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APA-Artikel 18. Februar 2013

Drogensubstitution - Wiener Pionier: "Versachlichung hilft ..."

1987 begann der Wiener Arzt Alexander David damit, die ersten Opiatabhängigen mit dem Substitutionsmittel Methadon zu behandeln. Sein Fazit gegenüber der APA zu der aktuellen Diskussion, die speziell durch Wortmeldungen von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) ausgelöst worden ist: "Solche Diskussionen sind nicht neu. (...) Versachlichung hilft den Patienten, Verpolitisierung ist schlecht für die Betroffenen." Man könne hier ganz leicht Ängste hervorrufen.

David, seit Jahren Drogenbeauftragter der Gemeinde Wien, war von Anfang an in der Substitutionstherapie engagiert: "1987 hat es den ersten Erlass des Gesundheitsministeriums gegeben. Das erfolgte nach den Erfahrungen, die der Psychiater Otto Presslich als Leiter der Drogenambulanz an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien und ich in einem Probeversuch gemacht hatten. Presslich und ich verschrieben je 20 Patienten erstmals Methadon."

Presslich, Psychiater von der Universitätsklinik - sozial höchst engagiert, ein Mitbegründer der Österreichischen Aids-Hilfe - stand dabei unter dem Schutz der Universität Wien, weil er das als Forschungsprojekt deklarierte. Davids parallele Aktivitäten, er ist Allgemeinmediziner, wurden von den Wiener Gesundheitsbehörden stillschweigend toleriert. Man wartete dringend auf die Ergebnisse.

Ein Grund: In Tirol waren bereits Gerichtsverfahren gegen zwei Ärzte gestartet worden, die Opiatabhängige per Substitution behandelt hatten. Das zweite Faktum, so David: "HIV und Aids als Tragödie hat damals die Entwicklung beschleunigt. HIV hat der Gesetzgebung damals ordentlich Beine gemacht." Es ging darum, durch die Substitutionstherapie möglichst viele Opiatabhängige vom Injizieren von Heroin wegzubringen. Infektiöses Spritzenbesteck ist ein Hauptübertragungsweg für HIV, Hepatitis B und Hepatitis C.

Der Wiener Drogenbeauftragte: "Innerhalb sehr kurzer Zeit waren damals die Drogenkranken zu der größten Gruppe unter den HIV-Infizierten geworden." Österreich habe damals durchaus eine Vorreiterrolle in Europa gespielt: "Deutschland war da zum Beispiel extrem restriktiv. Österreich war innovativ." Auch die Schweiz hätte erst nach bitteren Erfahrungen einen ähnlichen Weg beschritten.

Für David kommt es vor allem auf Bildung eines ausreichenden Behandlungsnetzes an: "Wir haben die Substitutionstherapie zum Hausarzt hin gebracht. Es ist voll gelungen, die Behandlung in die Medizin der Bevölkerung zu integrieren. Wir brauchen die Hausärzte, wir brauchen auch unbedingt die Psychiater und wir brauchen die spezialisierten Zentren."

Diskussionen zu dem Thema werde es wohl immer wieder geben, so der Experte. Traditionell würden immer wieder eher restriktiv und ordnungspolitisch denkende Exponenten und Verantwortungsträger, welche die Behandlung der Patienten an die oberste Stelle rückten, kontroversielle Meinungen äußern.

apa.at

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