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APA-Artikel 11. Jänner 2013

Psychiatrische Rehabilitation: Positives Kosten-Nutzen-Verhältnis

Jeder dritte Österreicher ist einmal im Laufe seines Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen. Fast ein Drittel aller Invaliditätspensionierungen haben mittlerweile diesen Hintergrund - Tendenz steigend. Setzt in solchen Fällen eine medizinisch-psychiatrische Rehabilitation frühestmöglich ein, rechnet sie sich immer, erläuterten Anbieter und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis fällt vor allem in jenen Fällen positiv aus, in denen die Patienten noch im Arbeitsprozess stehen, belegt eine aktuelle Studie des gemeinnützigen Rehabilitationsanbieters pro mente. Diese nahm die Kosten-Nutzen-Bilanz der sechswöchigen medizinisch-psychiatrische Rehabilitation detailliert unter die Lupe. Und zwar in der 2002 gegründeten Einrichtung Sonnenpark Bad Hall (Oberösterreich) des Betreibers von pro mente. Der Ergebnis: Jeder investierte Euro des Pilotprojekts bringt nach einem Jahr zwischen 0,82 und 1,32 Euro.

Im Schnitt amortisieren sich spätestens nach rund neun Monaten die Reha-Kosten; bei jenen Betroffenen, die noch im Berufsleben stehen, bereits nach einem dreiviertel Jahr. Wer einmal aufgrund derartiger Beschwerden auf dem Arbeitsprozess ausscheidet, ist zwar schwer wieder zu integrieren - die Maßnahme wirke aber in jedem Fall, so pro mente-Reha Geschäftsführer und Psychiater Werner Schöny. Dies geschieht etwa durch eine Senkung von Ausmaß und Länge von Krankenhausaufenthalten, der Steigerung der Lebensqualität oder einer Reduzierung der Symptombelastung.

Grundsätzlich ist Zeit ein zentraler Schlüsselfaktor: "Die Angebote müssen so frühzeitig wie möglich einsetzen", sagte Hundstorfer. Noch hake es in diesem Bereich, weil die flächendeckende Versorgung fehlt - vor allem im ländlichen Raum. "Aber die Wartezeiten werden kürzer", ergänzte Schöny. Seit 2010 wird das Programm angeboten - derzeit kommt es allerdings noch zum Teil zu einem "Vakuum" zwischen Spitalsaufenthalt und Reha-Beginn. "Wir versuchen, sehr massiv gegenzusteuern" schilderte der Minister.

Er möchte einen Umdenkprozess in Gang bringen, um berufliche, medizinische und gesellschaftliche Aspekte der Thematik psychische Erkrankungen zu enttabuisieren. Noch kommen die meisten Patienten erst nach einer Akutsituation und suchen nicht frühzeitig Hilfe, was sowohl zu einer Verschärfung als auch einer Verteuerung führt. Etwa ein Drittel findet bereits über den praktischen Arzt den Weg in die psychiatrische Reha, die als ambulante oder stationäre Variante angeboten wird. Einem Bundesland komme dabei in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle zu, betonte Hundstorfer. "Sämtliche Modellprojekte haben Oberösterreich als Ausgangspunkt".

(S E R V I C E - Weitere Informationen zu pro mente Reha, einer gemeinnützige Gesellschaft zum Betrieb von medizinisch-psychiatrischen Rehabilitationseinrichtungen in Österreich, unter www.promenteaustria.at. Details zur Studie "Kosten-Nutzen-Bilanz der medizinisch-psychiatrischen Rehabilitation in Bad Hall unter http://promente-reha.at/images/pdfs/Studie_Bad_Hall.pdf)

apa.at

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