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APA-Artikel 27. Februar 2013

NÖ Impftag: Impfen für Senioren!

Am Samstag, dem 3. März, findet in Korneuburg im Weinviertel der vierte niederösterreichische Impftag statt. Heuer stehen erstmals Impfungen für über 50jährige im Mittelpunkt der Fortbildung. Da sich das Immunsystem altersbedingt verändert, wird gerade für diese Altersgruppe das Thema "Impfungen" besonders relevant. Ab 50 Jahren erhöht sich die Infektanfälligkeit und die infektionsbedingte Morbidität und Mortalität nehmen zu. Mit entsprechenden Impfungen kann dieser Entwicklung entgegengewirkt und ein Schutz vor schweren, lebensbedrohlichen Infektionen gewährleistet werden.

 

Häufig wird Impfschutz als Kinderthema abgetan, doch auch Erwachsene und vor allem Senioren sind vor Infektionskrankheiten nicht gefeit. Schutzimpfungen wirken ursächlich und verhindern Krankheiten präventiv. Die Impfung zählt daher zur wichtigsten und wirksamsten Vorsorgemaßnahme, um die Gesundheit zu bewahren, gerade mit zunehmendem Alter, wenn die körpereigenen Abwehrmechanismen und somit das Immunsystem des Körpers schwächer werden. Aktuelle epidemiologische Entwicklungen, neue wissenschaftliche Daten und speziell für diesen Altersbereich zugelassene Impfstoffe machen diese Altersgruppe zusätzlich als Zielgruppe besonders interessant und haben auch zu entsprechenden Anpassungen der aktuellen Impfempfehlungen im Österreichischen Impfplan 2013 geführt.

Unterschätzte Gefahr Pneumokokken

 

Pneumokokken-Infektionen stellen nicht nur für die älter werdende Bevölkerung eine große, aber häufig unterschätzte Gefahr dar. Auch Kinder zählen zur gefährdeten Zielgruppe. "Im Durchschnitt erkrankt nahezu jeden Tag eine Person in Österreich an einer schweren invasiven Pneumokokken-Infektion. Pneumokokken verursachen bei Säuglingen und Kleinkindern schwere invasive Erkrankungen, wie Sepsis (Blutvergiftung) und Meningitis (Gehirnhautentzündung), aber auch Lungenentzündung und häufig Mittelohrentzündung. Von den österreichischen Kindern, die zwischen 2001 und 2008 eine Pneumokokkenmeningitis entwickelt haben, sind neun Prozent gestorben und 28 Prozent hatten nach sechs Monaten bleibende neurologische Spätschäden", so Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinder- & Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten, und Initiator des NÖ Impftages. "Bei älteren Menschen verursachen Pneumokokkeninfektionen schwerwiegende Atemwegserkrankungen. Die Besiedlung des Nasen-Rachenraumes von Senioren erfolgt vor allem durch direkten Kontakt mit Kindern und durch Kontakt mit Personen mit Kindern. Sie werden dadurch gefährdet, eine Pneumokokkenerkrankung zu entwickeln und erliegen leider auch häufig daran."

 

Der Verlauf von schweren Pneumokokken-Infektionen kann dramatisch und innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich sein. Trotzdem wird die Gefahr einer Pneumokokken-Infektion häufig unterschätzt. Neben Säuglingen und Kleinkindern haben vor allem Erwachsene ab 50 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

 

Pneumokokken können auf der ganzen Welt vorkommen. Sie besiedeln die Schleimhaut des menschlichen Nasen-Rachenraumes und sind sehr widerstandsfähig, weshalb sie lange überleben können. Oft merken die betroffenen Personen nichts davon und erkranken auch nicht. Übertragen wird die Infektion dennoch durch Niesen, Husten, Sprechen und Speichel. Treffen sie auf eine so genannte Risikogruppe, sind sie höchst gefährlich, manchmal sogar tödlich.

 

"Die Impfung gegen schwere Pneumokokkenerkrankungen mit einem Konjugatimpfstoff für Säuglinge und Kleinkinder ist seit dem vergangenen Jahr im österreichischen Impfkonzept als Gratisimpfung enthalten. Seit kurzem gibt es auch für Erwachsene einen modernen Konjugatimpfstoff (PNC13). Für alle Personen ab dem 51. Lebensjahr wird diese Impfung gegen schwere, sogenannte invasive Pneumokokkenerkrankungen empfohlen, die einen Schutz für etwa dreieinhalb Jahre bietet", so Prof. Zwiauer weiter.

 

Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner, Leiterin der Sektion III, Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten im Bundesministerium für Gesundheit, ergänzt: "Schutzimpfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie beispielsweise Masern können bei einer anhaltend hohen Durchimpfungsrate eliminiert werden. Die derzeitige epidemiologische Situation in Österreich erfordert vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten, Masern und Mumps."

