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APA-Artikel 14. Februar 2013

Drogensubstitution - Stöger: Suchtkranke gehören nicht zur Polizei

"Suchtkranke gehören zum Arzt, nicht zur Polizei." Mit diesen Worten erteilte Gesundheitsminister Alois Stöger (S) am Donnerstag dem Vorstoß von ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner zur Drogensubstitutionstherapie eine Absage. "Die Substitutionstherapie ist ein Jahrzehnte langer parteiübergreifender Konsens. Sowohl gesundheitspolitisch Verantwortliche als auch die Fachwelt befürworten ein Weiterführen des Wegs", sagte der Minister zur APA.

Der Vorschlag Mikl-Leitners lege die Vermutung nahe, dass hier Politik "auf dem Rücken von Suchtkranken" gemacht werden solle; das sei "nicht akzeptabel", so Stöger. Im "Ö1"-Mittagsjournal hatte die Innenministerin erklärt, Stöger hätte jahrelang Gelegenheit gehabt, eine Anti-Drogenstrategie auszuarbeiten. Der Vorwurf eines Versäumnisses in der Drogenpolitik sei nicht nachvollziehbar, meinte dieser. "Im Gegenteil, es gibt im Ministerium eine Bundesdrogenkoordinatorin und ein Bundesdrogenforum, in dem die Experten regelmäßig tagen und sich umfassend mit den Themen auseinandersetzen."

Stöger verwies als Beispiel auf die Substitutionsverordnung und die Benzodiazepinverordnung, bei der das Forum ein wesentliches Gremium für die Entscheidungsfindung gewesen sei. "Wenn das Innenministerium da immer aktiv beteiligt gewesen wäre, wüsste die Innenministerin, dass es da eine ständige Auseinandersetzung gibt."

Mikl-Leitner betonte im Mittagsjournal, es gehe nicht um die Abschaffung der Substitutionstherapie. Man solle aber darüber diskutieren, ob nicht mehr Begleitung und Therapie und weniger Substitution zielführend wäre. Ein Beispiel sei Vorarlberg, wo Substitutionsmedikamente zu einem weit geringeren Prozentsatz eingesetzt würden als in anderen Regionen Österreichs.

Ein Sprecher Mikl-Leitners verwies darauf, dass es auch andere Möglichkeiten der Substitution gebe als die Verabreichung retardierter Morphine. In Wien sei etwa das größte Problem die Massenabgabe, die in vielen Fälle nicht mit der kontrollierten Einnahme einhergehe. Dieses Problem sollten die Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt einmal angehen.

apa.at

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