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APA-Artikel 12. Februar 2013

Krebs: Ärztekammer - Zu wenig Strahlentherapiegeräte in Österreich

Wer in Österreich an Krebs leidet, kann sich nicht in jedem Fall auf eine zeitgerechte, dem westeuropäischen Standard entsprechende strahlentherapeutische Versorgung verlassen. Diesen Schluss zieht die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) laut einer Aussendung vom Dienstag aus einer vor Kurzem im renommierten Fachjournal "Lancet Oncology" veröffentlichten Studie. An ihr hatten auch österreichische Experten mitgearbeitet. Dabei war im europäischen Vergleich ein Mangel an Behandlungskapazitäten von rund 20 Prozent herausgekommen.

Bestrahlungen gelten neben chirurgischen Eingriffen als zweitwichtigste, heilende Methode in der modernen Krebstherapie. Mit Verweis auf die geplanten Einsparungen im Zuge der Gesundheitsreform erklärte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger in der Aussendung: "Österreich ist derzeit im Begriff, die teuer und aufwendig erzielten Erfolge der Krebsfrüherkennung wieder zu verspielen, weil viele Patienten aufgrund mangelnder Infrastruktur zu lange auf eine Bestrahlung warten müssen."

Derzeit gibt es österreichweit 43 sogenannte Hochvoltgeräte zur strahlentherapeutischen (radioonkologischen) Behandlung. Die nun veröffentlichte europaweite Studie bescheinige Österreich einen Bedarf an mindestens 54 Geräten, berücksichtige aber noch nicht den aktuellen Stand der Technik, betonte dazu der Obmann der Bundesfachgruppe Strahlentherapie in der Österreichischen Ärztekammer, Robert Hawliczek: "Für eine Versorgung krebskranker Österreicher auf westeuropäischem Standard fehlen uns jetzt bereits 19 Hochvoltgeräte."

Obwohl 80 Prozent der radioonkologischen Behandlungen ambulant erfolgen, seien sie in Österreich nur im Spital verfügbar. Im Gegensatz zur ambulanten Chemotherapie sei ambulante Bestrahlung aber nicht verrechenbar. "Die Gerätekosten einer Strahlentherapie sind mit 500 Euro pro Patient verschwindend gering, gleichzeitig sind die Heilungschancen sehr hoch. Strahlentherapie ist daher auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Den Spitalserhaltern kommt sie allerdings teuer, daher haben sie aus betriebswirtschaftlichen Gründen kein Interesse daran, die Hochvoltgeräte und Infrastruktur auszubauen", so Hawliczek. Die Folge seien wochenlange Wartezeiten, was für Krebskranke unter Umständen lebensgefährlich sein könne.

"Das Beispiel Radioonkologie zeigt, welche Folgen es für Patienten haben kann, wenn die Gesundheitspolitik Entscheidungen trifft, ohne auf die fachärztliche Expertise zu hören", wurde Wechselberger zitiert. Beide Standesvertreter orten das Hauptproblem in den Eigeninteressen der Länder. Hawliczek: "Wir brauchen dringend einen bundesweiten wissenschaftlich untermauerten Versorgungsplan mit verbindlichen Qualitätskriterien, aber die Länder bekämpfen und unterlaufen die ohnehin schon minimalistischen Bundesvorgaben."

Mit größter Mühe habe man beispielsweise in Wien verhindern können, dass Hochvoltgeräte abgebaut würden. Trotz des belegbaren Bedarfes streiche die Stadt nun alle Betten für Patienten, die eine riskante Therapie brauchen oder bei denen die radioonkologische Behandlung aus medizinischen Gründen nicht ambulant erfolgen kann. Ausgenommen worden sei nur das AKH. Verschärft werde die Situation in Wien dadurch, dass Niederösterreich nur vier Hochvoltgeräte hätte. Daher müssten manche Wiener Spitäler bis zu 40 Prozent niederösterreichischer Patienten mitbetreuen. Eine gute Regelung gebe es in Wiener Neustadt, wo das Burgenland ein Gerät finanziere. Die Universitätsklinik Innsbruck betreue kleinere Einheiten in Südtirol in Italien mit.

apa.at

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