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APA-Artikel 13. Februar 2013

"Bio-Affäre" an Salzburgs Landeskliniken nur eine "Retourkutsche"?

In der am Dienstagabend bekannt gewordenen angeblichen Affäre um Biolebensmittel in der Küche der Salzburger Landeskliniken (SALK) bezweifelt der Betriebsrat die Angaben der Geschäftsführung, wonach der Anteil an Bio-Produkten nicht wie behauptet 30 Prozent, sondern nur 1,65 Prozent betragen soll. Betriebsrats-Chefin Christine Vierhauser sprach am Mittwoch gegenüber der APA von "massivstem Mobbing" und einer "Retourkutsche wegen der Gutscheinaffäre".

Denn ausgerechnet der Küchenchef habe vor einem Monat mitaufgedeckt, dass die Klinikführung Mehrleistungen in Form von Gutscheinen abgegolten haben soll. Ein Fall ist laut Vierhauser nachweisbar, sie wisse aber von weiteren Fällen, für die sie zurzeit allerdings keine Beweise auf den Tisch legen könne. Die SALK-Geschäftsführung hatte eine interne Prüfung in Auftrag gegeben. Dabei zeigte sich, dass 2005 eine pensionierte Mitarbeiterin Gutscheine im Wert von 3.000 Euro für ihre Mitarbeit an einem Projekt erhalten hat, weil sie als Pensionistin nicht anders bezahlt werden konnte. Dies sei aber der einzige Fall gewesen.

Am 17. Jänner entdeckte laut Vierhauser der Küchenchef einen Tresor, in dem sich zwei Kuverts mit Gutscheinen, Belegen und Abrechnungen befanden. Auf Anraten der Betriebsratschefin wurde der Safe aber nicht seiner Vorgesetzten übergeben, sondern dem Finanzchef der SALK. "Eine Woche später ist der Küchenchef wegen Umgehung des Dienstweges verwarnt worden." Die Vorgesetzte selbst habe dann eine Revision in der Küche durchgeführt, nach einer Woche sei der Mitarbeiter suspendiert worden. "Und von seiner Kündigung hat er jetzt über die Medien erfahren", so Vierhauser.

Die Betriebsrätin wies darauf hin, dass gar nicht der Küchenchef für die Einkäufe zuständig sei, sondern der Einkäufer. Und der habe sich auf die Angaben der Lieferanten verlassen. "Der Einkäufer müsste den Auftrag erteilen, dass die Lieferanten Bio-Zertifikate vorlegen müssen." Der Einkäufer habe jedenfalls dem Küchenchef eine Liste der Lieferanten vorgelegt.

Zweifel äußert Vierhauser aber auch daran, dass der Anteil der verarbeiteten Lebensmittel nur 1,65 Prozent betragen soll: "Wenn nur beim Joghurt Bio-Produkte verwendet werden, kommt man wohl schon auf diesen Wert." Die Klinik-Geschäftsführung habe aber großen Wert auf viele regionale Lieferanten gesetzt. So würden viele Walser Bio-Bauern ihre Gemüse an die SALK verkaufen. Bio-Lamm- und -Rindfleisch sowie Wild werde bei Tauernlamm im Pinzgau eingekauft.

Der für das Personal des Landes zuständige Landesrat Sepp Eisl (V) betonte auf Anfrage der APA, dass die Kündigung des Küchenchefs so nicht zur Kenntnis genommen werden könne. Bereits am vergangenen Dienstag hat Eisl die Geschäftsführung der SALK per Weisung beauftragt, die Angelegenheit des bereits suspendierten Küchenchefs objektiv und detailliert zu prüfen. "Und zwar bevor weitere Schritte wie etwa eine Kündigung ausgesprochen werden. Diese Weisung ist explizit ignoriert worden", erläuterte Eisls Bürochef. Der Landesrat will jetzt seine Regierungskollegen Georg Maltschnigg (Finanzen), Walter Steidl (Gesundheit) und Gabi Burgstaller als Amtsvorstand (alle S) informieren und in der Regierungssitzung am kommenden Montag eine gemeinsame Vorgehensweise gegenüber den SALK und ihren Mitarbeitern beschließen.

apa.at

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