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APA-Artikel 16. Jänner 2013

Gesundheitsreform: Ärztekammer wird sich in Begleitgesetze einbringen

In der Ärztekammer herrschen hinsichtlich der geplanten Gesundheitsreform in Österreich Skepsis und Zuversicht gleichermaßen. Entscheidend sei nun die Umsetzung der auszuarbeitenden Begleitgesetze, wo sich die Ärztekammer entsprechend den Versorgungsnotwendigkeiten einbringen werde, verlautete aus der Ärztekammer. Gleichzeitig sind aber sowohl der Wiener als auch der österreichische Ärztekammerpräsident davon überzeugt, dass der Gesundheitsminister seine in Gesprächen getätigten Zusagen gegenüber der Ärzteschaft einhalten werde.

Wenn es der Österreichischen Ärztekammer auch gelungen ist, durch ihre Informationsoffensive und ihren Widerstand gegen die ursprünglichen Pläne einige wichtige Themen der "Gesundheitsreform" in die richtige Richtung zu lenken, so bleibt laut dem Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger, die Kritik an der geplanten Zentralisierung und Ausgabendeckelung im Gesundheitswesen aufrecht.

Wechselberger: "Die erreichten Verbesserungen in den Vereinbarungen über die Organisation und Finanzierung sowie die Zielsteuerung des Gesundheitssystems betreffen insbesondere die ärztliche Ausbildung, die Qualitätssicherung und die Vertragsgestaltung mit den Sozialversicherungen, die nunmehr im Regelungsbereich der Ärztekammer bleiben." Gleichzeitig sei die Stärkung des niedergelassenen Bereichs in die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern eingeflossen, in den erläuternden Bemerkungen werde zudem die Entlastung der Spitalsärzte explizit festgehalten.

Die Ärztekammer erhoffe sich so, dass schon bei der Finanzierungs- und Organisationsreform eine Tendenz erkennbar sein werde, welche die folgende Versorgungsreform in Richtung Verbesserung der extramuralen Patientenversorgung lenke.

Diese nun anstehende, "eigentliche Gesundheitsreform" habe laut Wechselberger sicherzustellen, dass die medizinische Versorgung am richtigen Ort im erforderlichen Ausmaß vorgehalten werde und "die gesetzlichen Regelungen die 'Zwangsehe' zwischen Ländern und Sozialverssicherungen für Ärzteschaft und Patienten lebbar machen". Das bedeute, dass stationäre Patienten, wie in der 15a-Vereinbarung definiert, ambulant, in der Regel im niedergelassenen Bereich, zu behandeln seien, soweit dies medizinisch möglich sei. "Zu diesem Zweck sind die Strukturen der niedergelassenen Gesundheitsversorgung zu stärken und zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen", sagte Wechselberger. Er erwarte sich daher als Teil der notwendigen Folgegesetze "die längst überfällige Reform der Ausbildung in der Allgemeinmedizin mit einer Vertiefung und Verlängerung der Ausbildung, die Einhaltung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils sowie die konsequente Umsetzung und Finanzierung einer einjährigen Lehrpraxis".

Moderne Zusammenarbeitsformen für Ärztinnen und Ärzte

Neben der Schaffung zusätzlicher Kassenstellen, besonders für Fachärzte, sieht Wechselberger einen weiteren "unverzichtbaren" Punkt in der Ermöglichung liberaler, moderner Zusammenarbeitsformen für Ärztinnen und Ärzte gleicher und unterschiedlicher Fachrichtung: "Nur wenn Fachärzte und Allgemeinmediziner angemessen kooperieren und zusätzliche Kassenleistungen anbieten können, ist die zeitliche und fachliche Verfügbarkeit durch Vertragsärzte ausreichend sichergestellt und die Entlastung der Spitäler, der Spitalsambulanzen und der Spitalsärzte garantiert", so Wechselberger.

Zudem bedarf es auch attraktiver Arbeitsbedingungen, die derzeit nicht mehr gegeben seien. Wechselberger fordert hier "ein vorrangiges Programm, um die verantwortungsvolle Arbeit von Ärztinnen und Ärzten in Ordination oder Spital für junge Menschen wieder erstrebenswert zu machen". Voraussetzungen dafür: Arbeitsbedingungen, die eine ausgewogene Work-Life-Balance gewährleisten; Maßnahmen, die auf die speziellen Bedürfnisse einer im Zeichen der Feminisierung stehenden Ärzteschaft eingehen, wie zum Beispiel ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten in den Spitälern; international konkurrenzfähige Gehälter, um die ärztliche Abwanderung in die Nachbarländer zu verhindern; die Umsetzung des Hausarztmodells und die Förderung der ärztlichen Versorgung auf dem Land durch Erhalt und Stärkung der ärztlichen Hausapotheken; der Abbau bürokratischer Erschwernisse in Spital und Niederlassung.

Wichtig ist dem ÖÄK-Präsidenten schließlich auch die laufende Anpassung des medizinischen Kassenangebots an die sich ändernde Versorgungsrealität. Das betreffe insbesondere die Prävention, die Behandlung von chronischen, psychischen und demenziellen Erkrankungen sowie die Gesprächsmedizin - und: "Nicht zu vergessen die Aufgaben der Kommunikation und Koordination, die ein integriertes Versorgungssystem erfordern."

apa.at

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