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APA-Artikel 29. Jänner 2013

EU-Kommission trotz Gefahr für Bienen gegen Pestizid-Verbot

Die EU-Kommission hat sich trotz eines neuen Berichts über die Gefahren von Pestiziden für Bienen gegen ein Verbot der Chemikalien ausgesprochen. Einen solchen Schritt halte er "nicht für gerechtfertigt", sagte der EU-Kommissar für Verbraucherschutz, Tonio Borg, am Montag bei einem Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel. Künftig sollen aber EU-weit einheitliche Regeln für den Pestizid-Einsatz gelten.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte jüngst in einem Bericht vor den Gefahren für Bienen durch Insektizide gewarnt. Die von der Untersuchung hervorgerufenen Bedenken erforderten "schnelles und entschiedenes Handeln", sagte Borg nun. Es gebe jedoch Möglichkeiten für einen sicheren Einsatz der Mittel. "Ein komplettes Verbot wäre daher nicht gerechtfertigt."

Die EFSA hatte in der von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Untersuchung der drei Mittel Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam gewarnt, deren Einsatz berge "etliche Risiken" für Bienen. Die Chemikalien gehören zu der Gruppe der hochwirksamen, aber umstrittenen Neonicotinoide, die seit längerer Zeit mit Vergiftungen und dem Massensterben von Bienen in Verbindung gebracht werden.

Die EU-Kommission hatte die Studie bei der Veröffentlichung trotz noch lückenhafter Datenlage als "beunruhigend" bezeichnet. Als Reaktion setzten die EU-Agrarminister das Thema auf die Tagesordnung ihres Treffens in Brüssel.

"Die Zeit ist reif, um in der gesamten EU ein gleich hohes Niveau an Schutz für die Bienen zu gewährleisten", forderte Borg. Der Kommissar will schon am Donnerstag bei Beratungen von Experten der Mitgliedstaaten eine "Reihe von ambitionierten, aber verhältnismäßigen Maßnahmen" zur Diskussion vorlegen. Diese sollten rechtlich verbindlich sein, aber kein komplettes Verbot vorsehen.

Anders als andere EU-Länder hat Deutschland den Einsatz der Neonicotinoide bereits eingeschränkt. Nach einem Bienensterben im Jahr 2008 ist ihr Gebrauch bei Getreide und Mais verboten und bei Raps und Zuckerrüben nur noch unter strengen Auflagen erlaubt. Kritiker warnen, dass Neonicotinoide neben Vergiftungen auch dazu führen können, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in die Bienenstöcke zurückfinden.

Die Bundesregierung fordert jetzt eine gemeinsame EU-Entscheidung über den Einsatz der Chemikalien in der Landwirtschaft. "Ich denke, das Entscheidende ist, dass wir das in Europa gemeinsam entscheiden und auf wissenschaftlicher Basis", sagte der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Robert Kloos, in Brüssel. Dabei könne der Umgang mit den Stoffen in Deutschland "eine bedeutende Rolle spielen, weil wir schon weitergehende Schritte unternommen haben".

apa.at

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