 

Kosten-Nutzen-Relation von Schutzimpfungen

 

Ein vollständiger Impfschutz gilt aus gesundheitsökonomischer Sicht als besonders effizient, da Schutzimpfungen neben dem Individual- und Kollektivschutz eine besonders hohe Kosten-Nutzen-Relation aufweisen. Für den Präsidenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, stellt Impfen daher eine der effektivsten und effizientesten Maßnahmen in der Gesundheitsvorsorge dar: "Vor vielen Infektionskrankheiten können wir uns mit Hilfe von Impfungen schützen. Das erspart nicht nur Leid bei den Betroffenen, auch der volkswirtschaftliche Aspekt darf nicht vernachlässigt werden. Doch auch wenn alleine in Österreich die Gesamtkosten der Pneumokokkeninfektionen nach Berechnungen von Prof. Schulenberg von der Universität Hannover bei etwa acht Millionen Euro jährlich liegen, darf die Wirtschaftlichkeit in der Medizin niemals die entscheidende Frage sein. Wenn es um die Vermeidung von schweren Behinderungen bis hin zu Todesfällen geht, muss die Ethik im Vordergrund stehen."

 

Niederösterreich geht mit gutem Beispiel voran

 

In kaum einem anderen Bundesland funktioniert die Impfstoffverteilung für die Gratisimpfungen so unkompliziert wie in Niederösterreich. "Dieser einfache Zugang ist eine große Erleichterung für die Bevölkerung in Niederösterreich. Öffentliche Apotheken und Hausapotheken haben die Impfstoffe lagernd. Damit können sie wohnortnah und problemlos bezogen werden", hebt der Vizepräsident und Kurienobmann der NÖ Ärztekammer, Dr. Dietmar Baumgartner, hervor. Aber nicht nur die Bevölkerung hat Vorteile von diesem System, auch die impfenden Ärztinnen und Ärzte profitieren vom Standort Niederösterreich: "Dank einer guten Vereinbarung mit der NÖ Sanitätsdirektion erhalten die Ärzte ein faires Honorar für ihre Impftätigkeit." Als dritten positiven Aspekt hebt Dr. Baumgartner die sehr gut funktionierende Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft in die Schulimpfaktion hervor: "Auch hier sind wir führend im österreichweiten Vergleich." Einziger Wermutstropfen ist die Durchimpfungsrate. Bei der Masern-Röteln-Mumps Impfung liegt Niederösterreich im hinteren Drittel. "Doch die Voraussetzungen sind gut, dass wir diesen Rückstand in den nächsten Jahren aufholen können", meint Dr. Baumgartner optimistisch.

 

Durchimpfungsraten in Niederösterreich verbesserungswürdig

 

Die Gründe für die niedrige Durchimpfungsrate liegen für den Präsidenten der Apothekerkammer NÖ, Mag. pharm. Heinz Haberfeld, in der Verunsicherung der Bevölkerung, den Informationslücken und den Vorurteilen gegenüber Schutzimpfungen: "Wir Apotheker sehen es daher als unsere Aufgabe, das Impfbewusstsein der Bevölkerung zu stärken. Aus diesem Grund rufen wir auch gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Industrie und den Sozialversicherungen Jahr für Jahr zahlreiche Impfaktionen ins Leben - wie z.B. die Pneumokokken-Impfaktion für Senioren oder die Influenza-Impfaktion. Die fundierte und seriöse Information und Beratung an der Tara tragen ebenso zur Schaffung des Impfbewusstseins unserer Patienten bei." Beratung in der Apotheke nimmt speziell für Senioren einen wesentlichen Stellenwert ein. Sie nehmen laufend Beratungsleistungen in der Apotheke in Anspruch, sodass sie für viele Senioren eine wichtige "soziale" Anlaufstelle geworden ist. "Viele Senioren müssen mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen - eine Beratung über die richtige Einnahme und Wechselwirkungen ist daher im Alter von großer Bedeutung", so Präsident Mag. Haberfeld aus seiner Erfahrung.

 

Erweiterte Impfempfehlungen für das Gesundheitspersonal

 

Auch beim Gesundheitspersonal sind die Durchimpfungsraten verbesserungswürdig. Doch geht das Problem bei dieser Zielgruppe über persönliche Interessen hinaus, da hier vor allem auch der Schutz der betreuten PatientInnen zu bedenken ist. "Grundsätzlich gelten für das Gesundheitspersonal die gleichen Basis-Impfempfehlungen wie für alle anderen Erwachsenen", meint Dr. Irmgard Lechner, Sanitätsdirektorin des Landes Niederösterreich. "Diese umfassen zunächst den routinemäßigen Schutz vor Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen. Zusätzlich gibt es aber gerade für diese Zielgruppe eine Erweiterung der Empfehlungen, nämlich der Schutz vor Hepatitis A und B sowie die jährliche Influenzaimpfung. Ein zusätzlicher Schutz vor Meningokokken wird außerdem an Versorgungseinrichtungen für Pädiatrie und Infektionskrankheiten und für das Laborpersonal empfohlen."

