Die Einführung und Weiterentwicklung der mobilen Technologie und deren Anwendungen haben einen großen anfänglichen Enthusiasmus mit sich gebracht, der auch völlig berechtigt war, man darf dabei aber auch nicht die andere Seite der Medaille ignorieren", so Prof. Ranschaert abschließend.

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren. Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

apa.at

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