zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 19. Februar 2013

Plattform "Therapie statt Sucht" für mehr Kontrolle und Therapie auf Rezept

Die unabhängige und überparteiliche Plattform "Therapie statt Sucht", ein Zusammenschluss von Betroffenen und Experten zum Thema "Drogensucht und Substitutionstherapie", hat sich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigt und versucht, Lösungsansätze ohne ideologische Scheuklappen für die DrogenpatientInnen zu finden. Sie wurde initiiert von Dip. Päd. Bettina Huber, deren Sohn Opfer seiner Sucht wurde, Rechtsanwalt Dr. Georg Zanger, bekannt für sein soziales Engagement, Mag. Beate Handler, Buchautorin, Psychologin und Psychotherapeutin und Dr. Andrea Kdolsky, Medizinerin und Expertin des österreichischen Gesundheitswesens. Die Hauptforderungen der Plattform sind ganzheitliche Therapien auf Rezept, Verhinderung des Missbrauchs von Substitutionsmitteln sowie kompetente Beratung der Angehörigen.

"In den letzten Tagen hat sich die österreichische Politik endlich begonnen, mit dem Thema Therapie für Drogenkranke zu beschäftigen - allerdings mehr von Emotionen und Ideologien als von Sachargumenten geprägt. Die wahren Betroffenen werden in diese Diskussion nicht mit einbezogen und sind somit die großen Verlierer", unterstreicht Kdolsky.

"Die PatientInnen brauchen besondere Hilfe. Das Substitutionsprogramm ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, damit Kranke aus ihrer Sucht und der Beschaffungskriminalität heraus finden", so Kdolsky weiter, "aber jedes Programm muss weiterentwickelt werden. Deshalb ist es so wichtig, auch die psychischen Aspekte zu berücksichtigen, denn Sucht ist in erster Linie ein psychisches und kein körperliches Problem. Die Bekämpfung der körperlichen Entzugserscheinungen repräsentiert lediglich den Beginn des Kampfes. Es geht weder um die Abschaffung der Substitutionsmittel noch um deren Ausweitung, sondern um wirksame Behandlungen und wirksame Bekämpfung des Missbrauchs."

Ganzheitliche Therapie auf Rezept - Kontrolle der Substitutionsmittel

Die Plattform zeigt sich überzeugt, dass Suchtbehandlungen nur dann erfolgreich sind, wenn sich die PatientInnen selbst befreien können. "Wir fordern daher die Möglichkeit einer ganzheitlichen Therapie auf Rezept für SubstitutionspatientInnen als Grundvoraussetzung für eine flächendeckende, effiziente und gerechte Behandlung der DrogenpatientInnen in ganz Österreich", betont Kdolsky. Nur ein solcher ganzheitlicher Ansatz, also die enge Verzahnung von Substitutionsbehandlung und psychotherapeutischen Angeboten wie Gesprächs- oder Beschäftigungstherapie, sei letztlich erfolgversprechend.

Eine weitere Forderung der Plattform zielt auf die Kontrolle der Substitutionsmittel hinsichtlich ihrer missbräuchlichen Verwendbarkeit ab. "Solche Medikamente dürfen ausnahmslos nur noch unter Aufsicht eingenommen werden. Die PatientInnen brauchen hier - vor allem zu Beginn der Behandlung - Schutz vor sich selbst." Und damit diese Maßnahmen greifen, müssen Angehörige und Freunde der PatientInnen entsprechend beraten und unterstützt werden. Daher die dritte Forderung der Plattform: stärkere finanzielle Unterstützung der vielen oft ehrenamtlichen Beratungs-Initiativen sowie Hilfe zur Integration.

Als erster Schritt ist die Plattform "Therapie statt Sucht" mit einer Website an die Öffentlichkeit gegangen und will in weiterer Folge Bevölkerung und Politik zu diesem komplexen Thema informieren und für ihre Forderungen sensibilisieren. "Wir wollen uns von der Schwarzweißmalerei der derzeitigen politischen Diskussion abheben, Lösungswege aufzeigen, und wir hoffen auf Unterstützung durch möglichst viele Menschen in Österreich." Auf www.therapiestattsucht.at kann man sich informieren sowie seine Unterstützung der Forderungen online einbringen.

"Es ist wichtig, dass wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung für jene bewusst sind, denen es nicht so gut geht und die wenig Chancen vorfinden - und es ist wichtig zu handeln", betont Kdolsky abschließend. "Drogentherapie darf nicht zum ideologischen Spielball verkommen, sondern muss auf wissenschaftlicher Basis die bestmögliche medizinisch-psychosoziale Behandlung gewährleisten. Dann werden wir steigende Erfolgsraten und weniger Drogentote in Österreich verzeichnen."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben