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APA-Artikel 8. Februar 2013

"Medical School als Spielball"

Die Ausbildungsuniversität für Ärzte kommt nicht auf die Beine. Dabei hätte die Medical School zum Vorzeigeprojekt werden und die Euregio mit Leben erfüllen können. Jetzt wird die Mini-Uni zwischen den Landesteilen zerrieben.

 

Um dem drohenden Ärztemangel vorzubeugen, setzte die Landespolitik auf eine Medical School. Die Ausbildungsuniversität für Ärzte hätte in Innsbruck, Hall und Bozen installiert werden sollen. Der Clou dabei: Vor allem Studenten aus dem Trentino, Südtirol und Tirol sollten die länderübergreifende Uni besuchen. Eine derartige Selektion ist an der Medizin-Universität nicht möglich. Die Konsequenz ist, dass zu viele Absolventen wieder in ihre Heimat zurückkehren und damit ins Ausland abwandern. Selbst für die Medical School hätte es ein ausgeklügeltes System gebraucht, um eine De-facto-Bevorzugung der Studenten aus den drei Landesteilen juridisch durchzubringen. Und das ist nur eine von vielen Hürden, die die Medical School hätte nehmen müssen. Kritiker sehen in ihr die Etablierung eines Zweiklassensystems unter den Studierenden. Ob die Qualität der Ausbildung dieselbe wäre, bezweifeln die Gegner. Die Ärztekammer glaubt nicht daran, dass die Medical School ein Rezept gegen den Ärztemangel ist.

 

2010 tauchte die Idee einer länderübergreifenden Ausbildungsstätte zum ersten Mal auf. 2013 fehlt von ihr noch jede Spur. Mehr noch, in Südtirol stehen Landtagswahlen an. In deren Zuge wird die Medical School seit Tagen zerpflückt. In Südtirol forciert Gesundheitslandesrat Richard Theiner die Idee. Theiner könnte Luis Durnwalder als Landeshauptmann nachfolgen und das ruft seine Gegner auf den Plan. Mit großer medialer Unterstützung. Seit Tagen wird getrommelt, dass die Medical School nach Florenz verlagert und Innsbruck ausgebootet werden könnte. Noch dazu kommt, dass Rom bei der Medical School mit im Boot sitzen muss. Es aber nicht tut, weil die zuständigen Minister permanent wechseln und Italien das Geld ausgeht.

 

In Tirol wird die Medical School zwischen der Landes- und Bundespolitik und der Medizinischen Universität zerrieben. LH Günther Platter sieht im Rektor der Medizin-Uni, Herbert Lochs, einen Bremser. Lochs wiederum spielt den Ball der Politik zu, die sich über die Landesgrenzen hinweg nicht einigen könne. Unterm Strich hätte die Medical School ein herzeigbares Projekt für die Euregio sein können. Bei der letzten Sitzung der drei Länder buk man kleinere Brötchen. Man einigte sich darauf, dass ein Video über die Sicherheit auf Nord- und Südtiroler Skipisten gedreht werden soll. Herzeigbar wird es hoffentlich sein, Furore macht man damit nicht.

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