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APA-Artikel 16. Jänner 2013

Gesundheitsreform: Enorme Herausforderungen für die Bundeshauptstadt

"Die Situation wird in den unterschiedlichen Bundesländern auch unterschiedlich zu beurteilen sein, je nach Topografie, Infrastrukturvoraussetzungen und Angebotsdichte. Wir haben einiges durchgesetzt, von der Qualitätssicherung bis zur Ausbildungskompetenz, und wir werden weiter beobachten, wie die Praxis aussieht", ergänzt aus Wiener Sicht der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

Fakt sei, dass es vor allem in Wien für das gesamte Versorgungssystem enorme Herausforderungen gebe, die sich auch anders als in den übrigen Bundesländern zeigten. Szekeres verweist hier insbesondere auf die rasch wachsende Einwohnerzahl, eine unterschiedliche Demografie, wie mehr Pensionisten in den nächsten Jahren, oder die besondere Herausforderung an die Gesundheitsversorgung in einer Großstadt.

Das müsse man in der Umsetzung der Reform bedenken, "insbesondere in der Organisation der ambulanten Dienstleistungen sowie in der Vernetzung des niedergelassenen Bereichs mit den Spitälern und den neu zu errichtenden Krankenhäusern".

Erfreulich sei jedenfalls, dass einige angekündigte Veränderungen dann doch nicht gekommen sind. Szekeres: "Die Verantwortung über die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen sowie die Kompetenz in Sachen Qualitätsmanagement in Ordinationen sind dort geblieben, wo sie auch am besten aufgehoben sind, nämlich in den Händen der Ärztinnen und Ärzte."

Szekeres begrüßt ausdrücklich den politischen Willen, den niedergelassenen Bereich explizit zu stärken. "Hier muss aber noch viel getan werden", ist der Wiener Ärztekammerpräsident überzeugt. Wenn Ambulanzen geschlossen würden, müsse gleichzeitig im extramuralen Bereich noch mehr getan werden.

"Vertrauen, gepaart mit der nötigen Vorsicht"

Derzeit führen Deckelungen noch zu keinen Reduktionen der Investitionen im Gesundheitsbereich. Mittelfristig könne es aber bei widriger Entwicklung von Wirtschaft und Inflation zu Problemen kommen. Laut dem Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, könne dies zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen: "Wir sehen uns jetzt, wo die Phase der Ausformulierung der Begleitgesetze beginnt, das sehr genau und kritisch an und werden uns weiter einbringen. Wir haben Vertrauen, aber wir sind auf der Hut." In diesem Sinne plädiert Steinhart für "Vertrauen, aber gepaart mit der nötigen Vorsicht".

Die österreichischen Ärztinnen und Ärzte warteten nun mit Spannung und Zuversicht, wie die Begleitgesetze laut 15a-Vereinbarung nunmehr ausformuliert würden. "Bis dahin werden die Protestmaßnahmen in den meisten Bundesländern sistiert", so Steinhart, der auch feststellt, dass die Ausgaben im Gesundheitsbereich per se in Zukunft steigen würden, sowohl aus demografischen als auch aus Versorgungsgründen, aber auch, weil permanente Investitionen in medizinische Forschung und Entwicklung sowie in moderne Geräte notwendig seien und die Ansprüche der Patienten laufend stiegen.

Um den niedergelassenen Bereich zu stärken, fordert Steinhart einen raschen und unbürokratischen Ausbau der Kassenarztstellen: "Wir brauchen österreichweit 1000 Kassenverträge mehr", sagt Steinhart. Seit den 1980er-Jahren habe es trotz wachsender Bevölkerungszahlen und demografischer Veränderungen keine Aufstockung gegeben. Die Ärztedichte müsse daher endlich an die Zahl der Patienten angepasst werden. Und auch Gruppenpraxen müssten laut Steinhart stärker unterstützt werden, da diese "eine zusätzliche wichtige und sinnvolle Option der extramuralen Versorgung darstellen".

Beträchtliche Lücke im niedergelassenen Bereich

Die Österreichische Ärztekammer macht jedenfalls darauf aufmerksam, dass es dringend notwendig wäre, "jetzt und rechtzeitig für qualifizierten Nachwuchs und ein leistungsgerechtes Arbeitsumfeld zu sorgen, um damit die Gesundheitsversorgung in Österreich auf hohem Niveau auch in Zukunft zu gewährleisten". Schon derzeit gebe es "beträchtliche Lücken im niedergelassenen Bereich einerseits und Überforderungen beziehungsweise Personalmangel in Spitälern andererseits", resümiert der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger.

Nach derzeitigem Stand sind die österreichischen Ärztinnen und Ärzte zwar optimistisch, dass die Reform, die im Parlament beschlossen wurde, die Bedenken und Reformvorschläge der Ärzteschaft berücksichtige. Die Ärzteschaft werde aber "aufmerksam kritisch" bleiben, ob die politischen Zusagen, sie in die Erarbeitung der Umsetzungsgesetze maßgeblich einzubinden, auch halten.

"Innerhalb der Ärztekammer herrscht hohe Geschlossenheit in der Vorgangsweise und bei den Standpunkten - mit allen unterschiedlichen konkreten regionalen Problemen, die dann auch auf Länderkammerebene behandelt werden", betonen Wechselberger, Szekeres und Steinhart unisono.

Generell erwartet die Österreichische Ärztekammer eine stärkere Involvierung in künftige Reformgespräche und eine adäquate Mitsprache - zumindest bei allen Gesetzen und Vorhaben, die unmittelbar mit dem Gesundheitssystem und der Gesundheitsversorgung zu tun haben.

apa.at

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