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APA-Artikel 11. Februar 2013

Politik macht Druck für Linzer Medizin-Fakultät, Experten abwartend

Der politische Druck für eine medizinische Fakultät an der Medizin-Uni Linz nimmt zu. Nach Gesundheitsminister Alois Stöger (S), Finanzministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide V) - alle drei Oberösterreicher - hat sich zuletzt auch Bundeskanzler Werner Faymann (S) dafür stark gemacht. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) zeigt sich indes weiterhin zurückhaltend, Experten mahnen zu Zurückhaltung und stellen die geforderte Fakultät als Lösung für den von Oberösterreich beklagten Ärztemangel in Frage.

So sieht der Wissenschaftsratsvorsitzende Jürgen Mittelstraß laut "Standard" (Montagausgabe) "derzeit keinen Bedarf für universitäre Neugründungen, auch nicht im medizinischen Bereich". Die Universitätenkonferenz (uniko) sieht vor allem die Finanzierbarkeit beim derzeitigen Budget nicht gegeben: "Für eine neue Medizin-Fakultät müsste es massive zusätzliche Mittel vom Bund geben". In der Wiener Ärztekammer bezweifelt man unterdessen, dass eine eigene Ausbildung auch tatsächlich mehr Ärzte für Oberösterreich brächte und plädiert für bessere Arbeitsbedingungen, um junge Ärzte in Österreich halten zu können.

Morgen, Dienstag, geht das politische Ringen um eine eigene Medizinerausbildung in Linz dessen ungeachtet weiter: Dann treffen erneut Vertreter des Landes Oberösterreich mit Beamten des Wissenschaftsministeriums zusammen. Tags darauf wird die geforderte Medizin-Fakultät Thema bei der Hochschulkonferenz, um eine mögliche Linzer Medizin-Fakultät mit dem Hochschulplan abzustimmen.

Töchterle betonte allerdings am Montag gegenüber der APA, dass vor einer möglichen Umsetzung verschiedene Faktoren abzuwägen seien: "Bevor es zu einer definitiven Entscheidung kommt, brauchen wir Klarheit, was den Bedarf und die Finanzierung betrifft, woran wir derzeit arbeiten." Der von Oberösterreich beklagte Ärztemangel sei zudem auch von Komponenten wie der Attraktivierung des Ärzteberufs gerade in ländlichen Regionen abhängig.

Weiterer wichtiger Faktor: Das zuletzt bis 2016 verlängerte Moratorium der EU zur Mediziner-Quote. Derzeit sind in Österreich 75 Prozent der Medizin-Studienplätze für Österreicher reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger und fünf Prozent für Nicht-EU-Bürger. Daher würde die Einrichtung einer weiteren Ärzteausbildungsstätte - genauso wie die Ausweitung von Studienplätzen an bestehenden Standorten - "im Kontext der Verlängerung der Medizinerquote zu bedenken sein". Die Quote wurde von der EU deswegen vorläufig gewährt, um einen drohenden Ärztemangel in Österreich aufgrund der Rückkehr deutscher Medizin-Absolventen in ihre Heimat zu verhindern - mehr Medizin-Studienplätze würden dieses Argument allerdings konterkarieren.

Oberösterreich kämpft bereits seit 2006 für eine eigene Medizin-Universität in Linz, seit Herbst 2011 wird für das Modell einer Medizin-Fakultät geworben. Richard Hagelauer, Rektor der Uni Linz, hat sich zuletzt in den "Oberösterreichischen Nachrichten" für einen Start bereits mit Wintersemester 2014/15 stark gemacht, rund 200 Anfänger soll es pro Jahr geben.

apa.at

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