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APA-Artikel 18. Februar 2013

Drogen - Polizei für Haartests und andere Medikamente

Für Haartests und andere Medikamente bei der Drogen-Substitutionstherapie haben sich der Direktor des Bundeskriminalamts (BK), Franz Lang, und Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl ausgesprochen. Anlass war ein Hintergrundgespräch Freitagmittag, zu dem das Innenministerium nach der heftigen Kritik an den Plänen von Ressortchefin Johanna Mikl-Leitner (V) geladen hatte und das den offiziellen Titel "Anti-Drogenstrategie des Innenministeriums" trug.

Wie am Vortag seine Chefin betonte auch Lang, dass das Innenministerium und die Polizei keineswegs an der Substitutionstherapie als solcher rütteln wollten. Aber: "Die Verschreibungs- und Verabreichungsform ist aus unserer Sicht zu hinterfragen", sagte der BK-Direktor.

Konkret geht es dem Beamten um retardiertes Morphin (in Österreich in zumindest zwei Medikamenten auf Suchtgiftrezept verschreibbar, eines davon ist "Substitol"). Außer in Österreich sei dieses nur mehr in zwei anderen europäischen Staaten in Verwendung. Das Problem dabei: Retardiertes Morphin ist laut Polizei am Schwarzmarkt sehr begehrt und bringt viel ein, weil es in beim Injizieren einen ähnlichen "Flash" wie Heroin auslösen soll.

So würden etwa Rationen für Wochen verschrieben, aber bereits in der Nähe der Apotheken "vercheckt". Oder eine Tagesration werde in der Apotheke in den Mund genommen, aber nicht geschluckt, getrocknet und in weiterer Folge verkauft. Oft werde dann das retardierte Morphin auch aufgekocht und gespritzt, was sehr gefährlich sei, weil die Tabletten mit Wachs überzogen sind. Lang plädierte, ähnlich wie Frankreich und Deutschland, mehr auf andere Substanzen wie Methadon und Buprenorphin zu setzen.

In Österreich gibt es dazu eindeutige Regelungen des Gesundheitsministeriums in Verordnungsform: An sich darf dem Patienten höchstens eine Sieben-Tages-Dosis des Substitutionsmittels mitgegeben werden. Und dies nur dann, wenn es für den verschreibenden Arzt keinen Hinweis auf missbräuchliche Verwendung gibt. Berufstätigkeit, AMS-Schulungen oder andere wichtige Gründe können dafür ausschlaggebend sein.

Für die Versorgung im Urlaub ist - über ein ganzes Jahr gesehen - die Mitgabe des Substitutionsmittels für höchstens 35 Tage erlaubt. Einer der Gründe dafür: Durch die in den vergangenen 25 Jahren in Österreich gerade durch die Etablierung der Substitutionstherapie, Spritzen-Tauschprogramme, soziale Hilfe etc. leben die Betroffenen viel länger, können zu einem Teil einer geregelten Berufstätigkeit nachgehen und gehen schließlich auch in Pension mit allfälligen Langzeiturlauben.

Drogen-Harntests sind laut Lang und Pürstl nicht mehr "State of the Art". Kokain und Heroin seien etwa nur 48 Stunden sicher nachweisbar. Bei diesen Untersuchungen sei kein klares Bild zu bekommen, ob jemand wirklich clean, am Beginn des Drogenkonsums oder mitten in einer Suchtgiftkarriere stehe. Darüber hinaus wisse man oft nicht, wessen Harn man wirklich untersuche. Bei Haartests benötige man vier bis acht Haare, um Aufschluss über den Drogen-Werdegang eines Jahres zu erhalten.

Ein Pilotprojekt mit Haartests auf freiwilliger Basis läuft derzeit in Wien im Hinblick auf das Führerscheingesetz: Laut Pürstl bietet man Personen, denen der Führerschein wegen Verdachts auf Suchtmittelmissbrauch abgenommen wurde, die Haartests als Alternative zu den Harntests an, mit denen der Betroffene beweisen kann, dass er durchaus nicht abhängig ist und es verdient, seine Lenkberechtigung wiederzubekommen. Anstatt der wiederholt durchzuführenden Harntests geben diese Personen einmal ein paar Haare ab.

Lang räumte ein, dass Haartests derzeit relativ teuer sind und umso teurer werden, je mehr man wissen wolle. Er zeigte sich aber überzeugt, dass der Preis sinken werde, sobald die Tests in größerer Zahl durchgeführt würden.

apa.at

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