 

Ist der Impfstatus bekannt und ergibt die Evaluierung, dass durch eine Impfung ein Schutz der Beschäftigten erreicht werden kann und die Impfrisiken minimal sind, sind die ArbeitgeberInnen verpflichtet, diese Impfungen anzubieten und die Kosten dafür zu tragen. "Dies ist eine wichtige Regelung, doch sind dennoch weitere Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten zu ergreifen, weil die Impfungen vom Personal nicht angenommen werden müssen und es auch "Impfversagen" gibt. Dabei kommt es zu keiner entsprechenden Antikörperbildung und die geimpfte Person verfügt weiterhin über keinen verstärkten Infektionsschutz", ergänzt Dr. Lechner.

 

Ebenso gefährlich wie unterschätzt: Die Influenza

 

Es ist Winter und damit hat die saisonale Influenza, allgemein als Grippe bekannt, ebenfalls wieder Saison. Sie ist eine hochfieberhafte Viruserkrankung und wird durch Influenzaviren ausgelöst. Als Tröpfcheninfektion erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch durch Einatmen des Virus oder durch Berühren von Mund, Nase oder Augen mit verunreinigten Händen. Infektionen mit dem Influenzavirus führen nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis einigen Tagen bei nicht Immunen oft zu schweren Erkrankungen. Meist beginnt sie mit einem plötzlich auftretenden starken Krankheitsgefühl, hohem Fieber, schmerzhaftem Husten, Muskel-, Glieder-, Hals- und bohrenden Kopfschmerzen. Immer wieder sind auch Verläufe zu beobachten, die von starkem Schnupfen oder Durchfall, Übelkeit und Erbrechen geprägt sind. Und es kann zu Komplikationen wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder Herzmuskelentzündungen kommen. Immer wieder sterben auch Personen an der saisonalen Influenza und ihren Spätfolgen.

 

Rund 1.000 Grippetote pro Jahr

 

Fast jedes Jahr kommt es in den Herbst- und Wintermonaten, typischerweise zwischen Dezember und März, zu einer Influenza-Epidemie, bei der sich 5-15 Prozent der Bevölkerung infizieren und viele davon erkranken. Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen ab 65 Jahren sind besonders gefährdet: Mehr als 60 Prozent aller Krankenhausaufenthalte aufgrund von Influenza und rund 90 Prozent der Todesfälle fallen in diese Altersgruppen. Auch Schwangere fallen in die Zielgruppe von Personen mit erhöhtem Risiko. "Hinsichtlich Influenza, welche durch die fast jedes Jahr auch in Österreich auftretende Epidemie bis zu 1.000 Todesfälle verursacht, ist es ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsrate deutlich zu erhöhen", meint Dr. Rendi-Wagner und betont den Schutz vor dieser schweren Erkrankung durch die Impfung.

 

Wesentliche Neuerungen und Änderungen im Impfplan 2013

 

- Ausweitung der kostenfreien Masern-Mumps-Röteln Impfung bis zumAlter von 45 Jahren- die Präzisierung der Empfehlungen für die Pneumokokkenimpfung vonKindern, Erwachsenen und Personen mit erhöhtem Risiko- Kostenfrei für alle Kinder bis zum vollendetem zweitenLebensjahr- Kostenfrei für Risikokinder bis zum vollendetem fünftenLebensjahr- die Weiterführung der Polioimpfung im Erwachsenenalter alle zehnJahre (beziehungsweise alle fünf Jahre ab 60 Jahren)- Angaben zur Influenzaimpfung wurden präzisiert und erweitert; neu:Empfehlung für alle- Bei anlassbezogenen Tetanusimpfungen und AuffrischungsimpfungendT-PEA-IPV empfohlen- Pertussisimpfung für nicht-immune Schwangere (cocooning) ab der27.SSW empfohlen

 

Der Impfplan wird jährlich in enger Zusammenarbeit mit den ExpertInnen des Nationalen Impfgremiums nach letztem Stand des Wissens überarbeitet und aktualisiert. Der aktuelle Impfplan 2013 steht über www.bmg.gv.at online zur Verfügung.

 

Derzeit und in nächster Zeit laufen folgende Impfaktionen in österreichischen Apotheken:

 

- Meningokokken A-, C-, W135-, Y-Konjugatimpfstoff (01.01. bis30.06.2013)- FSME (01.03. bis 31.07.2013)- Hepatitis (01.04. bis 31.05.2013)- Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Polio) (01.05. bis 30.06.2013)

apa.at

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