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APA-Artikel 8. Februar 2013

Herzinfarktversorgung am Wiener AKH so gut wie in klinischen Studien

Erfolg in der Betreuung von Wiener Patienten mit einem akuten Herzinfarkt: In der Routineversorgung dieser Erkrankten werden von den Spezialisten der Universitätsklinik für Notfallmedizin und der KIinischen Abteilung für Kardiologie (Universitätsklinik für Innere Medizin II) der MedUni Wien am AKH Ergebnisse erzielt, wie sie sonst üblicherweise in wissenschaftlichen Studien mit der Auswahl speziell geeigneter Patienten erreicht werden. Das geht aus der Auswertung der Daten der im Jahr 2011 insgesamt 615 an der Klinik akut betreuten Myokardinfarkt-Betroffenen hervor.

"Ich glaube, dass wir in Wien, national und im mitteleuropäischen Bereich ganz gut aufgestellt sind. Wir brauchen keinen Vergleich zu scheuen", erklärte Wolfgang Schreiber von der Universitätsklinik für Notfallmedizin gegenüber der APA. Raphael van Tulder, Schreiber und Co-Autoren haben die Analyse der Daten aus dem Jahr 2011 soeben im Journal für Kardiologie publiziert.

Der Hintergrund: In Europa sterben derzeit noch jeder sechste Mann und jede siebente Frau an einem Herzinfarkt. Pro Jahr werden in Europa und den USA jährlich 60 bis 70 von 100.000 Menschen wegen der gefährlichsten Form (STEMI; ST-Hebungsinfarkt gemäß charakteristischen EKG-Veränderungen) in ein Krankenhaus mit einer durch ein Gerinnsel blockierten Koronararterie aufgenommen. Es gilt die Devise "Time is Muscle" ("Zeit ist Herzmuskel", Übers.). Bleibt der im Infarktfall aufgetretene Thrombus in den Herzkranzgefäßen über einige Stunden hinweg erhalten, stirbt immer mehr Muskelgewebe ab. Daher muss die Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung möglichst schnell erfolgen. Das geschieht heute am besten durch eine Katheterbehandlung mit Aufdehnung der betroffenen Koronararterie und deren Offenhalten durch Implantierung eines Stents (perkutane Koronarintervention; PCI).

In Wien wurde vor einigen Jahren zur Sicherung der optimalen Versorgung ein Netzwerk aufgebaut. Im Falle eines Alarms wird ein Patient möglichst schnell von der Berufsrettung mit Notarzt in das Wiener AKH, das Hanuschkrankenhaus, die Rudolfstiftung, das Donauspital, das Krankenhaus Hietzing oder das Wilhelminenspital gebracht. Die Zentren wechseln sich tageweise mit ihren Herzkatheter-Labordienstan ab. Am Wochenende bis Montag in der Früh stehen die Spezialisten am Wiener AKH bereit. Die Woche über fungieren sie jeweils als "Back-Up"-Einrichtung.

Die Ergebnisse und Patientencharakteristika: 2011 wurden insgesamt 615 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt an der Universitätsklinik für Notfallmedizin am AKH versorgt. Es handelte sich durchschnittlich um 64 Jahre alte Personen. Fast 70 Prozent waren Männer. 333 Personen (54,1 Prozent) hatten einen STEMI-Infarkt, bei dem eine möglichst sofortige Intervention erfolgen sollte. Fast bei 82 Prozent wurde eine Behandlung zur Wiederherstellung des Blutflusses durchgeführt (zu fast 94 Prozent die von den Kardiologen wegen der höheren Erfolgsrate bevorzugte Therapie mit dem Herzkatheter, Anm.). Hinzu kamen noch fast fünf Prozent an Patienten, bei denen eine medikamentöse Auflösung des Gerinnsels (Thrombolyse) versucht wurde.

Die Erfolgsrate war hoch. PCI-Eingriffe sind fast immer erfolgreich. Die Experten: "Die 30-Tages-Mortalität betrug 3,7 Prozent." Das ist ein sehr niedriger Wert. Die Krankenhaussterblichkeit von STEMI-Patienten liegt laut Daten, wie vergangenen Sommer beim europäischen Kardiologenkongress in München präsentiert wurden, zwischen vier und sechs Prozent, wenn der Patient in einem gut funktionierenden Netzwerk in einem PCI-Zentrum behandelt wird (z.B. FAST-MI Studie in Frankreich, DANAMI-Studie in Dänemark oder Wiener Infarktregister), aber bei 14 bis 16 Prozent in einem Nicht-PCI-Zentrum.

Die Wiener sind offenbar auch recht gut über die Notwendigkeit der möglichst schnellen Reaktion bei verdächtigen Symptomen informiert: Von den ersten Symptomen bis zur Alarmierung der Berufsrettung vergingen im Durchschnitt um die 50 Minuten. 50 Minuten nach der Alarmierung waren die Patienten im Durchschnitt an der Klinik. Recht "typisch" waren die Risikofaktoren und Grunderkrankungen der Betroffenen: 49 Prozent der Infarktpatienten wiesen Bluthochdruck auf, 30 Prozent waren Raucher - und 25 Prozent hatten zu hohe Blutfettwerte.

apa.at

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